Basler Bankrotterklärung gegen Sion – Daniliuc schimpft: «Lustlos und nicht FCB-würdig»
Verstehen muss man es nicht, warum sich Moritz Broschinski den Ball schnappt und auf den Elfmeterpunkt legt. Der FC Basel und die Penaltys – das ist eine spezielle Geschichte in einer speziellen Saison, die den Rotblauen auf den letzten Metern aus den Fugen gerät.
Broschinski ist gerade einmal ein paar Sekunden auf dem Platz, als er im Strafraum zu Fall kommt und Schiedsrichter Lukas Fähndrich nach VAR-Intervention auf Penalty entscheidet. «Die Spieler machen untereinander aus, wer sich besser fühlt», erklärt FCB-Trainer Stephan Lichtsteiner, warum nicht der relativ sichere Schütze Benié Traoré antritt. Sondern Broschinski, dieser im FCB-Trikot ebenso so unglücklich agierende wie bemitleidenswerte Mittelstürmer.
Sein Schuss ist flach und mässig platziert, die Parade von Anthony Racioppi umso besser, womit der Sion-Keeper seine persönliche Quote der abgewehrten Elfmeter auf über ein Drittel aller Versuche schraubt. Und damit das Basler Elend bei einem 0:2-Rückstand quasi schon perfekt macht. Wirklich nahe kommt der FCB einer Wende nicht mehr.
Damit verliert er nicht nur den so wichtigen vierten Tabellenplatz an die Sittener. Er kassiert eine Niederlage historischen Ausmasses gegen die Walliser, die zuletzt vor fast 29 Jahren ein Punktspiel in Basel gewonnen haben. Zu einer Zeit also, als die meisten Spieler auf dem Platz noch gar nicht geboren waren.
Didier Tholots persönlicher Triumph
«Darauf haben wir lange gewartet», sagt Sion-Trainer Didier Tholot, der den kleinen Triumph nach Spielschluss mit in den Frühlingshimmel geballten Fäusten feiert. Für den 62-Jährigen, der einst auch das Trikot des FCB trug, ist es ein ganz besonderes Erlebnis: Er war am 2. August 1997 der Torschütze zum 3:1-Endstand für Sion, er war auch der Trainer, der die Walliser 2015 im Final zu St. Jakob zum 3:0-Cupsieg gegen den FCB führte.
Und jetzt ist er wieder der Sittener Trainer und leitet die beste Abwehr der Super League. Das 2:0 war bereits die 13. Partie dieser Saison ohne Gegentor. Und diese stabile Defensive ist auch an diesem Sonntag die Basis für den Erfolg und das sechste Spiel ohne Niederlage, das den FC Sion nun von Europa träumen lässt.
Davon ist der FCB weiter entfernt denn je. Er kann zwei ordentliche Phasen zu Beginn beider Halbzeiten für sich reklamieren, mehr aber auch nicht. Führt man sich vor Augen, dass der Elfmeter in der 74. (!) Minute der erste Schuss aufs gegnerische Tor war und eingedenk des sechsten (!) verschossenen Penaltys in dieser Saison, dann ist die 34. Super-League-Partie eine offensive Bankrotterklärung gewesen.
Zwei erneut auf sehr billige Art zugelassene Gegentore führen dazu, dass der (immer noch amtierende) Meister FCB nicht nur zwei Punkte hinter Sion auf Platz 5 abgerutscht ist, sondern nun schon sieben Längen hinter Platz 3 steht, der eine Teilnahme am Europacup garantiert. Selbst wenn St.Gallen den Cup gewinnt, müsste Basel Vierter werden, um an der Qualifikation zur Conference League teilzunehmen. «Die Tabelle lügt nicht», sagt Lichtsteiner, «und sie zeigt, dass wir nicht da oben dazugehören.»
Daniliuc geiselt Lustlosigkeit
Den Frust im Basler Lager spitzt Flavius Daniliuc noch zu: «Diese Leistung reicht einfach nicht. So lustlos aufzuspielen, ist dem FC Basel nicht würdig», sagt der Verteidiger vor der Kamera von Blue, «acht Gegentore aus den letzten drei Spielen sind auch für mich persönlich katastrophal. Und vorne bekommen wir im Moment gar nichts hin. Nicht mal Elfmeter verwandeln wir.»
Auch Lichtsteiner hat den «letzten Biss» vermisst bei einer Mannschaft, in der die fehlende Kreativität des verletzten Xherdan Shaqiri schmerzlich zu Tage tritt. Dem Trainer bleibt nur auf Durchhalten zu plädieren: «Es sind noch vier Spiele, in denen wir irgendwie probieren, es auf unsere Seite zu reissen und es noch nach Europa zu schaffen, egal, wie die Umstände sind.» (bzbasel.ch)

