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YBs Trainer Uli Forte gestikuliert im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen den Berner Young Boys und dem FC Thun, am Sonntag, 19. April 2015, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Kaum ein Trainer in der Schweiz polarisiert so stark wie Uli Forte. Bild: KEYSTONE

Uli Forte hätte bei YB zum Jürgen Klopp des Schweizer Fussballs werden können – doch die Erwartungen waren von Anfang an zu hoch

Die Young Boys haben sich von ihrem Coach Uli Forte getrennt. Dass der Erfolg unter ihm ausblieb, war eigentlich wenig verwunderlich: Forte durfte bei den Hauptstädtern nie jene Rolle spielen, die eigentlich am besten auf ihn zugeschnitten gewesen wäre. 



Als Uli Forte im Sommer 2013 als neuer YB-Coach vorgestellt wurde, hatte er soeben die erfolgreichste Phase seiner Trainer-Karriere hinter sich. Mit seiner erfrischenden Art coachte er die Grasshoppers auf den zweiten Platz der Super League und bot dem FC Basel bis fast zum Ende der Meisterschaft Paroli. Noch besser erging es GC im Cup: Nach einem packenden Elfmeterkrimi gegen ebendieses Basel im Finale, durfte Forte mit seinen Jungs den Pokal in die Höhe stemmen. 

Dieser Titel war für die Hoppers gleichermassen willkommen wie unerwartet. Niemand hätte beim Rekordmeister von Uli Forte erwartet, dass er gleich in der ersten Saison den übermächtigen FC Basel herausfordern kann. Bei GC wäre man nach einer höchst turbulenten Phase bereits zufrieden gewesen, wenn er die Mannschaft solide im Mittelfeld gehalten hätte. 

GC's head coach Uli Forte, right, celebrates with Milan Vilotic, left, after the Swiss Cup final soccer match between FC Basel and Grasshopper Club Zuerich at the Stade de Suisse stadium in Bern, Switzerland, Monday, May 20, 2013. GC won after penalties. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

GC gewinnt 2013 den Schweizer Cup: Als Aussenseiter konnte Forte den FC Basel mehr als nur ärgern. Bild: KEYSTONE

Doch in genau dieser Situation schien der damals noch nicht einmal 40-jährige Uli Forte richtig aufzublühen. Als Underdog den Grossen eins auszuwischen, das schien für den Secondo mit abgebrochenem Wirtschaftsstudium an der Uni Zürich genau das Richtige zu sein. Dazu passt auch seine kämpferische Rhetorik, die er bis heute behalten hat. 

Uli Forte bemüht selten unverständliche Floskeln, er spricht die Sprache der Fussballfans. Er wirkt greifbar wie wohl kaum ein zweiter Coach in der Super League, weswegen er auch sehr polarisiert. «De Schiri isch tschuld», «es pfiifed wider emal all für Basel»: Diplomat hätte Uli Forte mit Aussagen wie diesen wahrscheinlich nie werden können. Bei Meistertrainern wie Paulo Sousa oder Pep Guardiola wäre diese Vorstellung hingegen durchaus vorstellbar. 

Dies könnte die Vermutung nähren, dass Uli Forte mit seiner pragmatischen, zuweilen aber auch aufbrausenden Art gar nicht das Format eines Meistertrainers hat. Er wirkt viel mehr als der einfache Nachbar von neben an, mit dem man abends um den Grill stehen und ein Bier trinken kann. 

Jürgen Klopp: Als Aussenseiter zum Meistertitel

Dass man aber auch Meistertrainer werden kann, ohne dabei wie ein weiser Philosoph aufzutreten, konnte einer in den letzten Jahren deutlich unter Beweis stellen: Jürgen Klopp. 

Als Klopp (wie Forte als Spieler kein Hochkaräter) im Sommer 2008 Borussia Dortmund übernahm, hatte er – auf Deutschland übertragen – ein ähnliches Palmarès vorzuweisen wie Uli Forte beim Antritt als GC-Coach. Auch er hatte bei seinem vorherigen Arbeitgeber Mainz 05 solide Arbeit geleistet und die Erwartungen bei Fans und Klubverantwortlichen übertroffen. Borussia Dortmund wurde auf den aufstrebenden Trainer aufmerksam und verpflichtete ihn als Nachfolger von Thomas Doll. 

Fussball, 1. Bundesliga, Saison 2010/11, 32. Spieltag, Borussia Dortmund - 1. FC Nuernberg, Samstag (30.04.11), Signal-Iduna-Park, Dortmund: Dortmunds Trainer Juergen Klopp feiert mit einer Papp-Meisterschale nach dem Spiel auf dem Spielfeld. Das Spiel endete 2:0. Damit ist der Tabellenfuehrer zwei Spieltage vor dem Saisonende auch rechnerisch nicht mehr von Bayer 04 Leverkusen einzuholen. Der Verfolger verlor zeitgleich beim 1. FC Koeln mit 0:2 (0:0) und hatte den Dortmundern damit den Weg zum siebten Titel der Vereinsgeschichte geebnet. +++ Achtung Bildredaktionen: Die Verwendung der Bilder fuer die gedruckten Ausgaben der Zeitungen und andere Print-Medien ist ohne Einschraenkungen moeglich. Die DFL erlaubt ausserdem die Publikation und Weiterverwertung von maximal sechs Bildern pro Spiel im Internet. Eine Weiterverwertung im IPTV Mobilfunk und durch sonstige neue Technologien ist erst 2 Stunden nach Spielende der jeweiligen Wettbewerbsspiele der Bundesliga und 2. Bundesliga erlaubt! Foto: Sascha Schuermann/dapd

Jürgen Klopp gewinnt 2011 die Meisterschale: Als Aussenseiter konnte er die Bayern vom Thron stossen.  Bild: AP dapd

Auch wenn Borussia Dortmund damals schon lange keinen Meistertitel mehr eingefahren hatte, langfristig wird bei einem Verein wie dem BVB immer der erste Platz das Ziel bleiben. Genauso wie bei den Young Boys.

Doch die Klubverantwortlichen bei Dortmund machten im Gegensatz zu jenen bei YB einen entscheidenden Unterschied: Sie stellten an Jürgen Klopp niemals die Anforderung, den FC Bayern vom Sockel stossen zu müssen. Als Jürgen Klopp nach nur drei Saisons Borussia Dortmund zur deutschen Meisterschaft gecoacht hatte, waren alle komplett überrascht. Der Mann, welcher meist im Trainingsanzug an der Seitenlinie stand und sich aufführte wie ein angefressener Fan auf der Dortmunder Südtribüne, hatte das Unmögliche geschafft. 

Forte in der Rolle des Goliath: Das passt einfach nicht

Uli Forte hingegen wurde geholt, um Meister zu werden. Die YB-Bosse machten keinen Hehl daraus: Nur Platz 1 ist genug. Damit war Uli Forte eigentlich von Anfang an mit einer Aufgabe betraut, die praktisch nicht zu lösen war.

Anstatt als Aussenseiter die Liga von unten her aufzumischen, war Forte jetzt der Grosse, der von den Kleinen eins ausgewischt bekam. Die Erwartungen waren von Anfang an zu hoch, der Trainer konnte sein Potenzial als Möchtegern-Goliath nie entfalten. 

ZUR SOFORTIGEN ENTLASSUNG VON YB TRAINER ULI FORTE STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - YB Trainer Uli Forte macht sich seine Gedanken, aufgenommen am Samstag, 1. August 2015, beim Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen gegen die Berner Young-Boys in der AFG Arena in St. Gallen. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Uli Forte konnte in der Favoriten-Rolle sein Potential kaum ausschöpfen. Bild: KEYSTONE

Doch statt Forte die für ihn viel besser zugeschnittene Rolle des überraschend starken Davids zu geben, sprach man in der YB-Chefetage diesen Sommer noch mehr vom Meistertitel als in den Jahren zuvor. Wenn sich YB nicht vor jeder Saison selber als Titelanwärter, sondern als Aussenseiter bezeichnet hätte, dann hätte Uli Forte den FC Basel vielleicht durchaus ärgern können – überraschend; genau so wie damals im Cupfinal mit GC, oder wie Klopp mit Dortmund im Sommer 2011.

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • nick_the_greek 07.08.2015 09:29
    Highlight Highlight Der grosse Unterschied zwischen den beiden ist doch, dass Klopp im Gegensatz zu Forte ein sehr charismatischer Kerl ist. Forte fiel mir immer nur durch seine arroganten, prolligen Sprüche auf. Es wäre für YB ausserdem lächerlich, wenn sie nicht ganz klar die Ambition für den Titel zeigen würden. Als nächsten Trainer sollten sie deshalb einen holen, der mit diesem Anspruch umgehen kann. Forte produzierte immer viel heisse Luft und als er den grossen Job kriegte, liefterte er nicht.
  • Fab_@ 07.08.2015 08:31
    Highlight Highlight aus meiner sicht ist uli forte der meist überschätzte trainer der schweiz. um seine person wird viel zu viel diskutiert. aber das er nun als sündenbock für das "yb schlamassel" dargestellt wird ist sicher auch nicht richtig. bei yb wird sehr vieles im hintergrund nicht stimmen. und die berner müssen lernen das geld alleine auch keinen erfolg bring.
  • c_meier 07.08.2015 01:48
    Highlight Highlight Forte musste mit dem arbeiten was Bickel einkauft... und das waren leider keine formstarken, bodenständige Arbeiter im Stil eines Michi Lang (FCB/GC) oder Isländer/Österreicher, die das Team rausreissen (z.B. im Cup) sondern mehrheitlich Schönwetter-Bubis mit Ausnahme von Hoarau/Steffen. Dies war schon im Cup-Out letzten Sommer sichtbar
    Zudem braucht Bickel einen starken Gegenpart im Verein mit einem richtigen Präsident à la FCB-Häusler. YB-Präsi Müller ist nur ein Alibi-Präsi ohne Macht. Ohne Präsident, der auch mal Druck auf den Sportchef macht, bleibt YB leider wohl weiterhin erfolglos...
  • Pax Mauer 07.08.2015 00:30
    Highlight Highlight Der Ueli ist menschlich und intellektuell Lichtjahre von Klopp entfernt. Der weiss sich haargenau einzuschätzen und kann Leute mit Worten und Taten für sich einnehmen. Ueli labert halt nur. Zudem war sein Image nach dem Schafhirt-Abgang bei GC äusserst angekratzt. Aber die David-Goliath-Einschätzung ist äusserst treffend. YB fehlt Demut. Und clevere Chefs.
  • Ketchum 06.08.2015 22:36
    Highlight Highlight YB buttert zuviel rein, um glaubwürdig als Underdog gelten zu können. Beim BVB wurde das am Ende der Klopp-Ära auch zum Problem. Der Unterschied: Uli ist Underdog, Klopp kultiviert Underdog
  • Amboss 06.08.2015 22:17
    Highlight Highlight Ganz treffender Kommentar.
    Bern ist einfach überall die Nummer zwei und es gefällt denen in dieser Rolle.

    Wie in der Politik: Bern hat alles, was es braucht, um erfolgreich zu sein. Aber es gefällt ihnen besser, zu jammern und sich Millionen aus dem NFA auszahlen zu lassen.

    So ist auch YB: Sie haben alles: Geld, Top Infrastruktur, viele Fans. Aber es gefällt ihnen einfach zu gut in der Rolle der jammernden Nummer zwei.
    • 123und456 07.08.2015 00:21
      Highlight Highlight Au ja ein Bern-Feind...:D
      Der Vergleich mit dem NFA ist Habackuck mein Lieber..
    • Amboss 07.08.2015 09:40
      Highlight Highlight @123: Nein, ganz und gar nicht Bern-Feind.
      Eher jemand, der diese Berner Kultur des sich klein machens nicht versteht.
      Der Kanton Bern hat wirklich alles was es braucht: Wunderbare Landschaften, weite Flächen für die Landwirtschaft, Industrie, Internationale Top-Tourismusdestinationen (Interlaken, Jungfraujoch).
      Und schafft es doch nicht, als "Sieger" aufzutreten und erfolgreich zu wirtschaften...

      Genauso YB: Geld, Infrastruktur, alles vorhanden. Aber man ist lieber "halt nicht so gut und gross wie der FC Basel"

    • 123und456 07.08.2015 10:28
      Highlight Highlight Naja zu Zürich ist der Unterschied riesig. Beginnt schon bei der Bevölkerungsdichte. Zudem dürfen Sie nicht vergessen, dass Regionen wie Biel(Die Stadt schreibt regelmässig tiefrote Zahlen und ist die zweitgrösste Stadt des Kantons) und die Region Berner Jura alles andere als Wirtschaftsmotoren sind. Und die Landwirtschaft kostet eher, ist schwer profitabel zu machen. Ich denke die Grösse ist das Problem des Kantons.
    Weitere Antworten anzeigen
  • JKF 06.08.2015 21:56
    Highlight Highlight Kleiner Input: Uli Forte hat kein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium.
    Sonst völlig zutreffender Inhalt und leider der Realität entsprechend.
    • corsin.manser 06.08.2015 22:07
      Highlight Highlight Weisst du auch, wie viele ECTS-Punkte ihm noch fehlen? Oder ist er noch im Liz-System?

      Danke für den Hinweis :)!
    • JKF 06.08.2015 23:45
      Highlight Highlight Leider weiss ich dies nicht. Hat aber mal in einem Interview in der Berner Zeitung "zugegeben", dass er das Studium nie beendet hat.
  • Ignorans 06.08.2015 21:36
    Highlight Highlight Den "Falschmeldung" - Sticker vergessen!

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