Finden die Sports Awards erst nach Olympia statt? Terminnot sorgt beim SRF für Probleme
Die kurzfristige Absage der Sports-Awards-Gala war alternativlos. Eine heitere Abendshow, nur drei Tage nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana, wäre mehr als unpassend gewesen. Zumal sich die SRG derzeit mit einer existenziellen Bedrohung konfrontiert sieht: Am 8. März findet die Abstimmung über die Halbierungsinitiative statt. Details entscheiden.
Wie herausfordernd die Organisation der Sports Awards ist, zeigt der Umstand, dass diese zuletzt mal im Dezember, mal im Januar stattfinden. Regelmässig mussten die Ausgezeichneten aus dem Ausland zugeschaltet werden, weil sie dort trainierten, oder bei einem Wettkampf weilten.
Unihockey-Weltmeisterinnen gehen leer aus
Dazu kommt: Der Sportkalender ist in diesem Jahr dicht gedrängt. Schon bald beginnen die Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo (6. bis 22. Februar). Die Vergangenheit zeigt: Wer eine Olympia-Medaille gewinnt, hat hervorragende Aussichten, zum Sportler des Jahres gewählt zu werden. Allerdings erst in der übernächsten Ausgabe, wie SRF schreibt.
Davon betroffen ist auch das Unihockey-Nationalteam der Frauen, das im Dezember erstmals seit 2005 WM-Gold gewann. Zu spät, um für die Sports Awards nominiert zu werden. Die Wahlperiode betrifft den Zeitraum vom 1. November 2024 bis zum 31. Oktober 2025. Stattdessen stehen unter anderem das Fussballnationalteam der Frauen zur Wahl, das bei der Heim-EM eine Welle der Euphorie auslöste, aber aus sportlicher Sicht nüchtern betrachtet mit einem Sieg aus vier Spielen nicht überzeugen konnte.
Hohe Produktionskosten
Ob die Unihockey-Nati der Frauen bei den Sports Awards 2026 zur Wahl stehen, wird sich weisen. Am stärksten wirkt bekanntlich immer der letzte Eindruck. In dieser Kategorie stehen zudem nur drei Teams zur Wahl. Das Feld nach der Verschiebung zu erweitern, sei kein Thema, schreibt SRF.
Obwohl die Sendung mit hohen Kosten verbunden ist (Branchenkenner gehen von einem hohen sechsstelligen Betrag aus), steht eine Absage nicht zur Debatte. Die Kosten sind das eine, der Zeitpunkt das andere. Wird die Wahl, wie angekündigt, im Frühling nachgeholt, wirkt das schräg. Man stelle sich vor, Marco Odermatt geht bei den Olympischen Spielen leer aus, wird zwei Wochen später als Sportler des Jahres 2025 ausgezeichnet.
Studio und Personal entscheidend
Bei der Bestimmung des neuen Termins stehen nicht die Nominierten im Vordergrund. Zwar sei es das Ziel, dass möglichst viele der Nominierten teilnehmen können, schreibt Schwaller. «In erster Linie ausschlaggebend für ein neues Datum» sei aber die Verfügbarkeit von Studio und Personal.
Heisst zugespitzt: Wenn Marco Odermatt, Ditaji Kambundji, Lara Gut-Behrami und Co. es sich einrichten können, ist das toll. Entscheidender aber ist der Terminkalender des Moderationsduos Rainer Maria Salzgeber und Fabienne Gyr, sowie der zahlreichen weiteren Involvierten. Angesichts der schwierigen Ausgangslage ist diese Haltung durchaus nachvollziehbar.
Sondersendung statt Sports Awards
Für das Schweizer Fernsehen ist die 1950 erstmals durchgeführte Wahl der Sportlerinnen und Sportler des Jahres ein Quotenrenner. 2023 verfolgten 450'000 Menschen die auf SRF 1, RTS 2 und RSI 2 ausgestrahlte Sendung. Die Sports Awards erreichten damit einen Marktanteil von etwas mehr als 30 Prozent, was sie zu einer der meistgesehenen Sendungen machte.
Viele der für die Sports Awards eingeplanten Mitarbeitenden wurden am vergangenen Sonntagabend stattdessen in der Produktion der SRF-Sondersendung zur Brandkatastrophe in Crans-Montana eingesetzt. Dazu, welche Kosten die kurzfristige Verschiebung verursacht, und dazu, wie sich eine Absage auswirken würde, macht die SRG keine Angaben. (riz/aargauerzeitung.ch)
