Handtuch-Skandal und Fan-Prügel: «Beschämendes Bild für Afrika»
Es ist keine besonders einfache Aufgabe, in Worte zu fassen, was bei diesem Afrika-Cup-Final los war. Senegal schlug Gastgeber Marokko 1:0 nach Verlängerung. Und das, obwohl allen voran Goalie Édouard Mendy während des Spiels heftig schikaniert wurde.
Videos zeigen, wie marokkanische Spieler und auch Balljungen das Handtuch des 33-Jährigen wegwerfen oder stehlen wollen. Im strömenden Regen in Rabat benötigte Mendy dieses zum Trocknen seiner Handschuhe, was die Marokkaner verhindern wollten. Schon im Halbfinal gegen Nigeria trugen sich ähnliche Szenen zu.
Irgendwann postierte sich Ersatzgoalie Yehvann Diouf neben Mendys Tor und bewachte das Handtuch. Einige Jungs, welche die Flaggen vor dem Spiel aufs Feld getragen hatten, gaben aber nicht auf und versuchten, ihm dieses aus der Hand zu reissen. Sie gingen ihn an und warfen Diouf gar zu Boden.
Es waren unfassbare Szenen, die sich am Spielfeldrand abspielten. Dass sich gar die Spieler daran beteiligten – Achraf Hakimi warf das Handtuch einmal über die Bande und Ismael Saibari baute sich später vor Diouf auf, damit dieser Mendy nicht mehr so leicht das Handtuch reichen konnte –, dürfte die Balljungen nur weiter angeheizt haben.
Vor der Verlängerung drohte das Spiel dann völlig im Chaos zu versinken und in der Folge stand gar ein Spielabbruch im Raum. Nachdem ein Treffer Senegals aberkannt wurde – weil der Schiedsrichter das vermeintliche Foul direkt abpfiff, konnte der VAR nicht eingreifen – und Marokko im direkten Gegenzug einen strittigen Penalty zugesprochen bekommen hatte, verliessen die Senegalesen das Feld.
Sogar die Journalisten gerieten aneinander
Sadio Mané, der Star des Teams, blieb als einer der wenigen auf dem Rasen und überzeugte seine Mitspieler dann zur Rückkehr aus der Kabine. «Es wäre wirklich traurig und bedauerlich gewesen, ein Final so enden zu sehen», erklärte der 33-jährige Ex-Liverpool- und Ex-Bayern-Stürmer, «es ist unmöglich, der Welt ein solches Bild zu vermitteln.» Mané hätte «lieber verloren, als so ein Ende zu erleben», wie die FAZ ihn zitiert.
Während die Senegalesen in der Kabine verschwunden waren, kam es auf der Tribüne zu wüsten Szenen. Die Fans des Titelverteidigers stürmten vor Wut auf den Penalty-Entscheid zugunsten Marokkos den Innenraum des Stadions und lieferten sich üble Schlägereien mit den Ordnern. Bilder zeigen, wie Stühle geworfen und als Waffe eingesetzt werden.
Die Fotografin Amina Fall schrieb auf Instagram: «Nach dem Elfmeterpfiff für Marokko werden Flaschen auf den Rasen geworfen. Aktuell sind Fotografen und Journalisten in Gefahr.» «Kicker»-Reporter Martin Roser berichtet davon, dass ein Ordner am Kopf getroffen und auf einer Liege rausgetragen wurde. Selbst als Brahim Diaz seinen Penalty in die Arme von Senegal-Goalie Édouard Mendy schoss, seien die Schlägereien weitergegangen.
Derweil soll es auf der Pressetribüne ebenfalls zu Auseinandersetzungen gekommen sein. Erst wollten die senegalesischen Journalisten es gemäss dem «Kicker»-Reporter den Spielern gleichtun und die Tribüne verlassen, dann sei es zu wilden Wortgefechten gekommen. «Es wurde mit Wasser gespritzt, es flogen Mittelfinger und es gab wüste Beschimpfungen von beiden Seiten», so Roser.
Infantino schimpft mit Fans und Senegalesen
«Das Bild, das wir von Afrika abgegeben haben, ist beschämend», wütete Marokko-Trainer Walid Regragui und bezog sich damit vor allem auf sein Gegenüber Pape Thiaw. «Ein Trainer, der seine Spieler auffordert, das Feld zu verlassen … Was Pape getan hat, ist Afrika nicht würdig», so Regragui.
Als Senegal-Coach Thiaw dann zur Pressekonferenz kam, mischten sich gemäss Guardian Jubel- und Buhrufe, anschliessend verliessen die marokkanischen Journalisten den Raum. Streitereien der Medienvertreter aus den Ländern der beiden Finalisten hielten die Pressekonferenz mehrere Minuten lang auf, woraufhin Thiaw wieder ging und die Pressekonferenz abgebrochen wurde.
🇸🇳🤯 La conférence de presse d’après-match de Pape Thiaw a été interrompue suite à des altercations entre journalistes. #SENMAR #CAN2025 pic.twitter.com/0XplOJp9h2
— Afrik-Foot (@afrikfoot) January 18, 2026
Nach dem Spiel meldete sich gar Fifa-Präsident Gianni Infantino, der im Stadion in Rabat war. Auf Instagram schrieb er:
«Kicker»-Reporter Roser befürchtet, dass die Vorkommnisse davon ablenken werden, «dass es vielleicht der grossartigste Afrika-Cup der Geschichte war». Auch der Final sei 90 Minuten lang ein überragendes Fussballspiel zweier Teams gewesen, mit denen auch an der WM im Sommer zu rechnen ist. «Sportlich war es Werbung für den afrikanischen Fussball, aber alles rundherum wirft ein schlechtes Licht und wird wohl wieder die Schlagzeilen dominieren.»
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