Bello e impossibile
Das erste Mal tat's noch weh. Beim zweiten Mal nicht mehr so sehr. Und beim dritten Mal?
Bei Stefan Waggershausen finden wir keine Antwort. Der deutsche Musiker beliess es bei zweimaligem Schmerz.
Nach der Fussball-WM 2018 und der Fussball-WM 2022 fehlt Italien auch an der Fussball-WM 2026. Stattdessen wird die Schweiz im Sommer auf Bosnien-Herzegowina treffen, das die Träume der Azzurri im Penaltyschiessen beendete.
Kaum zu glauben, aber wahr: Seit dem vierten WM-Titel 2006 gewann Italien an Weltmeisterschaften nur noch ein einziges Spiel, 2014 mit 2:1 gegen England. Wenige Tage später war eine 0:1-Niederlage gegen Uruguay der bislang letzte Auftritt an einer Weltmeisterschaft. Er ging in die Fussballgeschichte ein durch den Biss von Luis Suarez in die Schulter von Giorgio Chiellini.
Häme über das erneute Scheitern in der WM-Qualifikation ist nicht angebracht. Das werden spätestens dann alle feststellen, wenn es stattdessen bei DR Kongo – Usbekistan oder Jordanien – Algerien um die Wurst geht.
Die aufgewärmten Memes, die nun wieder die Runde machen, sind nicht mehr lustig. Dass es Italien nicht mehr an Weltmeisterschaften schafft, ist traurig. Und irgendwie unerklärlich, auch wenn es natürlich Versuche gibt, die Krise zu erklären. Da ist etwa von mangelnder Nachwuchsförderung die Rede, von Defiziten in der Infrastruktur oder veralteten Strukturen.
Die Serie A gehört nach wie vor zu den besten Ligen der Welt, doch das Nationalteam kriegt kein Bein mehr vors andere. Umso kurioser ist da der Fakt, dass die Squadra Azzurra während dieser langen Durststrecke 2021 den EM-Titel errang.
Italien, das war Abwehrgott Maldini. Das waren Schillerfalter Baggio, die Torjäger Schillaci und Rossi, das waren der fallende Totti, der eiserne Bergomi und der Fratelli d'Italia brüllende Gigi Buffon. Italien, das sind unvergessene Erinnerungen und die vielleicht schönsten Trikots der Welt. Italien und Fussball-WM – das passte zusammen wie Gelati und Sandstrand.
Nun werden im Stiefelland wieder Millionen zu Experten, die beim Espresso diskutieren, analysieren, gestikulieren. Wie gross ist der Anteil von Nationaltrainer Gennaro Gattuso? Warum schaffen es die Serie-A-Klubs nicht, mehr starke Italiener auszubilden? Wie kann der Verband endlich den Turnaround schaffen? Gleichzeitig wenden sich immer mehr Italienerinnen und Italiener von jener Mannschaft ab, die sie fast nur noch enttäuscht.
Mit Edoardo Bennato sang Gianna Nannini an der WM 1990 in Italien von «Notti Magiche», magischen Nächten. Es ist bis heute eine der besten Fussballhymnen und mit dem italienischen Nationalteam verknüpft.
Aktuell passt aber ein anderer Hit der Sängerin viel besser: Bello e impossibile. Das Wortpaar «Italien und WM» löst immer noch schöne Erinnerungen aus – bei denen, die sich daran erinnern können. Für alle jüngeren ist es mittlerweile unmöglich, sich diese Kuriosität vorzustellen: Italien an einer Fussball-WM?!
Bello, das war einmal. Heute ist Italien an einer Weltmeisterschaft vor allem eines: impossibile.
