Infantino, Lehmann oder Federer – eine Machtparade unseres Sportes
Macht im Sport basiert nicht allein auf Medaillen, Tabellenplätzen, Geld oder Ruhm. Sondern mehr noch auf Einfluss und dem Beziehungsnetz oder – wer es boshaft-bösartig lieber mag – auf die Kunst der Intrige und der «Hinterzimmer-Deals». Die Macht liegt in den Händen jener, die entscheiden, verteilen, vernetzen, mobilisieren, verändern, durchsetzen oder – wiederum sehr boshaft – intrigieren. In unserem Sport entsteht Macht aus Ämtern und Funktionen in Verbänden, aber auch in Unternehmen, die mit dem Sport vernetzt sind, aus Geldflüssen und Gremien, aus Beziehungen, medialer Präsenz oder politischem Gewicht.
Wer Regeln mitgestaltet, Budgets lenkt, Medienpräsenz steuert, Personal bestimmt oder Zugang zu den entscheidenden nationalen und internationalen Netzwerken hat, prägt den Sport oft stärker als die Stars in der Arena, die sich meistens klugerweise zu Aktivzeiten davor hüten, Sportpolitik zu machen. Diese Rangliste versteht Macht nicht als Sympathiewert, sondern als reale Wirkungskraft: Wer hat die Macht, unseren Sport zu steuern, zu verändern, zu entwickeln – oder zu blockieren? Heute und mit Blick auf morgen? Und natürlich: Kein Anspruch auf die letzte Wahrheit. Selbst nach einem mehrmonatigen Seminar wäre wohl keine Einigung zu erzielen, wie eine solche Rangliste auszusehen hat. Es ist deshalb nicht die Machtparade. Sondern eine Machtparade.
Gianni Infantino, FIFA-Präsident
Noch nie hat ein Schweizer Sportfunktionär seine globale Bedeutung so operettenhaft zelebriert. Sein Amtsvorgänger Sepp Blatter war vergleichsweise eine Lichtgestalt der Bescheidenheit und Rechtschaffenheit. Gianni Infantinos Inszenierungen mögen am Rande der Lächerlichkeit sein und Zyniker sagen, je mehr der Pfau das Rad schlage, desto besser komme der Hintern zur Geltung. Aber wer von Donald Trump empfangen, zum Papst im Vatikan vorgelassen wird und im IOC sitzt, hat nun mal weltweit Macht und Einfluss. Erst recht 2026, im Jahr einer Fussball-WM in den USA. Und offensichtlich zinst sein Talent zur Selbstdarstellung: Die FIFA-Geschäfte boomen wie nie. Es ist unerheblich, ob Gianni Infantino überhaupt noch Einfluss nimmt im helvetischen Sportbusiness. Aber wenn er will, kann er und vielleicht scheut er die grösste Herausforderung, die es in der Geschichte der Fussball-Welt gibt: Die Erstreitung einer Baubewilligung für einen Fussball-Tempel in Zürich, der Stadt des FIFA-Hauptsitzes.
Alisha Lehmann, Nati-Stürmerin und Influencerin
Mit ihrer sportlichen Bedeutung als Spielerin käme sie nicht einmal in die «Top 500» unserer einflussreichsten Sport-Persönlichkeiten. Aber sie hat als Influencerin weltweit auf Instagram und Tiktok zweitstellige Millionen-Followerzahlen, ist nicht mehr auf die klassischen Medien angewiesen und verdient mit der Präsenz in den sozialen Medien mehr Geld als mit dem Fussball – alles in allem eine Trendsetterin und ein Geschöpf des Sport-Business von heute, morgen und vielleicht übermorgen. Sie nutzt ihre Kanäle, um Inhalte zu Lifestyle, Training, Mode oder ihrem Alltag zu teilen und bekennt sich offen, bisexuell zu sein. Sie nutzt ihre Reichweite positiv und niemand motiviert mehr Mädchen zum Fusball. Aber welch ein Beben gäbe es, wenn sie mit ihrer Reichweite die Absetzung von Nationaltrainer Rafel Navarro, den Rücktritt von Murat Yakin oder Sportminister Martin Pfister fordern und erklären würde, Sägemehl schade der Fruchtbarkeit der Schwinger?
Urs Lehmann, CEO des Internationalen Skiverbandes (FIS)
Der Abfahrtsweltmeister von 1993 ist einer der streitbarsten und erfolgreichsten Schweizer Sportfunktionäre der Geschichte. Er scheut keinen Konflikt und keine unbequeme Entscheidung, aber stets im Sinne der Sache. Von 2008 bis 2025 trimmte er den Schweizerischen Skiverband (Swiss Ski) als Präsident auf Goldkurs: Während seiner Amtszeit feierten die Schweizerinnen und Schweizer 18 WM-Titel und 11 Olympiasiege. Der Gipfelsturm aufs FIS-Präsidium scheiterte zwar. Aber inzwischen ist er als erster CEO des Skiweltverbandes (dieser Posten ist extra für ihn geschaffen worden) im globalen Skisport in einer eher noch wirkungsmächtigeren Position. Er scheut vor der Auseinandersetzung mit der Politik nicht zurück, der Skirennsport ist ein helvetisches Kulturgut und Urs Lehmann ist der wortmächtigste Vertreter dieser Kultur und wird starken Einfluss auf die Vergabe von Ski-Titelkämpfen und auf den Verteilerkampf um die TV- und Werbegelder zwischen Verbänden und Veranstaltern haben.
Urs Wietlisbach, Unternehmer und Co-Präsident Sporthilfe
Das Vermögen des Mitinhabers der Investmentfirma «Partners Group» wird vom Wirtschaftsmagazin «Forbes» auf 3,2 Milliarden Dollar geschätzt und wenn die Schweiz eine Chance auf die Olympischen Winterspiele 2038 haben will, dann wohl nur mit dem Einfluss und den Beziehungen von Urs Wietlisbach, der sich nicht scheut, auch bei der Personalpolitik dieses «Jahrhundert-Projektes» mitzureden. Er ist die «graue Eminenz» aller helvetischen Olympia-Pläne. Als Co-Präsident der Sporthilfe orchestriert er zudem die «Geldverteilung» an einzelne Athletinnen und Athleten.
Murat Yakin, Fussball-Nationaltrainer
Er hat mit seinem Leitwolf Granit Xhaxa einen Burgfrieden geschlossen und verdient dafür einen Fussball-Friedensnobelpreis. Seither rockt das Nationalteam. Am Ende des Tages hat er – und nicht Xhaka – in allen sportlichen Fragen das letzte Wort. Im Jahr der Fussball-WM wird der Nationaltrainer nicht nur eine enorme öffentliche Präsenz haben. Mit seinen Nationalmannschafts-Aufgeboten oder auch nur mit lobenden oder kritischen Bemerkungen zu einzelnen Spielern beeinflusst er Karrieren.
Roger Federer, Tennis-Lichtgestalt im Ruhestand
Er ist der bekannteste Schweizer und es gibt auf der ganzen Welt kaum eine Türe, die er nicht zu öffnen vermag. Er ist Mitbesitzer der Schuh- und Sportmarke ON, die als offizieller Partner von Swiss Olympic die Schweizer Olympia-Mannschaften ausrüstet und einzelne Sportlerinnen und Sportler unterstützt. Müsste er also nicht die klare Nummer 1 sein? Nein. In weiser Zurückhaltung geht er seinen Geschäften nach und hütet sich vor Einmischungen auf die Schweizer Sportpolitik.
Ruth Metzler, Präsidentin Swiss Olympic
Swiss Olympic ist als Zusammenschluss unserer Sportverbände ein föderalistisches, also heterogenes Gebilde und die Sportverbände pflegen – so weit als möglich – zu tun und zu lassen, was sie wollen. Daher ist der direkte Einfluss der Präsidentin auf die einzelnen Sportarten begrenzt. Aber die Altbundesrätin ist die Schlüsselpersönlichkeit an der Nahtstelle zwischen Sport und Politik und die finanziellen Mittel, die von der Politik über Swiss Olympic in den Sport fliessen sind erheblich und für kleinere Sportverbände existenziell.
Michael Hartweg, Unternehmer und Biathlon-Investor
Durch den Verkauf der Fintech-Firma Leonteq hat er seine Vermögensbildung abgeschlossen, ist Initiant und Hauptinvestor der Biathlon Arena Lenzerheide und ermöglichte im Februar 2025 die Biathlon-WM in der Schweiz. Er wird im Januar ins Olympia-Projektteam aufgenommen, wo er die privaten Geldgeber vertreten wird. Er gehört zum Kreis von reichen Wirtschaftskapitänen, die eine Defizitgarantie für Olympia 2038 in der Schweiz abgeben werden.
Tatjana Haenni, Geschäftsführerin des Bundesligisten RB Leipzig
Die 23-fache Nationalspielerin ist die erste Frau, die einen Bundesliga-Klub führt. Na ja, in Deutschland hat sie was zu sagen. Aber bei uns? Doch im Fussball ist sie nach Gianni Infantino die einflussreichste Schweizer Persönlichkeit: Sie arbeitete für den Frauenfussball bei der UEFA und über 18 Jahre bei der FIFA und war sportliche Direktorin der Frauen-Profiliga in den USA. Ohne sie wäre die Frauen-EM kaum an die Schweiz vergeben worden und niemand in der Schweiz hat im Frauenfussball in den Kulissen so viel Einfluss. Den Frauenfussball hat sie erobert, jetzt ist sie auch im Fussball der Männer angekommen.
Christoph Seiler, Präsident Swiss Athletics
Der ehemalige Langstreckenläufer und Finanzchef der Jungfrau-Bahnen meidet das Rampenlicht und ist ein Mann der Tat: Er hat 2015 das Präsidium des Verbandes übernommen und spielt bei der Organisation, Rahmenbedingungen, Weiterentwicklung, Nachwuchsförderung und Finanzierung der Leichtathletik eine zentrale Rolle. Unter seiner Führung hat unsere Leichtathletik erstmals in der Geschichte Weltgeltung erreicht. Er war bei der Wahl von Ruth Metzler zur Präsidentin von Swiss Olympic der Strippenzieher und im Lead bei den Plänen, den Multisport-Anlass European Championships 2030 in der Schweiz abzuhalten.
Michael Schiendorfer, Athletenmanager
Seine Agentur «Abrogans» ist sozusagen das «Backoffice» von Stars aus den verschiedensten Sportarten (u.a. Marcel Odermatt, Noé Ponti, Simon Ehammer, Chiara Leone, Angelica Moser, Joel Wicki). Als Berater («Einflüsterer» wäre dafür die populistische Bezeichnung) von so prominenten Sportpersönlichkeiten verfügt er über ein weitverzweigtes Beziehungsnetz, über das er, wenn er will oder Bedarf hat, viel sportpolitischen Einfluss auch auf Verbände und Veranstalter nehmen kann.
Martin Pfister, Sportminister
Als Vorsteher des VBS kann er, wenn er will, über «sein» Bundesamt für Sport direkten Einfluss auf den Sport nehmen – durch Erlasse (z.B. in Sicherheitsfragen) und Subventionen. In der Regel begnügen sich die Sportministerinnen und -Minister mit repräsentativen Aufgaben, weil sie stark durch das Militär beansprucht werden. So gesehen ist Martin Pfister vorerst als «schlummernder Machtfaktor» noch nicht ganz oben in der Machtparade. Aber das kann sich jederzeit ändern, die Diskussion über Frauenquoten im Schweizer Sport lässt grüssen.
Marco Odermatt, Olympiasieger und mehrfacher Weltmeister
Wie viel Macht verleiht Popularität und Medienpräsenz einem Einzelsportler? Das ist die Frage bei Marco Odermatt. Er ist die Sportpersönlichkeit mit der grössten Strahlkraft im Land, dadurch haben seine Worte und Taten eine immense Bedeutung und deshalb gehört er in die Hitparade der Mächtigen. In kluger Zurückhaltung hat er bisher darauf verzichtet, sich in sportpolitische Belange einzumischen, ein Urs Lehmann ist er nicht. Aber das kann sich ja in Zukunft noch ändern.
David Degen, Verwaltungsratspräsident FC Basel
Gleich nach seinem Rücktritt (2014) gründete er zusammen mit seinem Zwillingsbruder Philipp eine Fussball-Beratungsagentur, seit Mai 2021 führt er den FC Basel und orchestriert die wirtschaftliche und sportliche FCB-Renaissance. Der FCB ist zusammen mit YB der wichtigste Klub im Land und was der FCB-Präsident unternimmt, hat starken Einfluss auf die Entwicklung des gesamten nationalen Profifussballes. Unsere Fussballpolitik wird auch in Basel und damit von David Degen gemacht.
Peter Zahner, Geschäftsführer ZSC Lions
Er ist die ausführende Hand und der Kassenwart in Hockey-Dingen der Familie Frey, orchestrierte den Bau der Swiss Life Arena in Zürich (Hauptspielort der WM 2026) und mit der Kombination aus Manager der ZSC Lions und dem Sitz im Verbands-Verwaltungsrat inzwischen so etwas wie ein «Schatten-Präsident» sowohl des Verbandes wie der National League und kandidiert 2026 für die Wahl ins Direktorium des internationalen Verbandes.
Patrick Fischer, Eishockey-Nationaltrainer
Der Einfluss des erfolgreichsten Nationaltrainers der Geschichte (WM-Finals 2018, 2024, 2025) geht weit über die Aufgebote fürs Olympia- und WM-Turnier 2026 hinaus. Der charismatische Kommunikator hat die Absetzung von Verbandspräsident Stefan Schärer orchestriert und bis zu seinem Rücktritt nach der WM 2026 wird Patrick Fischers Wort in allen helvetischen Hockeydingen Evangelium sein. Bis dahin ist auch der neue Verbandspräsident Urs Kessler seine Marionette.
Roland Mägerle, Leiter SRF Sport und Business Unit
Seine Kritiker sehen ihn ihm einen farblosen Leutschenbach-Karrieristen, übersehen dabei aber, dass er es schwerer hat als alle seine Vorgänger, erst recht in Zeiten der «Halbierungs-Initiative». Die Bedeutung des linearen Fernsehens geht zurück und SRF verliert im Fussball insgesamt und vor allem im nationalen Hockey immer mehr an Terrain. Aber nach wie vor ist die TV-Präsenz für viele Sportarten der Sauerstoff der Existenz und dadurch hat der TV-Sportchef nach wie vor enorm viel Macht auf nationale Veranstalter und Sportverbände.
Sergio Ermotti, CEO der UBS
Er dürfte kaum Zeit haben, um sich in den Schweizer Sport einzumischen und überlässt das Engagement im Sport seinem Büropersonal. Kein Unternehmen investiert in der Schweiz offiziell so viel in den Sport. Die UBS ist unter anderem bis 2028 Hauptsponsor des Fussballverbandes für alle Nationalteams und des Spengler Cups, alimentiert den UBS Kids Cup in der Leichtathletik und ist Partner des Meetings «Weltklasse Zürich». Das wäre ohne Duldung von Sergio Ermotti nicht möglich und allein diese Duldung macht ihn zum Machtfaktor.
Denis Vaucher, Geschäftsführer National League Eishockey
Er managt seit 2016 die vom Verband unabhängige National League. Das allein würde ihn noch nicht in die Machtparade bringen. Aber er ist die treibende Kraft bei der Emanzipation der höchsten Liga vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Als erste und immer noch einzige wichtige Sportorganisation setzt die National League im TV-Markt erfolgreich ganz auf private Stationen – ein Schritt, der eine nach wie vor weit unterschätzte Bedeutung für die künftige Entwicklung der nationalen TV-Landschaft hat.
Christoph Spycher, Obersportchef und Miteigentümer YB
Erst als Sportchef und seit 2022 als Chief Sports Officer (CSO) ist der 47-fache ehemalige Nationalspieler seit 2016 der Architekt der sportlichen YB-Renaissance (sechs Meistertitel). Inzwischen ist er auch YB-Miteigentürmer und hat dadurch noch mehr Macht im neben dem FC Basel wichtigsten Klub. Aber nun kollidieren sportliche und kapitalistische Interessen und wie sein Klub das Problem mit den europaweit bekannten YB-Radaubrüdern löst, wird Einfluss auf die gesamte nationale Fussballszene haben.
Mauro Gianetti, General Manager und VR des UEA Team Emirates
Als Radrennfahrer kam der Tessiner nicht ganz nach oben (2. WM 1996 in Lugano), als Velo-General hat er es geschafft: Er führt das reichste und mächtigste Team im Radsport mit dem Superstar Tadej Pogacar. Dass er Macht hat und davon Gebrauch macht, zeigt sich schon daran, dass er schon mal von Tour de France-Direktor Christian Prudhomme kritisiert worden ist. Sein Einfluss auf Karrieren von Schweizer Fahrern und die Schweizer Rennveranstalter kann nicht überschätzt werden.
Christophe Dubi, Direktor Olympische Spiele
Er steht nie im Rampenlicht und aus seiner Position heraus darf er keinen direkten Einfluss auf unseren Sport nehmen. Aber er ist eine Schlüsselfigur in den Olympischen Kulissen, mit Einfluss darauf, wie modern, flexibel und finanzierbar die Spiele sind – und wo sie durchgeführt werden. Ohne sein freundliches Wohlwollen ist in den nächsten Jahren das Projekt «Olympische Winterspiele 2038 in der Schweiz», das fast alle unsere Sportverbände betrifft, nicht möglich und bleibt ein Papiertiger.
Peter Knäbel, Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes
Er ist zwar der General für alle Nationalteams, somit Chef des Nationalteams, der wichtigsten Mannschaft im Land und Murat Yakins Dienstherr, aber der Einfluss auf die Profiklubs ist durch die besondere Struktur des Verbandes beschränkt. Er spielt dafür eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Breiten- und Nachwuchsfussballs und nimmt in der Problemlösung zwischen Fussball und Politik (z.B. Sicherheitsfragen) eine wichtige Vermittlerrolle ein.
Kyril Louis-Dreyfus, Manager und Eigentümer AFC Sunderland
Der Sohn des legendären Robert Lous Dreyfus (Adidas, Beckenbauer-Spezi) hat im Februar 2021 mit 23 Jahren Sunderland übernommen und 2025 sieben Jahre nach dem Abstieg in die Premier League zurückgeführt und inzwischen Granit Xhaxa nach Sunderland geholt. Das mag unseren Fussballgenerälen weitgehend egal sein – aber ein Schweizer, der die wichtigste Liga der Welt rockt, ist ein Machtfaktor und kann – wenn er denn will – jederzeit auch das Schweizer Profi-Fussballgeschäft aufmischen.
Ernst König, Direktor von Swiss Sport Integrity
Er koordiniert und überwacht die Dopingtests im Leistungssport und wird deshalb auch respektvoll als «oberster Schweizer Dopingjäger» bezeichnet. Der 43-jährige Berner steht einer Sportbehörde vor, die Karrieren ruinieren kann, einen Staat im Staate bildet und – wie der Fall des Mountain-Bikers Mathias Flückiger gezeigt hat – für Fehler nicht zur Verantwortung gezogen werden kann. Das kann als wahre Macht bezeichnet werden.
Granit Xhaka, Captain der Fussball-Nati
Er ist weder Trainer noch Klubbesitzer oder Funktionär – er ist «nur» Spieler, der dem Trainer, dem Klubbesitzer oder den Funktionären gehorchen muss. Und doch ist er gerade im Jahr 2026 nicht machtlos. Was wäre beispielsweise, wenn er rund um die Fussball-WM den Burgfrieden brechen und mit Murat Yakin in Konflikt gerät? Dann kann er im neuen Jahr ein paar Wochen lang der Christoph Marthaler des Fussballs sein – also der Direktor des grossen helvetischen Fussball- und Medientheaters. Zu wissen, das man das könnte, ist auch Macht.
Christian Hofstetter, Generalsekretär Eishockey-WM 2026 in Zürich und Fribourg
Der ehemalige Gottéron-Captain wird in den nächsten Monaten nicht nur viele Freunde dazugewinnen, weil er die Türen der WM-Stadien zu öffnen vermag. Er war jahrelang auch als Sportdirektor für den internationalen Verband tätig und gilt als Hoffnungsträger jener Kreise, die den «Selbstbedienungsladen» Eishockey-Verband wieder in ein effizientes Dienstleistungs-Unternehmen umgestalten möchten: Kandidat Nummer 1 für die Nachfolge des umstrittenen Verbandgeschäftsführers Martin Baumann.
Martin Blaser, Geschäftsführer und Verwaltungsrat FC Lugano
Er hatte einst eine eigene Marketing-Agentur, arbeitete für Infront (Ringier), war unter anderem «Vermarktungs-General» beim FC Basel und bei GC. Nun ist er seit 2021 daran den FC Lugano infrastrukturell (neues Stadion), sportlich und wirtschaftlich zu einem stabilen Faktor im helvetischen Fussball zu machen – und damit zu einem «Big Player» und damit Konkurrenten zum Hockey im Tessiner Sport-Markt.
Urs Kessler, Verbandspräsident Eishockey
Er ist erst seit gut 100 Tagen im Amt und muss – wie ein Bundesrat, der das Militär-Departement übernimmt – gerade erfahren, wie schwierig es für den Obmann geworden ist, sich innerhalb der Verbandsadministration durchzusetzen. Wenn er erst einmal mit den Besonderheiten der Sportpolitik vertraut ist, wird sich der erfolgreiche Unternehmer geschickt über das Eishockey hinaus vernetzen und Einfluss nehmen.
René Stammbach, Präsident Swiss Tennis
Seit 2006 spielt er als oberster Funktionär eine zentrale Rolle bei der Entwicklung unserer Tenniskultur, hat unter anderem den Bau des Leistungssportzentrums in Biel orchestriert und vertrat die Schweiz 12 Jahre im Direktorium des Internationalen Verbandes (ITF). Nach der «Belle Epoque» mit Roger Federer und einem Davis-Cup-Triumph spielt er bei der angestrebten Renaissance des Schweizer Tennis eine zentrale Rolle. Und er hat Sinn für Humor und Ironie. Von ihm stammt eine wunderbare Formulierung: Auf die damalige Frage eines Chronisten, wie hoch die Sieger-Prämie für den Davis-Cup-Triumph sei, scherzte er: Es gebe für Roger Federer keine Prämie, man könne das Geld nicht mehr überweisen, weil alle Bankkonten überlaufen.
