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Die letzte Jagd des Büffels: Chelsea-König Didier Drogba tritt ab – und hinterlässt eine grosse Erinnerung

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Didier Drogbas Abschied an der Stamford Bridge
Grosse Ehre für den Superstar: Bei seinem letzten Auftritt für Chelsea an der Stamford Bridge wird Didier Drogba vom Platz getragen.
quelle: getty images europe / laurence griffiths
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Die letzte Jagd des Büffels: Chelsea-König Didier Drogba tritt ab – und hinterlässt eine grosse Erinnerung

Didier Drogba ist einer der Grossen der englischen Premier League. 2004 wechselte er zum FC Chelsea, am Sonntag macht er sein letztes Spiel für die Londoner. Er hat so viele Tore geschossen, aber man wird sich stets an das Eine erinnern.
25.05.2015, 08:4227.05.2015, 10:13
peter ahrens / spiegel online
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Ein Artikel von
Spiegel Online

Im Mai wird im Fussball am meisten geweint. Es ist der Monat, in dem die Spielzeiten der Ligen enden und damit auch jedes Jahr grosse Karrieren. Steven Gerrard hat sich bei seinem FC Liverpool verabschiedet, Jürgen Klopp in Dortmund, Xavi in Barcelona. Tränen garantiert.

Und auch beim FC Chelsea geht einer, der in der Chronik des Vereins auf ewig einen Ehrenplatz haben wird. Didier Drogba beendet mit nunmehr 37 Jahren zwar noch nicht seine Fussball-Laufbahn, aber er verlässt mit dem Saisonende in England am Sonntag den Klub, der ihm so viel zu verdanken hat. Dem er so viel zu verdanken hat. Chelsea und Didier Drogba, das war eine symbiotische Verbindung.

Umarmung von Coach José Mourinho nach Drogbas letzter Auswechslung für die Blues.
Umarmung von Coach José Mourinho nach Drogbas letzter Auswechslung für die Blues.Bild: Getty Images Europe

Es gibt diese Spieler, die ein Leben lang mit einem einzigen Tor verbunden werden. So ungerecht das auch sein mag, weil sie in ihrem Fussballerleben ganz viele wichtige Treffer erzielt haben. Der Algerier Rabah Madjer ist so einer, der sein Hackentor gegen die Bayern für den FC Porto von 1987 niemals loswerden wird. Und bei Didier Drogba, den sie liebevoll Büffel von der Elfenbeinküste nennen, ist es ähnlich.

Entschlossenheit, Wille, Wucht

Weil sein Tor an jenem 19. Mai 2012 in der Münchner Arena wie in einem Brennglas all das vereinigt, das den Fussballer Drogba so viele Jahre ausgemacht hat. Die wilde Entschlossenheit, mit der Drogba in dieser 89. Minute des Champions-League-Endspiels gegen Bayern München zum Kopfball hochstieg, der unbedingte Wille, die letzte Chance seines FC Chelsea in diesem Spiel zu nutzen, die ungeheure Wucht, mit der er den Ball zum 1:1 ins Netz rammte – das war Drogba. Dafür haben ihn die Fans an der Stamford Bridge geliebt.

13 lange Jahre hat Drogba für die Blues gekämpft, gewühlt und geackert, von 2004 bis 2012, dann noch einmal seit dem Vorjahr. Der Stürmer gehörte nie zu den elegantesten Vertretern seiner Zunft, er interpretierte seinen Job immer über Einsatz, über Kampf, über körperliche Präsenz. Drogba als Gegenspieler zu haben, konnte eine Angst einflössende Vorstellung für Verteidiger sein. Der Mann von der Elfenbeinküste brachte eine übergrosse Trickkiste mit auf den Platz. Darin war alles drin: Von der Körpertäuschung bis zum versierten Zeitspiel.

Bei Chelsea war er einer der Lieblingsspieler von Trainer José Mourinho. Als der Portugiese 2004 nach England wechselte, gehörte der Drogba-Transfer von Olympique Marseille nach London zu den ersten Massnahmen des Coaches. Drogba hat Mourinho nie enttäuscht, seine Treffer sorgten dafür, dass Chelsea 2005 und 2006 Meister auf der Insel wurde.

Die Umarmung seines Trainers nach der letzten Auswechslung.
Die Umarmung seines Trainers nach der letzten Auswechslung.Bild: Getty Images Europe

2008 der Match-Verlierer, 2012 der Matchwinner

Drogba schoss den Verein 2008 ins Champions-League-Endspiel von Moskau gegen Manchester United. Und trug selbst dazu bei, dass Chelsea am Ende mit leeren Händen da stand. Nach seinem Platzverweis wegen einer Tätlichkeit in der Verlängerung fehlte Chelsea im Elfmeterschiessen ein sicherer Schütze. Umso grösser war seine Genugtuung vier Jahre später in München. Drogba, der gegen die Bayern nicht nur den späten 1:1-Ausgleich markierte. Sondern im Elfmeterschiessen eiskalt den finalen Strafstoss verwandelte.

253 Premier-League-Spiele für Chelsea, 104 Ligatore – das ist Grundlage genug, um zum Vereinsdenkmal zu werden. Drogba ist einer der grossen Stürmer, die aus dem Ausland gekommen sind, um die Premier League zur grössten Nummer im Weltfussball zu machen. So wie Ruud van Nistelrooy, Eric Cantona oder Cristiano Ronaldo bei Manchester United, Dennis Bergkamp und Robin van Persie beim FC Arsenal, Fernando Torres beim FC Liverpool.

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In der Heimat war er ein Nationalheld, er war aber auch einer, der trotz 104 Länderspielen für die Elfenbeinküste ein eher unvollendeter Nationalspieler blieb. Drei Weltmeisterschaften hat Drogba gespielt, jedesmal reisten die Ivorer mit grössten Hoffnungen an. Und jedes Mal wurden sie enttäuscht. Den Afrika-Cup hat er nie gewonnen, obwohl er und sein Team zweimal im Endspiel standen. Dass die Elfenbeinküste die Afrikameisterschaft erst gewann, nachdem Drogba seine Nationalmannschafts-Karriere beendet hatte, passt ins Bild.

Ein Jahr will er noch spielen, wo, das lässt er offen. Irgendwo, wo es zum Karriereschluss noch einmal ordentlich Geld zu verdienen gibt vermutlich. So wie er es 2012 schon einmal tat, als er als Champions-League-Sieger nach China wechselte – und es dort nicht lange aushielt. Über Galatasaray Istanbul kehrte er nach London zu Chelsea und zu Mourinho zurück. Drogba ist Chelsea, und Chelsea ist Drogba. Diese Geschichte ist nun endgültig zu Ende.

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