Was ist, wenn der Iran nicht an der Fussball-WM in den USA teilnimmt?
Ausgerechnet! Die Auslosung der WM-Gruppen im vergangenen Dezember ergab, dass sich am 26. Juni in Seattle der Iran und Ägypten gegenüberstehen – in einem Spiel, das schon vor der Auslosung als «Pride Match» gelabelt wurde. Ein Spiel als Ausdruck des Engagements der Stadt, eine integrative Umgebung zu schaffen, in der sich alle wohlfühlen.
Die Paarung Iran – Ägypten für dieses Spiel sorgte für Aufsehen, sind es doch Länder, in denen es LGBTQ-Menschen besonders schwer haben. Doch nun ist unklar, ob es überhaupt zu diesem Fussballspiel kommen wird. Die USA haben am Samstag den Iran militärisch angegriffen und unter anderem den Ajatollah Ali Chamenei getötet.
Spiele an der US-Westküste
Irans Fussballer treffen im Juni in den Gruppenspielen laut Spielplan in Los Angeles auf Neuseeland und Belgien. Zum Abschluss geht es nach Seattle.
Allerdings ist derzeit offen, ob es zu diesen Partien kommen wird. «Angesichts der Ereignisse und des Angriffs der Vereinigten Staaten ist es unwahrscheinlich, dass wir uns auf die Weltmeisterschaften freuen können», sagte der Präsident des Fussballverbands, Mehdi Taj, gemäss dem iranischen Staatsfernsehen. Über einen Boykott oder eine Teilnahme würden die «Sportfunktionäre» entscheiden, womit er wohl die iranische Regierung meinte.
Irak oder VAE als Nachrücker?
Sollte der Iran das WM-Turnier in den USA boykottieren, dürfte vermutlich ein anderes asiatisches Team nachrücken. Dafür in Frage kommen am ehesten der Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie hatten sich um den letzten Platz in den interkontinentalen Playoffs duelliert. Der Irak erreichte diese und hat dort noch die Chance aufs WM-Ticket, die VAE sind ausgeschieden.
Die FIFA hat sich erst zurückhaltend geäussert. Der Fokus sei auf einen sicheren Ablauf der WM gerichtet, sagte Generalsekretär Mattias Grafström. Man werde die Situation im Iran beobachten.
Erinnerungen an 1992
Eine rasche Entscheidung würde viele Unklarheiten lösen. Bereits Ende Monat stehen die interkontinentalen WM-Playoffs mit dem Irak auf dem Programm. Oder hat der Irak dann schon sein WM-Ticket im Sack und stattdessen erhalten die VAE noch einmal eine Chance?
Wohl niemand wünscht sich ein Szenario wie vor der EM 1992 – obwohl es märchenhaft endete. Jugoslawien war wegen des Balkan-Kriegs zehn Tage vor Turnierbeginn ausgeschlossen und durch Dänemark ersetzt worden. Die dänischen Spieler brachen ihre Ferien ab und gewannen sensationell den Titel. (ram)
