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Federer liebt Paris und Paris liebt ihn.
Federer liebt Paris und Paris liebt ihn.bild: rolandgarros

«Federer Forever» – die Rücktrittsangst lässt den Hype ins Unermessliche steigen

Der Hype um Roger Federer nach dessen Rückkehr an die French Open in Paris ist auch nach fünf Turniertagen noch nicht abgeklungen. Der 37-Jährige geniesst die Wertschätzung des Publikums sehr, sie bringt den Veranstalter gelegentlich aber auch in Nöte.
31.05.2019, 09:04

Auch in seiner zweiten Partie in Roland Garros wurde Roger Federer vom Publikum auf dem Court Philippe Chatrier wie ein Popstar gefeiert. Bereits vor dem ersten Ballwechsel gegen den deutschen Lucky Loser Oscar Otte wurden ihm zwei Standing Ovations zuteil. Gut 90 Minuten später ertönten zum wiederholten Mal «Roger, Roger»-Sprechchöre, auch wenn der 20-fache Grand-Slam-Sieger für einmal nur solide Arbeit abgeliefert hatte. «Es war nicht das beste Spiel meines Lebens», sagte Federer im Platzinterview mit Marion Bartoli fast entschuldigend.

Federer bei Bartoli im On-Court-Interview.
Federer bei Bartoli im On-Court-Interview.bild: Keystone

Wo immer sicher Federer in diesen Tagen im elf Hektar grossen Areal am Bois de Boulogne bewegt, kommt Hektik auf. Auf dem nur VIP-Gästen und Journalisten zugänglichen Court 16 am westlichen Rand der Anlage tummelten sich am Mittwoch mehr als 100 Leute mit gezückten Handys, als Federer für das halbstündige Einspielen zum Racket griff.

Teilweise prekär wird die Situation, wenn er nach den Spielen begleitet von einer handvoll Bodyguards durch die Fanmassen geschleust wird, um in das wegen des Umbaus ins Museum verlegte Pressecenter zu gelangen. «Die Leute wissen das mittlerweile», so Federer. «Es spricht sich herum.»

Der Hype um seine Person ist nichts Neues und ein globales Phänomen; mit seinem unglaublichen Comeback nach halbjähriger Auszeit im Januar 2017 in Melbourne hat dieser aber eine neue Dimension erreicht. Für eine australische Zeitung war er danach der beliebteste Sportler Australiens, der englische Boulevard krönte ihn nach dem Wimbledonsieg 2017 zu «King Roger VIII», an keinem anderen Grand-Slam-Turnier ist die Dichte an Baseballmützen mit dem «RF»-Logo wohl grösser als in Flushing Meadows.

Und doch ist der in Paris herrschende Rummel auch für Federer etwas Besonderes. «Dass die Fans deinen Namen skandieren, kommt praktisch nie vor - und dies nicht nach einem Fünfsätzer, sondern nach einem Spiel gegen Otte, von dem sowieso alle erwarten, dass ich gewinne.» Während sich die Spieler an den anderen drei Grand-Slam-Turnieren fast ausschliesslich in den Katakomben bewegen, ist dies in Roland Garros nicht der Fall. «Hier ist alles so eng, der Kontakt zu den Fans ist näher und grösser.»

Die Gründe für Federers enorme Beliebtheit in Frankreich sind vielschichtig. Das Beherrschen der französischen Sprache dank seiner Jugendjahre in der Romandie diente ihm früh als Brückenbauer. Seine Erfolge, die Persönlichkeit und Art, wie er Tennis schon beinahe zu einer Kunstform erhob, machten ihn zum weltweiten Superstar.

Zusätzliche Energie für den «Maestro»

Auch in Frankreich, dem Land der Literatur und Kunst, wird mit dem Superlativ nicht gespart, um das Tennis-Genie Federer zu beschreiben. «Seine Majestät», «der Göttliche», «Monsieur Parfait» oder schlicht «Rock-Star», nannte ihn die Sportzeitung L'Equipe. Die ihm eigene Genialität liess Federer auch gegen Otte punktuell aufblitzen: ein Stoppball mit der Backhand, ein erlaufener Lob, ein ansatzlos geschlagener Return oder ein Volleystopp beim Matchball sorgten für Raunen und Staunen im Publikum.

Federer an seinem freien Tag:

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Die lange Absenz verstärkte die Sehnsucht der französischen Fans nach Federer, dem Sieger von 2009. Drei Austragungen blieb er dem Turnier fern, Roland Garros und sein Publikum bekamen als erste zu spüren, wie es einmal sein wird, wenn Federer nicht mehr auf der Tour ist. Auch wenn er selbst nichts von einer Abschiedstournee wissen will, so spielt bei jedem seiner Auftritte der Gedanke mit, es könnte der letzte von ihm in Roland Garros werden.

«Federer Forever», stand am Mittwoch auf einem Transparent. Der hehre Wunsch wird auch ein Ausnahmeathlet wie Federer nicht erfüllen können. Auch deshalb scheint der 37-jährige Baselbieter die ihm entgegengebrachte Zuneigung sehr bewusst zu geniessen. «Den Puls und die Euphorie der Leute zu spüren, ist schon sehr schön», so Federer. «Sie geben mir zusätzliche Energie und sorgen dafür, dass ich das absolute Maximum herausholen will.» (pre/sda)

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