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Skibbe und Salatic: Kann diese Zweckgemeinschaft wirklich funktionieren?
Skibbe und Salatic: Kann diese Zweckgemeinschaft wirklich funktionieren?
Bild: KEYSTONE
Analyse der GC-Pressekonferenz

Skibbe legt zwar einen professionellen Auftritt hin, doch da ist immer die Angst vor dem falschen Wort

GC-Trainer Michael Skibbe hat sich an einer Pressekonferenz erstmals zur Rehabilitierung von Vero Salatic geäussert. Was der Deutsche gesagt hat, war durchdacht, eloquent und glaubhaft. Wir haben versucht, zwischen den Zeilen zu lesen.
07.11.2014, 17:5307.11.2014, 19:04

Im kleinen Presseraum auf dem GC-Campus in Niederhasli herrscht in den Minuten vor dem offiziellen Pressetermin mit GC-Trainer Michael Skibbe reges Treiben. Die bereitgestellten Stühle sind alle besetzt, einige Chronisten müssen sogar stehen.

Der Andrang ist verständlich. Alle wollen wissen, was der Coach zur Aufhebung der Suspendierung von Veroljub Salatic sagt. Fragen wie, «Wie lebt es sich mit heruntergelassenen Hosen, Herr Skibbe?» oder «Wie fühlt es sich an mit einem verlorenen Gesicht?», sind bereits in der Pipeline.

Alles schaut auf Michael Skibbe.
Alles schaut auf Michael Skibbe.
Bild: watson

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Doch Skibbe ist sich der Brisanz des Themas bewusst und will die Situation schnell entschärfen. Er versucht dem Thema Salatic gar nicht erst auszuweichen und kommt sofort auf den Punkt. Er sei heute Morgen mit dem Sportchef Axel Thoma und Veroljub Salatic zusammengesessen, zu dritt hätten sie die Situation besprochen.

Dort sei folgende Einigung getroffen worden: «Wir sind darin übereingekommen, dass wir alle zusammen versuchen wollen, die Situation im Verein, nach Möglichkeit unserer Kräfte, so gut wie es geht wieder zu stabilisieren», so der GC-Trainer.  

«Vero» ist auf dem GC-Campus wieder in aller Munde. Und fit ist er auch. Vielleicht kommt er am Samstag gegen St.Gallen sogar zum Einsatz.
«Vero» ist auf dem GC-Campus wieder in aller Munde. Und fit ist er auch. Vielleicht kommt er am Samstag gegen St.Gallen sogar zum Einsatz.
Bild: watson

Skibbe wehrt sich nach Kräften

Mit einer etwas holprigen Erklärung versucht er danach die ganze Affiche herunterzuspielen: «Die Suspendierung von Salatic ist gar nicht auf meinem Wunsch erfolgt, sondern der Verwaltungsrat war dafür verantwortlich. Es gab auch Spannungen zwischen Vero und mir», so Skibbe weiter, «doch die waren nicht der Hauptgrund für die Suspendierung». Das hört sich fast schon so an, als wolle Skibbe den Schwarzen Peter weiterschieben. 

Obwohl angeblich nicht er es war, der die Suspendierung gewünscht habe, kommt der GC-Trainer später aber doch noch einmal auf die Differenzen zwischen ihm und Salatic zu sprechen: «Wir wollen nichts unter den Teppich kehren, die Probleme müssen besprochen werden. Wir müssen uns langsam wieder annähern.»

Diese Aussage hört sich ganz und gar nicht nach Sportlerhandschlag und «Komm wir vergessen es einfach» an, sondern eher nach seriöser Paartherapie. Ganz so locker lässt sich der Zwist nicht runterschwatzen. Die Verantwortung dem Verwaltungsrat in die Schuhe zu schieben und die eigenen Probleme kleinzureden, ist wenig glaubwürdig. Hätte Skibbe das Sagen gehabt, Salatic hätte nie mehr einen Fuss auf den GC-Campus gesetzt. Diesen Fakt schleckt keine Geiss weg. 

«Ich habe zwar mit dem Verwaltungsrat gesprochen, doch letzten Endes war es mein Entscheid, Salatic wieder zu integrieren.»
GC-Präsident Stephan Anliker im SRF-Interview.

Das Sagen hatte aber nicht Skibbe, sondern Präsident Stephan Anliker. Wie er im Interview mit dem SRF heute verlauten liess, sei es ein «präsidialer Entscheid» gewesen, Salatic wieder ins Kader aufzunehmen. «Ich habe zwar mit dem Verwaltungsrat gesprochen, doch letzten Endes war es mein Entscheid», so der GC-Präsident. Mit dem Trainer persönlich habe er nicht gesprochen und auch im Verwaltungsrat habe es Meinungsverschiedenheiten gegeben. Doch ein Präsident sei dafür da, auch mal unpopuläre Entscheidungen zu fällen. 

Ein falsches Wort könnte zur Explosion führen

Eigentlich untergräbt diese Vorgehensweise Skibbes Autorität. Die Reintegration von Salatic könnte auch als Gesichtsverlust für ihn gewertet werden, doch der GC-Trainer sieht das anders. «Ich habe mein Gesicht nicht verloren. Im Gegenteil. Es zeugt von einer guten Erziehung, wenn man sich an einen Tisch setzen und die Probleme besprechen kann», meint Skibbe dazu. Es sei ihm auch nicht schwer gefallen, diesen Präsidialentscheid zu akzeptieren und sich wieder mit Salatic an einen Tisch zu setzen.

Skibbe braucht dringend Siege, um die Situation bei GC zu entschärfen.
Skibbe braucht dringend Siege, um die Situation bei GC zu entschärfen.
Bild: KEYSTONE

Man muss dem 49-jährigen Skibbe zugute halten, dass er sich heute allen Fragen gestellt und einen äusserst professionellen Auftritt hingelegt hat. Man merkt ihm aber an, dass ihn die Situation ziemlich mitnimmt. Auch wenn er sagt, es gehe ihm «persönlich gut, nur sportlich nicht so». Die Sätze und Worte, die er wählt, sind durchdacht und dank seiner Eloquenz klingt auch alles ziemlich glaubhaft.

Doch man merkt sofort: Sagt er nur ein falsches Wort, explodiert die ganze Sache. Der Spielraum, in dem sich Skibbe bewegen kann ist klein. Sehr klein. Jede Aktion und jedes Wort wird mit Argusaugen überwacht, alles wird gedeutet. Skibbe darf nichts mehr falsch machen.

«Ich habe mein Gesicht nicht verloren. Im Gegenteil. Es zeugt von einer guten Erziehung, wenn man sich an einen Tisch setzen und die Probleme besprechen kann»
Michael Skibbe zum Zwist mit Salatic.

Ein Präsident, der einem in den Rücken fällt, ein Ex-Captain mit dem man in die Paartherapie müsste und eine Fussballer-Truppe, die kaum einen Fuss vor den anderen bringt, nein, in einem solchen Umfeld will man eigentlich nicht Trainer sein.

Vielleicht schafft es aber Skibbe tatsächlich, sich irgendwie aus dieser misslichen Situation hinauszumanövrieren und wieder sportlichen Erfolg zu haben. Dann hat er Grosses vollbracht, sich als Trainer bewiesen, der persönliche Bedürfnisse auch mal hinten anstellen kann. Geht die Talfahrt in den Tabellenkeller aber auch in den nächsten Wochen weiter, dann steht Skibbe bald nicht nur ohne Hosen und ohne Gesicht, sondern auch ohne Job da.

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