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So etwas wie Ekstase nach dem hart erarbeiteten 1:0 gegen Schaffhausen.
So etwas wie Ekstase nach dem hart erarbeiteten 1:0 gegen Schaffhausen.Bild: keystone

Aarau will die Aufstiegs-Euphorie in Energie umwandeln

Nach dem Sieg gegen Schaffhausen muss die Mannschaft des FC Aarau den Spagat zwischen Ausgelassenheit und Konzentration schaffen. Trainer Keller will aus der Euphorie Kraft schöpfen. Derweil hat der Verein den Ticket-Vorverkauf für den Saisonfinal gestoppt.
16.05.2022, 11:02
Frederic Härri und François Schmid-Bechtel / ch media

Es ist still im Stadion Brügglifeld an diesem Sonntagmittag. Idyllisch, könnte man sagen, bezieht man den wolkenlosen Himmel mit ein. Das Vogelgezwitscher rundherum, den gepflegten Rasen im saftigsten Grün. Ausser den beiden Journalisten auf der Tribüne ist niemand da, der sich die Fussballspieler anschaut, wie sie auf den kreisförmig aufgereihten Yogamatten ihre gymnastischen Übungen betreiben. Geht man in der Zeit zwölf Stunden zurück, war das noch ganz anders.

Es war so etwas wie Ekstase, was die Atmosphäre in der fast ausverkauften Wefox Arena umschrieb. Es war laut, ohrenbetäubend fast. Ein Sound, wie ihn nur Fussballfans zu erzeugen vermögen, schallte durch das Rund. Genug Aarauer waren ja da gewesen, um die Kulisse zu schaffen. Über 3000 waren schätzungsweise angereist, mit dem Vorhaben, ihre Mannschaft akustisch nach vorne zu tragen. Es gelang. Und nach Schlusspfiff gab es gehörig etwas zu feiern. Auch unter den Spielern.

Der Mann mit dem Megafon: Randy Schneider gab den Einpeitscher.
Der Mann mit dem Megafon: Randy Schneider gab den Einpeitscher.Bild: keystone

Der sonst eher scheue Randy Schneider hielt ein Megafon in den Händen und figurierte als Einpeitscher. Wie alle anderen hüpfte er auf und ab, zu den eingängigen Melodien aus dem Gästeblock. Zwischendurch absolvierte der 20-jährige einen regelrechten Interviewmarathon. Jedes Radio, jeder Fernsehsender, jede Zeitung vor Ort wollte etwas von ihm, dem Matchwinner.

Schneider absolvierte das Programm geduldig. Anders als Kevin Spadanuda, der höflich ablehnte, weil er mit der heiseren Stimme kaum mehr einen Ton hervorbrachte. Nach den ersten Jubelarien vor den Fans verschwand die Mannschaft in der Kabine, aber sie kam nochmals heraus. Wie bei einer Zugabe am Konzert. Fussballer, die zu Popstars werden.

Sprechchöre mitten in der Nacht

All dies ist zutiefst aussergewöhnlich. Und es ist ganz im Sinne von Cheftrainer Stephan Keller, der «die Euphorie zulassen» möchte, wie er nach dem 1:0 gegen Schaffhausen kundgab. «Die Spieler sollen das jetzt heute und morgen geniessen. Das ist wichtig, weil es Energie freisetzt, die wir noch brauchen werden.»

Auf dem Heimweg fuhr der Teambus vorbei am Penny Farthing Pub, der Stammbeiz der Aarauer Fans in der Innenstadt. Natürlich war der Halt mitten in der Nacht geplant, im Wissen, dass es noch einmal Sprechchöre geben würde. Wohltuendes, zusätzliche Energie eben.

Stephan Keller will die Euphorie zulassen.
Stephan Keller will die Euphorie zulassen.Bild: keystone

Es ist der Spagat, den sie beim FC Aarau in der kommenden Woche meistern müssen. Jener zwischen Euphorie, Konzentration und Ruhe. Bei Tageslicht treffen sich die Spieler am Sonntag beim Stadion. Da ist keine Katerstimmung nach einem rauschenden Fest erkennbar. Eher ein entspanntes Zusammen- und Herunterkommen, ein Besinnen auf das, was noch folgt. Weil die Aufgabe noch nicht erfüllt ist, wenngleich gegen Vaduz nur noch ein einziger Punkt zum Aufstieg fehlt.

Enorme Nachfrage für das Vaduz-Spiel

Sehr viele Fans und Interessierte werden das Spiel am nächsten Samstag sehen wollen. Das Brügglifeld wird ausverkauft sein. Am Sonntagmittag teilt der Verein mit, dass der Vorverkauf aufgrund der enormen Nachfrage eingestellt worden ist. Restkontingente an Tickets werden am Montag um 13 Uhr aufgeschaltet. Aus Kapazitätsgründen würden die Sitzschalen von den Stehrängen in den kommenden Tagen gar entfernt, schreibt der Verein.

Für Philipp Bonorand indes wird ein Platz frei sein, so viel ist gewiss. Den Auswärtssieg am Samstagabend bekam er nur am Fernsehen mit, weil ihm ein positiver Coronatest die Reise nach Schaffhausen verwehrte. Ihm gehe es gut, er verspüre nur leichte Symptome, liess der Präsident des FC Aarau ausrichten. So wird er kommendes Wochenende wohl wieder zugegen sein. Ein Aufstieg zu Hause vor eigenem Anhang - den kann er sich nicht nehmen lassen. (aargauerzeitung.ch)

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4 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Borat2
16.05.2022 12:49registriert April 2022
Cool, das die Nati B, in dieser spannenden Saison angemessene Aufmerksamkeit erhält!
251
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Zum Kommentar
4
«Männer müssen sich für Frauen im Fussball öffnen und ihren Mehrwert erkennen»
Als Nationaltrainerin führte Martina Voss-Tecklenburg, 54, die Schweizer Fussballerinnen erstmals an eine WM und EM. Nun coacht sie Deutschland und trifft heute in einem Testspiel auf ihr altes Team. Ein Gespräch über die anstehende EM, Rekorde und Entwicklung im Frauenfussball.

Spüren Sie in Deutschland Vorfreude auf die Frauen-EM?
Martina Voss-Tecklenburg: Teilweise. Wenn ich selbst unterwegs bin, sprechen mich unheimlich viele Leute an, die ich auch gar nicht kenne, und rufen: «Hey, jetzt ist doch dann die Europameisterschaft, wir drücken die Daumen!» Gleichzeitig las ich kürzlich in einer Zeitung den Titel: «Diesen Sommer gibt’s kein grosses Fussballturnier.» Das erschreckt mich dann schon.

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