FIFA wollte, dass Infantino wie Trump behandelt wird – doch WM-Stadt lehnte ab
Die Fussball-Weltmeisterschaft beginnt in gut sechs Wochen. Die Vorbereitungen bei den Gastgeberländern und auch der FIFA laufen deshalb auf Hochtouren. Ein grosser Punkt sind natürlich die Sicherheitsvorkehrungen. Nun lehnte die Stadt Vancouver eine Forderung des Weltfussballverbands ab.
Die FIFA forderte vom WM-Gastgeber im Südwesten Kanadas, dass Infantino spezielle Bewilligungen bekommt. Dies berichtet der Fernsehsender «Global BC». So sollte der 56-jährige Walliser unter anderem das Recht einer Auto-Eskorte auf Sicherheitsstufe 4 erhalten. Diese ist beispielsweise dem US-Präsidenten vorbehalten und erlaubt es, auf abgesperrten Strassen und über rote Ampeln zu fahren. Kanadas Premierminister Mark Carney erhält jeweils die nächsttiefere Stufe.
Die Stadt Vancouver lehnte dies jedoch ab. «Alle getroffenen Verkehrsmassnahmen werden angemessen und verhältnismässig sein und im Einklang damit stehen, wie Vancouver grosse internationale Veranstaltungen sicher ausrichtet», hiess es in einer Medienmitteilung.
Wäre Infantino dieses Privileg genehmigt worden, hätte das bei den Bürgerinnen und Bürgern Vancouvers wohl für grosses Unverständnis gesorgt. In einer Strassenumfrage des Senders konnte die Frage, wer der FIFA-Präsident sei, niemand beantworten. Eine Frau antwortete: «Ich weiss es nicht und es ist mir egal.» Immerhin stellte die FIFA nicht die Forderung nach Sicherheitsstufe 5. Diese ist ausschliesslich für den Papst vorgesehen.
Trotz der abgelehnten Forderung des Weltverbands plagen die gut 750'000 Einwohner Sorgen bezüglich der bevorstehenden WM. So wurden den Steuerzahlerinnen die Sicherheitskosten bisher vorenthalten. Es wird mit dem grössten Polizeiaufgebot in Vancouvers Geschichte gerechnet – und die Vergangenheit lässt nichts Gutes erahnen.
Bei den Olympischen Spielen 2010 wurde mit Kosten in Höhe von 175 Millionen kanadischen Dollar gerechnet, am Ende waren es über 900 Millionen. Damals entsprach ein kanadischer Dollar etwas weniger als einem Franken. Vor zehn Monaten schätzte die Stadt die Sicherheitskosten auf 345 Millionen kanadische Dollar, was knapp 200 Millionen Franken wären. Seither habe es kein Update gegeben, der Sprecher von «Global BC» ist sich aber sicher: «Es hat sich ohne Zweifel geändert.» (nih)
