Bei diesen Super-League-Klubs geht es wieder bergauf – und hier brennt schon der Baum
YB ist wieder das alte YB
4:2 gegen Sion, 6:0 in Thun
Nach zwei eher schwierigen Jahren scheinen die Berner Young Boys wieder zur alten Stärke zu finden. Offensiv begeisterte YB mit zehn Treffern und auch die Defensive wirkt deutlich gestärkter als noch in der letzten Spielzeit. Dies, obwohl der neue Aussenverteidiger Isaac Schmidt erst zu zwei Kurzeinsätzen gekommen ist.
Das 6:0 im Kantonsderby beim amtierenden Meister war ein deutliches Zeichen an die gesamte Liga. Es darf nicht vergessen werden, dass die Berner in dieser Saison anders als ihre potenziell grössten Herausforderer St.Gallen und Thun nicht europäisch vertreten sind. Aktuell ist das Kader bei YB aber noch zu gross und es könnte noch zu einigen Änderungen kommen.
Die Erwartungen in der Bundesstadt werden nach den ersten zwei Spieltagen sicher nicht abnehmen und das Ziel der Young Boys muss es sein, dass der Meisterpokal zurückkehrt.
Koller ist das, was der FCZ brauchte
1:2 in St.Gallen, 2:1 gegen Servette
Auch beim FC Zürich verliefen die letzten Jahre nicht nach Plan und es kam zu einigen Trainerwechseln in der Limmatstadt. Neuerdings steht ausgerechnet GC-Legende Marcel Koller an der Seitenlinie und dies zeigt bereits Wirkung. Die Zürcher wirken auf dem Platz viel sortierter als noch in der letzten Saison und es ist ein besserer Plan zu erkennen.
Nach der ärgerlichen Niederlage zum Auftakt der Saison konnte am Samstag der erste Dreier eingefahren werden. Mit Mohamed Bangoura und Kevin Spadanuda wechselte Koller gleich die beiden Spieler ein, die für den zweiten und vorentscheidenden Treffer gegen Servette verantwortlich waren.
Der 65-Jährige sieht trotzdem noch Verbesserungspotenzial, aber bereits nach der Niederlage in St.Gallen hatte er lobende Worte für sein Team: «Die Spieler haben miteinander gespielt und gekämpft und sich gegenseitig unterstützt.» Mit Koller liegt vielleicht auch mal wieder ein Platz in der Championship Group für den FCZ drin.
Nicht mehr das gleiche Team – und trotzdem gut
3:1 in Luzern, 0:6 gegen YB
«Wir sind nicht mehr die gleiche Mannschaft», sagte Thun-Präsident Andres Gerber in der Pause des Derbys gegen YB bei Blue. Nicht nur Leistungsträger wie Franz-Ethan Meichtry, Elmin Rastoder oder vor allem Captain Leonardo Bertone haben den Klub nach dem sensationellen Meistertitel verlassen, sondern auch Trainer Mauro Lustrinelli. Aufgrund der Abgänge und der Doppelbelastung zeigte sich Gerber nicht überrascht davon, dass die Thuner schon in der Halbzeit 0:3 zurücklagen. Am Ende gewann YB gar 6:0.
Es war ein weiterer harter Nackenschlag für den Klub, der wenige Tage zuvor in der Champions-League-Qualifikation bei Dinamo Zagreb trotz 2:0-Führung gescheitert war. Dennoch darf man sich beim Team vom neuen Trainer Gian-Luca Privitelli berechtigte Hoffnungen auf eine weitere erfolgreiche Saison machen – schliesslich sind Titel im Berner Oberland bestimmt nicht der neue Standard.
Zum Auftakt gewann ein effizientes Thun trotz eines frühen Rückstands in Luzern. Gegen Europacup-Stammgast Dinamo Zagreb war der Schweizer Meister bis zur Roten Karte gegen Marco Bürki in der 67. Minute das bessere Team. So sollte der FC Thun mindestens um einen Platz in den Top 6 der Super League mitspielen können – und bei dieser Vorstellung hätten die Berner Oberländer nach dem Aufstieg vor einem Jahr wohl bereits Freudensprünge gemacht.
Simoni ist (noch) nicht der gewünschte Luzern-Rückhalt
1:3 gegen Thun, 0:3 in Sion
Nach dem Abgang von Pascal Loretz musste Luzern eine neue Nummer 1 suchen und fand diese mit dem albanischen Nationaltorhüter Simon Simoni. Dieser erlebt in der Innerschweiz aber einen absoluten Horrorstart. Zwei Partien, sechs Gegentore und bei beiden Einsätzen unterlief ihm ein grober Fehler. Dem 22-Jährigen ist die fehlende Spielpraxis anzusehen. In den letzten zwei Saisons kam er nur zu zehn Pflichtspieleinsätzen.
Zwar stellten sich die Mitspieler hinter ihren Torwart, aber Trainer Udo Portmann stellte nach dem erneuten Patzer in Sion auch klar: «Das ist ein klarer Torhüterfehler, der nicht passieren darf. Natürlich dürfen die Sittener nicht so frei zum Schuss kommen, aber der Ball ist haltbar.» Angeblich will der FCL einen weiteren Goalie verpflichten.
Doch dass der FCL mit der aktuell schlechtesten Tordifferenz auf dem letzten Platz der Super League steht, liegt nicht nur am Goalie. Auch die weiteren Zugänge wie Verteidiger Loïc Lüthi oder Mittelfeldspieler Leonardo Bertone bringen noch nicht den gewünschten Effekt. Dazu kommt ein unerfahrener Trainer, der im Alter von 49 Jahren erstmals im Profibereich tätig ist. Ob das gutgeht?
Lichtsteiner strapaziert den Geduldsfaden
1:0 bei Servette, 0:1 gegen Lausanne
Der FC Basel aus den ersten beiden Saisonspielen ähnelt jenem von letzter Saison auf beunruhigende Weise. So fehlen der Offensive um Xherdan Shaqiri nach wie vor Ideen und Durchschlagskraft. Das haben auch die Neuzugänge, die, zugegeben, noch nicht lange mit dem FCB trainieren, nicht geändert. In 180 Minuten in Genf und gegen Lausanne gelang nur ein Treffer – und das durch einen Penalty von Zan Celar.
Trainer Stephan Lichtsteiner schiebt die fehlende Durchschlagskraft und Kreativität im SRF-Interview auf das niedrige Alter der Spieler und die fehlenden Automatismen. Damit diese entstehen können, braucht es Zeit. Ob der 42-Jährige, der im Januar übernommen hat, diese hat, ist jedoch fraglich. FCB-Präsident David Degen stärkte Lichtsteiner vor der Saison im vereinseigenen Podcast zwar den Rücken, sagte aber auch: «Er kennt das Geschäft.» Die Geduld der Fans mit dem Trainer und seinem Team scheint ihr Ende bereits erreicht zu haben. Nach der 0:1-Niederlage gegen Lausanne gab es im Joggeli ein gellendes Pfeifkonzert.
Positiv ist beim FC Basel zumindest die Defensive herauszustreichen. Nach dem Auftakt ohne Gegentor in Genf liess der FCB gegen Lausanne nur einen Torschuss zu – der unhaltbar im Winkel einschlug. Um die von Degen geforderten Punkte einzufahren, muss sich die Offensive aber deutlich steigern. Ansonsten droht eine weitere sehr unangenehme Saison.
