Yamal feiert mit Palästina-Flagge: Rüffel von Trainer Flick – Lob von Spaniens Regierung
Ausgerechnet im Clasico gegen Erzrivale Real Madrid sicherte sich der FC Barcelona am Wochenende den vorzeitigen Meistertitel in Spaniens höchster Fussballliga. Gründe genug also, um ausgiebig zu feiern. Doch die Art und Weise wie Superstar Lamine Yamal dies anlässlich der Busparade seines Teams in der katalanischen Metropole tat, sorgt nun für Reaktionen. Der 18-Jährige, der starke 16 Tore und 12 Vorlagen zum Meistertitel der Katalanen beitrug, schwenkte auf dem Bus eine Palästina-Flagge. Diese wurden ihm offenbar von Menschen auf der Strasse, die der Parade beiwohnten, gereicht, wie The Athletic schreibt.
Yamals Trainer, der Deutsche Hansi Flick, zeigt sich nun wenig begeistert ob der politischen Botschaft seines Schützlings. Bei der Medienkonferenz vor dem Spiel gegen Deportivo Alavés am Mittwoch machte der 61-Jährige deutlich:
Er habe das seinem Spieler auch mitgeteilt. Am Ende liege die Entscheidung, eine solche Botschaft abzugeben aber bei Yamal selbst. «Ich habe ihm gesagt, wenn er das tun möchte, dann ist das seine Entscheidung. Er ist schliesslich erwachsen.»
Für den ehemaligen deutschen Nationaltrainer geht es offenbar auch darum, Polemik zu vermeiden. Fussballer sollten sich auf das Wesentliche konzentrieren, so der Deutsche sinngemäss: «Unsere Aufgabe ist es, Fussball zu spielen, und wir müssen uns stets vor Augen halten, was die Menschen von uns erwarten.»
Zumindest in Spanien hielten sich die negativen Reaktionen gegenüber Yamal, der praktizierender Muslim ist und dessen Eltern aus Marokko respektive Äquatorialguinea stammen, in Grenzen. Im Gegenteil: Online erhielt der Flügelstürmer für sein Solidaritätsbekenntnis mit Palästina viel Zuspruch.
Selbst von höchster politischer Ebene gab es Lob für den Fussballer. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez, der für seine propalästinensische Haltung bekannt ist, äusserte sich indirekt positiv über Yamals Aktion. Auf einer Medienkonferenz antwortete er auf eine Frage dazu, dass Spanien den Staat Palästina anerkannt habe.
Das Land verurteile «die Angriffe der Hamas ebenso wie den in Gaza verübten Völkermord sowie die illegale Besetzung des Westjordanlands» durch israelische Siedler. Palästina habe ebenso ein Existenzrecht wie Israel. Sanchez gilt als einer der schärfsten und offensten Kritiker der israelischen Regierung in Europa.
Trotz des Rüffels seines Trainers dürfte das politische Statement derweil kaum Konsequenzen für Yamal haben. In Barcelona überwiegen aktuell die positiven Gefühle: Das Team feierte mit Flick und Yamal den zweiten Meistertitel in Serie, der Parade in der Innenstadt wohnten rund 750'000 Menschen bei.
(con)
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