«Immer lief etwas gegen mich»: George Russell verliert im WM-Kampf den Anschluss
«Ich glaube, du vergisst, dass wir Konkurrenten sind», antwortete Lewis Hamilton einem Reporter auf die Frage, nach Ratschlägen für Kimi Antonelli. «Er macht seine Sache bereits grossartig. Ich werde ihm keine weiteren Tipps mehr geben.»
Doch kaum einer scheint sich so sehr für und mit dem gerade mal 19-jährigen historischen Seriensieger aus Italien zu freuen wie Hamilton. Auf dem Podium nach dem Grand Prix in Kanada trug er ihn auf der Schulter, immer wieder herzte der zweitplatzierte Hamilton Antonelli nach dessen viertem Sieg de suite. Eine derartige Serie nach dem ersten Triumph gelang vorher keinem in der Formel 1.
Russell erleidet weiteren Rückschlag
Natürlich profitierte der Teenager Antonelli in einem aufregenden Rennen vom Ausfall seines Teamkollegen George Russell, der in Führung liegend mit seinem Silberpfeil stehen blieb. Der Motor streikte. Es war ein weiterer Rückschlag in der ohnehin nicht optimal verlaufenden Saison des Engländers.
«Es fühlt sich an, als würde jemand nicht wollen, dass ich um diesen Titel kämpfe. In drei der letzten fünf Rennen war immer etwas, das gegen mich lief. Mir fehlen die Worte», bilanzierte Russell nach dem Rennen.
Der Engländer, der als Favorit auf den WM-Titel in die Saison gestartet war, gewann Anfang März zum Auftakt in Australien und sicherte sich eine Woche später in China den Sieg im Sprintrennen. Seither stand er jedoch im Schatten von Antonelli. «Ich mochte den Kampf mit ihm und bin zufrieden mit meiner eigenen Leistung an diesem Wochenende», so Russell, der den Sprint in Kanada gewann, sich im Qualifying die Pole-Position sicherte, und zum Zeitpunkt des Motorausfalls im Rennen zuvorderst lag.
Besonders bitter dürfte das Ausscheiden in der 30. Runde für Russell sein, weil er den Abstand auf Antonelli bei einem Sieg auf elf Punkte hätte verkleinern können. Nun liegt er in der WM-Wertung 43 Punkte zurück.
«Mir ist es zu heiss geworden»
«Das war nicht die Art, wie ich gewinnen wollte», funkte Antonelli zwar an die Box, nur zu gern hätte er den Zweikampf mit Russell länger als 30 Runden bis zu dessen Ausfall geführt. Er nehme den Erfolg aber gerne mit. «Kimi verdiente den Sieg heute», betonte Teamchef Toto Wolff, der den jungen Italiener nach dem Weggang von Hamilton als dessen Nachfolger im Mercedes auserkoren hatte.
Das knallharte Duell seiner beiden Fahrer hatte aber auch den erfahrenen Österreicher ordentlich mitgenommen. «Ich hätte mir gewünscht, dass sie ein bisschen rausnehmen. Das ist aber nicht passiert», sagte Wolff: «Mir ist während vielen Runden heiss geworden.» Die Zuschauer hingegen waren begeistert: Antonelli und sein WM-Verfolger schenkten sich nichts. Einen Crash konnten sie verhindern, mehr als einmal rappelten sie aber zur Freude der Fans übers Gras auf dem Circuit Gilles Villeneuve. (riz/sda/dpa)
