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Der Praesident des FC Basel, Bernhard Burgener kommentiert die Beschluesse der ausserordentliche Generalversammlung der Swiss Football League, am Freitag, 29. Mai 2020 im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Präsident Bernhard Burgener ist beim FCB weiterhin stark in der Kritik Bild: keystone

Bleibt Bernhard Burgener? – 10 Fragen und Antworten zum FCB-Millionenverlust

Der FC Basel bestätigt, dass er im Jahr 2019 knapp 20 Millionen Verlust gemacht hat. Zahlreiche Fans fordern daraufhin den Rücktritt der Bosse, doch die wollen auch diese Horrorbotschaft lieber ausschweigen, als Transparenz zu leben und einen Plan aus der Krise vorzustellen. Zehn Fragen und Antworten zum neuerlichen Tiefpunkt von Rotblau.

jakob weber / ch media



Warum hat der FCB die Zahlen am Dienstagabend veröffentlicht?

Aufgrund der Lizenzbestimmungen der Swiss Football League und der Uefa für die Spielzeit 2020/21 war der FCB schon drei Monate vor der GV gezwungen, die Zahlen offenzulegen. Warum er es ohne offizielle Mitteilung an einem Dienstagabend tat, bleibt das Geheimnis des Clubs und ist ein weiteres Beispiel für die desaströse Kommunikationspolitik des Vereins in den letzten Jahren.

Zum wiederholten Mal verpassten Präsident Bernhard Burgener und CEO Roland Heri die gute Gelegenheit, der Anhängerschaft Erklärungen zu liefern. Das schürt das Misstrauen.

Wie kam es zu dem exorbitant hohen Verlust von 20 Millionen Franken?

Der FC Basel ist wegen seiner hohen Fixkosten auf Einnahmen aus dem internationalen Wettbewerb und aus Spielerverkäufen angewiesen. Bleiben diese aus, resultiert ein Defizit. Das beträgt in diesem Jahr 19,6 Millionen Franken. Um den Verlust zu kompensieren hat der FCB 18,7 Millionen Franken an Reserven aus der Holding in die AG überführt.

Der Verein begründet den Verlust damit, dass man bewusst lukrative Spieler-Angebote abgelehnt hat, um europäisch erfolgreich zu sein und den Marktwert der eigenen Spieler zu steigern. Das gelang durch gute Auftritte in der Europa League auch, doch die finanziellen Einbussen durch die Coronakrise machten dem FCB einen dicken Strich durch die Rechnung.

Gab es in den letzten Jahren auch positive Entwicklungen?

Durch die Teilnahme an der Europa League stiegen die Matcheinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Millionen Franken an, obwohl die Jahreskarten und Zuschauerzahlen im selben Zeitraum weiter zurückgingen. Auch, dass der FCB mehr Geld in den eigenen Nachwuchs investiert, darf als positive Entwicklung gewertet werden. Denn von den eigenen Junioren wird der klamme Verein in Zukunft deutlich stärker abhängig sein als bisher.

12.03.2020, Hessen, Frankfurt/M.: Fußball: Europa League, K.o.-Runde, Achtelfinale, Hinspiel: Eintracht Frankfurt - FC Basel in der Eintracht Frankfurt - FC Basel. Basels Samuele Campo (vorn) jubelt mit Fabian Frei, nachdem er per Freistoß das Tor zum 1:0 erzielt hat. Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Basler Erfolge in der diesjährigen Europa-League-Kampagne werden in den kommenden Jahren helfen. Bild: dpa

Warum gab der FCB knapp fünf Millionen für Spielervermittler aus?

Das ist schwer zu beantworten. Spannend ist vor allem, dass YB im Jahr 2019 nur 0,8 Millionen an Spielervermittler überwiesen hat. Auch hier hat der FCB akutes Sparpotenzial.

Wusste der FCB schon vor dem Bundesentscheid, dass er im Herbst 2020 Kredite benötigt?

Gut möglich, denn er sass zusammen mit dem FCZ am Verhandlungstisch, als Liga und Bund über eine Lösung berieten. CEO Roland Heri betont, dass der FCB die Lohnkosten in den kommenden Jahren sowieso um 20 Prozent senken will. Die Auflagen für die bereitgestellten Bundeskredite kommen dem Club also entgegen. So verwundert es nicht, dass Heri die Entscheidung des Bundes als «äusserst zielführend und weitsichtig» bezeichnet.

Welche Schuld trägt Ex-Präsident Bernhard Heusler?

Keine ganz unerhebliche. Heusler liess den Personal-Apparat unter seiner Führung immer weiter anwachsen. Auch wenn er seinem Nachfolger Bernhard Burgener 60 Millionen an Reserven aus den guten Jahren mit auf den Weg gab, hat die neue Führung auch drei Jahre nach Heuslers Abschied noch keinen Weg gefunden, die hohen Fixkosten signifikant zu senken. Kritiker sagen, Heusler wusste genau, warum er dann, als es am schönsten war, den Verein verliess.

Praesident Bernhard Heusler
an der Generalversammlung des FC Basel 1893 im St. Jakob-Park in Basel am Freitag, 9. Juni 2017.  (KEYSTONE/Walter Bieri)

Auch Bernhard Heusler trägt eine Teilschuld an der aktuellen Situation des FCB. Bild: KEYSTONE

Welche Konsequenzen hat das für die 1. Mannschaft?

Sportchef Ruedi Zbinden sagt zwar: «Wir werden keine Spieler verschenken.» Doch der FCB wird in diesem Jahr mehr den je auf Spielerverkäufe angewiesen sein. Die auslaufenden Verträge von Trainer Marcel Koller, Ricky van Wolfswinkel, Zdravko Kuzmanovic und auch die der Leihspieler dürften kaum verlängert werden. Die fixe Übernahme eines Arthur Cabral macht nur dann Sinn, wenn der FCB ihn direkt teurer weiterverkaufen kann.

Sportlich wird die Qualität leiden. Titel werden in Zukunft immer schwieriger zu gewinnen sein. Doch das ist auch die Chance für Nachwuchsspieler, sich in die 1. Mannschaft zu spielen.

Wirft Präsident Bernhard Burgener freiwillig hin?

Nein. Burgener sagte selber: «Ich bin nicht der Captain, der in der grössten Not das Schiff verlässt. Wenn man verkaufen will, wäre das heute der dümmste Moment.» Trotzdem hält er Augen und Ohren für allfällige Investoren offen. Die Mehrheit müsse aber in Basler Händen bleiben. «Wenn es Hart auf Hart kommt, müssen wir das anschauen. Aber ich werde keine Mehrheit abgeben», sagt Burgener.

Sollte er jedoch an der GV als Vereinspräsident abgewählt werden, könnte er sich freiwillig auch aus der AG zurückziehen. Burgener betont gerne, dass er den Verein nur mit der Rückendeckung der Mitglieder führen will. Der Anteil der Ja-Stimmen nahm in den letzten drei Jahren jeweils ab. 2019 lag er nur noch bei 65 Prozent. Die GV im kommenden Oktober wird Klarheit geben, ob Burgener die aktuelle Krise als Präsident überlebt oder ob er von den Mitgliedern die Quittung erhält und abgewählt wird.

Was sagen die Fans?

Die Sorge über ihren Herzensverein entlädt sich in diesen Tagen in den sozialen Medien und bei Stammtischgesprächen. Viele Fans geben der aktuellen Führung die Schuld am Untergang. «Sorry, aber dieses Gesäusel von diesem CEO geht mir so was auf den Kecks. Der soll zusammen mit Burgener, Odermatt und anderen Verwaltungsräten endlich den Hut nehmen», schreibt ein User stellvertretend für viele unter das Erklärvideo von Roland Heri auf der FCB-Facebookseite.

Bild

Die FCB-Fans sind nicht happy. bild: screenshot facebook

Neben Rücktrittsforderungen wünschen sich die Fans vor allem auch, dass ihnen die Bosse transparent aufzeigen, wie sie gedenken, den FCB aus dieser misslichen Lage zu befreien. Die rotblaue Anhängerschaft ist sich durchaus bewusst, dass sich Burgener und Co einer Mammutaufgabe angenommen haben. Doch aufgrund der ewigen Heimlichtuerei und der schlechten Kommunikation, nehmen die kritischen Stimmen zu, die behaupten, dass Burgener und Heri gar keinen Plan hätten.

Wie schafft es der FCB wieder in die richtige Bahn?

Entweder tritt Bernhard Burgener zurück und gibt den Verein in Hände, die besser mit einem Fussballclub umgehen können. Oder es muss seitens der Clubführung ein radikales Umdenken stattfinden. Burgener und Heri sollten Probleme ehrlich ansprechen und ihren Rettungsplan offenlegen. Nur so kann das Vertrauen der Basis wieder hergestellt werden. Dazu braucht der FCB auch dringend sportlichen Erfolg, um zusätzliche Einnahmen zu generieren.

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Helios 04.06.2020 18:10
    Highlight Highlight Womöglich waren es also doch die CL Millionen, die dem FCB zu jahrelanger Dominanz verholfen haben.

    Natürlich ist es alleine mit dem Geld noch nicht getan, eine kompetente Führung und gutes Personal sind unabdingbar, aber ohne Geld wäre es eben auch nicht möglich gewesen.

    Für viele ist es daher Balsam für die Seele, die FCB Anhänger ausgenommen, dass auch in Basel nur mit Wasser gekocht wird, resp. mit Geld der langfristige Erfolg ermöglicht wird.

    Die Supi-League dürfte in den kommenden Jahren also wieder spannender werden. Darauf können wir uns alle, wohl auch die FCB Fans, freuen.
  • Imfall 04.06.2020 17:19
    Highlight Highlight "doch die finanziellen Einbussen durch die Coronakrise machten dem FCB einen dicken Strich durch die Rechnung."

    Es geht um die Bilanz 2019, oder?!

    Da war das aber noch kein Thema 😅
    • gupa 04.06.2020 18:41
      Highlight Highlight Der Plan war 2019 ein minus in Kauf zu nehmen um im Sommer 2020 die Spieler nach der EL teurer verkaufen zu können.
    • Imfall 04.06.2020 19:08
      Highlight Highlight mag sein... aber die hätten im 2019 genau den gleichen Verlust eingefahren!

      Corona wird erst im 2020 knallen
  • dho 04.06.2020 16:56
    Highlight Highlight Blasche (oder Flasche) oder Berger oder wie er heisst: "(...) Wenn man verkaufen will, wäre das heute der dümmste Moment."

    Will??? Es geht nicht um verkaufen wollen, sondern um müssen.

    Wer bietet 5 Millionen plus Übernahme der Verbindlichkeiten?
  • AdiB 04.06.2020 16:49
    Highlight Highlight 20 millionen oder? Wo problem? Championsleage qualifizieren und sie 20 millionen sind drin. Top clubs bis auf bayern sind offiziel auch alle im minus.
  • Weeman12 04.06.2020 16:30
    Highlight Highlight Heri mag ein guter Sportchef auf Stufe Amateurfussball sein, aber für den FCB mit dieser regionalen Bedeutung und Strahlkraft reicht es einfach nicht. Vieles wirkt hemdsärmlig, unbeholfen und amateurhaft. Unter dem Strich ist es auch eine Leistung einen sportlich und wirtschaftlich erfolgreichen Club innerhalb von 3 Jahren an die Wand zu fahren.
  • Weeman12 04.06.2020 16:30
    Highlight Highlight Mag sein, dass Heusler zum richtigen Zeitpunkt den FCB verlassen hat. Trotzdem... Burgener wusste genau in welchem sportlichen und wirtschaftlichen Umfeld er den FCB übernehmen wird. Fakt ist, dass es der Führung nicht gelungen ist den Verein gesund zu schrumpfen. Missmanagement ohne Ende, eine Führung ohne Identfikation und Bindung zur Basis (Mitglieder, Fans, Region).
  • FTLarry 04.06.2020 16:22
    Highlight Highlight Das Bild von Burgener in Front des Wankdorfstadions in Bern!? Oder täusche ich mich?
    • Nick Tamer 04.06.2020 17:07
      Highlight Highlight Stade de Suisse
    • ben_fliggo 05.06.2020 10:16
      Highlight Highlight scharfes Auge, tatsächlich 🤣
  • Bulwark 04.06.2020 15:07
    Highlight Highlight Die Verpflichtung von Kizmanovic darf durchaus als erster starker Schritt in die falsche Richtung angesehen werden. Dieser Vertrag hätte so nie zustande kommen dürfen. Ein Spieler der sich International nicht ausreichend durchsetzen konnte erhält eine absurd hohen Lohn, vorwiegend aufgrund der guten Beziehungen zu Heuslee & co.
  • rburri38 04.06.2020 14:11
    Highlight Highlight Ich bin froh hat YB das Theater, dass im Verein bis dahin herrschte, vor vier Jahren fix an den FCB abgegeben.
    • Helios 04.06.2020 18:00
      Highlight Highlight Du sprichst mir aus dem Herzen, allerdings hat man nach dem etwas unglücklichen Interview von F. Ruch mit einem gewissen F. Bickel gesehen, dass das destruktive Potential im Verein nach wie vor riesig ist und wohl nur wegen Wuschu nicht öffters zum Vorschein kommt.

      Mit Wuschu wird vermutlich auch die Ruhe bei YB dann einmal gehen. Geniessen wir also den Moment und hoffen das Beste.

Kommentar

Bernhard Burgeners Achillesferse ist getroffen – er hat seinen letzten Rückhalt verloren

Die Fans des FC Basel fordern Präsident Bernhard Burgener sowie die komplette Führung dazu auf, zurück zu treten. Sie trauen ihr nicht mehr zu, den Club aus der Krise zu führen. Damit verliert Burgener seinen letzten Rückhalt.

Bernhard Burgener ist ein Mensch des Entertainments und der Filme. Seine Videothek machte ihn zum Millionär, mit seiner Firma Constantin Film produziert er laufend Blockbuster, welche die Massen ins Kino locken. Und so bedient sich der cinephile Burgener oft bei Metaphern aus der Welt der Filme. «Momente des Misserfolgs schweissen zusammen. Und auch Helden müssen leiden», sagte der Präsident des FC Basel beispielsweise nach dem desaströsen 1:7 bei YB 2018. Ob Burgener sich selbst damals …

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