Weshalb Norris und McLaren in der neuen Formel-1-Saison nur Aussenseiter sind
Letztjährige Dominatoren nur Aussenseiter
364 Punkte. So gross war im letzten Jahr der Vorsprung von McLaren in der Konstruktionswertung auf den ersten Verfolger Mercedes. Die Papayas flogen besonders zu Beginn des Jahres der Konkurrenz davon und gewannen von den ersten 15 Grand Prix deren zwölf.
Zwar wurde es in der Fahrerweltmeisterschaft zum Saisonende hin nochmals spannend, weil Max Verstappen seinen Red Bull zu Höchstleistungen brachte, aber Lando Norris sicherte sich den Titel mit zwei Punkten Vorsprung zum ersten Mal in seiner Karriere.
Durch die Regel-Revolution betreffend die Autos scheint die Dominanz von McLaren aber bereits wieder zu enden. Bei den Tests in Spanien und Bahrain konnten die Titelverteidiger nicht mit den Besten mithalten. «Wir müssen hart arbeiten, um aufzuholen und das Auto so schnell wie möglich weiterzuentwickeln», sagte Teamchef Andrea Stella gemäss Motorsport-Total.
Auch Weltmeister Norris, der vor einem Jahr zum Saisonauftakt in Melbourne gewann, hält sich bedeckt. «Aktuell müssen wir wohl noch nachlegen. Wir müssen das Auto verbessern, um konkurrenzfähiger zu werden und mit mehr Selbstvertrauen ins Rennen zu gehen», sagte der Brite, der auch noch Selbstvertrauen vom letzten Jahr hat. «Es ist gut zu wissen, dass ich es schon einmal geschafft habe und deshalb auch wieder schaffen kann. Aber uns erwartet eine lange Saison.»
Auf Revanche aus ist Oscar Piastri. Der Australier führte neun Rennen vor dem Saisonende die WM-Rangliste mit 34 Zählern Vorsprung an, brach dann aber zusammen und konnte kein einziges Rennen mehr für sich entscheiden. Piastri muss es zuerst schaffen, sich vor Norris zu setzen und dann die vorderen Teams anzugreifen.
Doch wer sind nun die Favoriten?
Bei den Testfahrten waren von der Pace her die Ferraris klar am schnellsten. Natürlich steigen da in Maranello gleich die Erwartungen. Schliesslich ist es 19 Jahre her, seit Kimi Räikkönen als bisher letzter Ferraripilot zum WM-Titel fuhr.
Bereits auf die letzte Saison hin war die Vorfreude gross, da der siebenfache Weltmeister Lewis Hamilton zum italienischen Rennstall wechselte. Doch der mittlerweile 41-Jährige fuhr in keinem Grand Prix auf das Podest. Einer der wenigen Lichtblicke seinerseits war der Sprintsieg in China. In seinem aktuell letzten Vertragsjahr möchte Hamilton nochmals voll angreifen, hat aber mit Charles Leclerc einen Teamkollegen, der bereits im letzten Jahr deutlich besser gefahren ist.
Die Experten sind sich uneinig, ob Hamilton und Ferrari wieder voll angreifen können und auch Chancen auf den WM-Titel haben. So sagte beispielsweise der frühere Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: «Ich glaube, dass Lewis der Sache auf den Grund geht, warum es bisher bei Ferrari nicht funktioniert hat und die richtigen Schlüsse zieht.»
Anders sieht es der siebenfache Grand-Prix-Gewinner Juan Pablo Montoya. «Ferrari wird nicht liefern! Es ist einfach schwer vorstellbar. Es ist jedes Jahr dasselbe. Es ist schwer zu glauben, dass sie es schaffen werden. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen», sagte der Kolumbianer gegenüber «Vision4Sport».
Gemäss den Buchmachern hat ein anderes Team die Nase noch leicht vor Ferrari. Mercedes beeindruckte bei den Probefahrten mit den besten Rennsimulationen und dadurch gilt George Russell vor dem Start der Saison als grösster Favorit auf den WM-Titel.
Ein Problem für Mercedes gibt es allerdings. Die Silberpfeile fanden beim Verdichtungsverhältnis ein kleines Schlupfloch und schafften sich einen kleinen Vorteil, damit der Motor besser lief. Allerdings wird diese Methode nur noch bis Ende Mai erlaubt sein, bis dahin muss Mercedes den Motor anpassen.
Allerdings hat auch der 28-jährige Russell noch Zweifel vor dem Beginn der neuen Saison. Besonders die Starts machten dem Briten wie vielen anderen bei den Tests zu schaffen. «Ich habe das Gefühl, dass wir viel Potenzial haben, aber um ein Rennen zu gewinnen, musst du auch wie ein Sieger losfahren können. Meine zwei Startversuche waren wohl meine übelsten in der Formel 1», erklärte Russell und sieht ebenfalls Ferrari weit vorne. «Es spielte keine Rolle, ob wir ein konkurrenzfähiges Auto haben oder nicht – wenn du dann siehst wie Lewis Hamilton im Ferrari an allen vorbeiprescht. Das müssen wir dringend auf die Reihe kriegen.»
Auch Russells Teamkollege Kimi Antonelli ist etwas zuzutrauen, aber der Sprung nach ganz vorne kommt für den Italiener wohl zu früh. Er könnte aber mit starken Leistungen sicherlich Russell im WM-Kampf unterstützen.
Wie stehen die Chancen bei Verstappen?
Die Formel 1 sei durch die neuen Regeln wie die Formel E auf Steroiden, gab ein angefressener Max Verstappen nach den Testfahrten in Bahrain zu Protokoll und sagte auch, dass es so keinen Spass mache.
Das grösste Problem aus seiner Sicht sei, dass die Piloten nicht voll auf Tempo fahren können, sondern es eher ein Energiemanagement sei. «Für mich ist das einfach nicht Formel 1. Vielleicht ist es dann besser, Formel E zu fahren, oder? Denn dort dreht sich alles um Energie, Effizienz und Management», erklärte der Niederländer.
Trotz Kritik muss man den vierfachen Weltmeister auch in dieser Saison auf der Rechnung haben. Sein Rennstall Red Bull wird das Auto erneut voll auf ihn auslegen. Das grosse Fragezeichen ist wie so oft vor einer neuen Saison. Kann Isack Hadjar mit seinem Teamkollegen mithalten?
Der Franzose selbst sagt dazu in einem Interview mit der deutschen Bild: «Es war schwierig, weil niemand annähernd an sein Niveau rangekommen ist. Dazu ist er schon eine Weile im Team, kennt alles und jeden.» Einen Vorteil sieht Hadjar bei den neuen Autos: «Ich habe Glück – durch die Änderung der Regularien komme ich zu einem sehr guten Zeitpunkt.»
Welche Fahrer und Autos sind neu?
Ab dieser Saison ist der Name Sauber nicht mehr unter den Autos. Der Rennstall wurde von Audi übernommen und geht nun als «Audi Revolut F1 Team» an den Start. Die Fahrer sind mit Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto aber dieselben geblieben, auch der Sitz in Hinwil bleibt bestehen. Der grosse Sprung nach vorne kann vom deutschen Autohersteller aber noch nicht erwartet werden.
Geht es nach den Testergebnissen, wird wohl auch das neue Team Cadillac keine riesige Rolle spielen. Mit Valtteri Bottas und Sergio Perez steigen aber zwei sehr erfahrene Piloten in das neue Cockpit.
Mit Arvid Lindblad ist auch ein Rookie im Fahrerfeld vertreten. Der 18-Jährige übernimmt bei den Racing Bulls den Platz des abgewanderten Hadjar. Nicht mehr dabei ist Yuki Tsunoda, welcher als Teamkollege von Verstappen scheiterte.
