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Die niedergeschlagenen Belenenses-Spieler nach dem Spiel auf dem Platz.
Die niedergeschlagenen Belenenses-Spieler nach dem Spiel auf dem Platz.Bild: keystone

Corona-Farce in Portugal: Belenenses läuft zu neunt auf und erzwingt Spielabbruch

28.11.2021, 00:3928.11.2021, 12:34
Dario Bulleri
Dario Bulleri
Dario Bulleri
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In der portugiesischen Liga ist es am Samstag zum vielleicht kuriosesten Spiel des Jahres gekommen. Belenenses trat gegen Benfica nach einem Corona-Ausbruch nur mit neun Spielern an – und erzwang in der zweiten Halbzeit den Abbruch. Eine Chronologie.

Der Corona-Ausbruch

Vor dem Spiel wurde bei Belenenses die Mannschaft wie üblich auf das Coronavirus getestet. Das überraschende Resultat: Gleich 13 Spieler erhielten ein positives Ergebnis, dazu auch vier Mitglieder des Staffs. Zu diesen gehörte unter anderem Trainer Filipe Candido. Dennoch erklärte Präsident Rui Pedro Soares vor der Partie, man werde zum Spiel antreten.

Damit war klar, dass die Aufgabe für Belenenses äusserst schwierig sein würde. Trainer Candido gab sich dennoch kämpferisch. «Wir werden versuchen, unter den verfügbaren Spielern die bestmögliche Lösung zu finden», so Candido.

Die Startformation

Kurz vor dem Spiel wurde dann tatsächlich klar: Belenenses kann nur gerade neun Spieler für die Partie gegen Benfica stellen. Dazu kam: Von diesen neun waren zwei Torhüter, fünf Verteidiger und einer Mittelfeldspieler. Stürmer gab es keinen einzigen.

So musste Trainer Candido seiner Kreativität freien Lauf lassen und sein Team so aufstellen, dass alle Position trotz zwei Männern weniger irgendwie besetzt werden konnten. Eine besondere Herausforderung gab es dabei für Joao Monteiro. Der 20-jährige ist eigentlich dritter Keeper, wurde aber kurzerhand zum Mittelfeldspieler umfunktioniert.

Das Torfestival

Als das Spiel angepfiffen wurde, passierte das, was wirklich jeder erwartet hatte: Benfica zerlegte das bemitleidenswerte Belenenses nach Strich und Faden. Dabei startete das Spiel schon auf schlechtmöglichste Art. Nach 24 Sekunden lenkte Kau eine gegnerische Flanke ins Tor und verpasste seinem angeschlagenen Team gleich den nächsten Nackenschlag.

Passend zum ganzen Abend: Der erste Treffer fällt schon nach 24 Sekunden und ist ein Eigentor.Video: streamja

Auch in der Folge machte Benfica gnadenlos Druck. Sechs weitere Treffer gelangen dem Favoriten bis zur Pause. Dabei konnte sich auch Haris Seferovic als zweifacher Torschütze auszeichnen: Der Schweizer erzielte das 2:0 und per Penalty dann auch das 6:0. Noch erfolgreicher war Darwin Nuñez, der den bemitleidenswerten Belenenses-Keeper gleich dreimal bezwang. So stand es bis zur 45. Minute bereits 7:0. Eine Besserung war für das Heimteam kaum in Sicht – zumal man natürlich auch keine Auswechselspieler auf der Bank hatte.

Seferovic zum Ersten ...Video: streamja
... und zum Zweiten. Video: streamja

Die Tränen zur Pause

Der Halbzeitpfiff war für Belenenses dann eine Erlösung. Die Spieler verzogen sich in die Kabinen, während einige verärgerte Fans damit begannen, das Stadion zu verlassen. Sichtlich von der Situation getroffen war Präsident Rui Pedro Soares. Dieser schaffte es auf dem Weg über den Platz in Richtung Kabinen nicht, seine Tränen zurückzuhalten.

Das Warten

Als die 15 Minuten Pause dann eigentlich vorbei waren, kehrten die Spieler von Benfica auf den Platz zurück. Trainer Jorge Jesus nahm dabei fünf Wechsel vor, um einige Stammkräfte zu schonen. Dann stellten sich die Gäste auf und warteten auf ihre Gegner – und warteten immer länger.

Auch nach einigen Minuten liessen sich die Spieler des Heimteams nicht blicken, worauf sich Schiedsrichter Manuel Mota in die Kabine zurückzog, um die Situation zu bereinigen.

Der «Wiederbeginn»

Nach einigen Minuten kehrte Belenenses dann doch aus den Kabinen zurück auf den Platz – zumindest sieben der anfänglichen neun Spieler. Die Fans machten ihren Spielern Mut und applaudierten diesen zu.

Doch die zweite Halbzeit war von kurzer Dauer: Nach wenigen Spielsekunden zimmerte Joao Monteiro, der Goalie-Mittelfeldspieler, den Ball aus dem Feld, ging «verletzt» zu Boden und weigerte sich, weiterzuspielen. Da Belenenses das Spiel nicht zu sechst zu Ende spielen durfte, folgte der Abbruch.

Die Reaktionen

Belenenses-Präsident Rui Pedro Soares:

«Ich habe mit der Liga gesprochen und sie sagten mir, dass ich acht Spieler hätte. Die Alternative war, nicht aufzutauchen und zwei bis fünf Punkte zu verlieren. Was heute passiert ist, war eine Schade, es gibt keine Vorschriften und keinen Kalender, die rechtfertigen, was heute passiert ist.»

Benfica-Präsident Rui Costa:

«Ich bedaure, was heute passiert ist. Benfica hat sich einfach an die Vorschriften gehalten. Wenn wir nicht gespielt hätten, wären wir bestraft worden. Wir sollten uns alle für das schämen, was passiert ist, aber Benfica ist nicht dafür verantwortlich.»

Liga-Konkurrent Sporting Lissabon:

«Was hier passiert ist, hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit dieser Meisterschaft und der Institutionen, die sie regulieren. Dem portugiesischen Fussball als Ganzes aber auch den Vereinen wird heute ein ernsthafter Schaden zugefügt. So wird der portugiesische Fußball nie ernst genommen.»

ManCity-Spieler Bernardo Silva:

Das Nachspiel

Was genau passiert, ist derzeit noch offen – die portugiesische Liga hat nicht mitgeteilt, welche Konsequenzen der Spielabbruch haben wird. Es ist aber wohl davon auszugehen, dass Belenenses für den Spielabbruch bestraft wird.

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