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BVB-Torhüter Bürki freut sich mit Doppeltorschütze Haaland über den 2:1-Sieg gegen PSG.
BVB-Torhüter Bürki freut sich mit Doppeltorschütze Haaland über den 2:1-Sieg gegen PSG.Bild: AP

Haaland-Mania – und sonst? Wer beim Dortmund-Sieg gegen PSG alles auffiel

19.02.2020, 12:1019.02.2020, 13:15

Haaland, Mann der Rekorde

Wir müssen trotzdem bei ihm beginnen, denn er wird immer unheimlicher! In seinem achten Spiel für Borussia Dortmund erzielte Erling Braut Haaland gestern Abend beim 2:1 gegen Paris St-Germain im Achtelfinal-Hinspiel der Champions-League die Treffer Nummer 10 und 11 für den BVB.

Beim 1:0 schaltete der 19-jährige Norweger bei einem geblockten Schussversuch von Teamkollege Raphael Guerreiro am schnellsten und staubte ab. Das 2:1 war dann ein absolutes Traumtor: Nach einem Pass des 17-jährigen Jokers Giovanni Reyna liess ihm Thiago Silva etwas zu viel Raum, was Haaland sofort ausnützte und den Ball aus gut 17 Metern aus vollem Lauf unter die Latte donnerte.

Haaland staubt zum 1:0 für den BVB ab.Video: streamable
Haalands Traumtor zum 2:1 für Dortmund.Video: streamable

Haaland blendete den Hype um seine Person auf dem Platz einmal mehr komplett aus und konzentrierte sich aufs Wesentliche. Nicht nur bei den Toren glänzte der wuchtige Stürmer, herausragend war auch, wie der Norweger Bälle in der Spitze halten konnte und immer wieder mit überlegten Zuspielen die Dortmunder Flügelstürmer in Szene setzte.

Anders als auf der anderen Seite Neymar und Kylian Mbappé arbeitete Haaland auch perfekt nach hinten mit und eroberte immer wieder verloren gegangene Bälle zurück. Völlig verdient wurde der Doppeltorschütze am Ende zum «Man of the Match» gewählt.

Tuchel über Haaland:

«Dieser Junge ist ein Tier. Er hat eine Präsenz und eine Energie und ist einfach schwer zu stoppen. Ich fand aber, dass wir ihn eigentlich gut und auch hart verteidigt haben.»

Favre über Haaland:

«Er ist im Strafraum immer bereit. Seine Bewegung beim 2:1, sein Tempowechsel, das ist einfach gut. Haaland will immer Tore schiessen. Das sieht man im Training, das sieht man im Spiel.»

Natürlich stellte Haaland mit seinem Doppelpack ein paar weitere Rekorde auf:

  • 10 Tore in den ersten 7 Champions-League-Spielen – das hat vor Haaland keiner geschafft. Der Zweitschnellste brauchte für seine ersten 10 CL-Tore vier Spiele mehr.
  • Haaland ist nach Mbappé (13) erst der zweite Teenager (unter 20 Jahren), der die magische Marke von 10 CL-Toren erreicht. Der Franzose brauchte dafür aber nicht eine halbe, sondern eineinhalb Champions-League-Saisons.
  • Vor Haaland erzielten nur vier Spieler 10 Tore in ihrer ersten Champions-League-/Meistercup-Saison: Just Fontaine, Claudio Sulser, Sadio Mané und Roberto Firmino. Den Rekord hält der Schweizer Sulser mit 11 Treffern in der Debüt-Saison.
  • 11 Tore in den ersten 7 Pflichtspielen für Dortmund – das schaffte seit Bestehen der Bundesliga kein Spieler vor Haaland.
  • Haaland ist auch der erste Dortmunder, der gleich in seinem ersten Bundesliga-Spiel, seinem ersten DFB-Pokal-Spiel und seinem ersten Europacup-Spiel traf.
  • In der 14. Minute machte sich Haaland bei einem BVB-Konter nach einem PSG-Eckball im Vollsprint auf in den gegnerischen Sechzehner. Für 60 Meter soll er 6,64 Sekunden benötigt haben, rechnete Sky Italia aus. Damit lag er nur drei Zehntel über dem Weltrekord und nur neun Hundertstel über dem norwegischen Rekord.
Haalands Sprint übers halbe Feld.Video: streamable

Can, der Dirigent

Neben dem unglaublichen Haaland hat Dortmund in der Winterpause noch einen weiteren «Königstransfer» getätigt: Emre Can. Der defensive Mittelfeldspieler wurde kurz vor Ende des Transferfensters von Juventus Turin ausgeliehen, gestern gab der BVB dann unmittelbar vor Spielbeginn seine feste Verpflichtung bekannt.

Eine weise Entscheidung, wie sich in den folgenden 92 Minuten zeigen sollte. Can bringt das Körperliche und die Aggressivität mit, die beim BVB zuvor gefehlt haben. Innerhalb kürzester Zeit ist der deutsche Nationalspieler mit türkischen Wurzeln zum unumstrittenen Chef im Dortmunder Mittelfeld aufgestiegen. Selbst Axel Witsel, der zuvor für die defensive Ordnung zuständig war, hat sich dem Neuzugang sofort untergeordnet.

Emre Can im Zweikampf mit PSG-Torschütze Neymar.
Emre Can im Zweikampf mit PSG-Torschütze Neymar.Bild: AP

Gegen PSG nahm Can sofort das Zepter in die Hand und dirigierte immer wieder seine Mitspieler. Gleich mehrfach ging er beispielsweise zu Erling Haaland und gab ihm taktische Anweisungen sowie Tipps. Selbst ging Can keinem Zweikampf aus dem Weg, von 19 Duellen gewann er allerdings nur 36,8 Prozent, dafür standen bei ihm am Ende zehn Balleroberungen zu Buche.

Und diese hatten es in sich, wie Marco Reus nach dem Spiel analysierte: «Er läuft extrem viel und ist extrem wichtig für die Umschaltsituationen. Du brauchst jemanden wie ihn, der den Gegner attackiert und den Ball dann schnell nach vorne spielt. Da ist Emre mit seiner Physis prädestiniert», schwärmte der verletzte BVB-Captain. Es scheint fast so, als habe Can seinen Kollegen im Dortmunder Mittelfeld innert Kürze eingeimpft, dass Fussball nicht nur zelebriert werden kann, sondern auch gearbeitet werden muss.

Hummels, der Chef

Auch in der Defensive steigerte sich Dortmund im Vergleich zu den letzten Spielen, als man in sechs Partien elf Gegentreffer kassierte, massiv. Die Dreierkette mit Mats Hummels, Dan-Axel Zagadou und Lukas Piszczek verteidigte ohne den erneuten auf der Bank schmorenden Manuel Akanji lange diszipliniert, solidarisch und aggressiv.

75 Minuten lang liess die sonst so anfällige BVB-Defensive kaum eine nennenswerte Aktion des hochkarätigen PSG-Dreizacks mit Neymar, Kylian Mbappé und Angel Di Maria zu. Vor allem der zuletzt arg in die Kritik geratene Hummels zeigte eine hervorragende Partie. Hinten fehlerfrei setzte er mit seinen öffnenden Pässe immer wieder Akzente nach vorne. Unter anderem leitete er mit einem Pass aus dem Abwehrzentrum auf Reyna das 2:1 durch Haaland ein.

Zweikampfstark und mit klugen Pässen im Aufbau präsentierte sich auch Zagadou. Nur vor dem zwischenzeitlichen 1:1 durch Neymar sah der 20-jährige Franzose gar nicht gut aus. Als er versuchte, den entwischten Mbappé an der Strafraumgrenze zu stellen, rutschte er im dümmsten Moment aus.

Zagadous Ausrutscher vor dem 1:1 durch Neymar.Video: streamable

«Meine Mannschaft hat das defensiv und offensiv sehr gut gemacht», lobte Lucien Favre nach dem Spiel. «Paris hatte nur eine Torchance: das Tor. Und das war ein Fehler von uns. Wir haben kämpferisch und taktisch gut gespielt.»

Favre, der Taktiker

Wie schon beim 4:0 gegen Eintracht Frankfurt in der Bundesliga setzte Lucien Favre gegen PSG erneut auf ein flaches 3-4-3-System, das dank Cans Vielseitigkeit deutlich mehr Stabilität in die die Dortmunder Defensive bringt. Auch die ausgegebene Devise, im Kollektiv zu verteidigen und dann blitzschnell umzuschalten, fruchtete.

Favre griff mit Anweisungen an der Seitenlinie immer wieder ins Spiel ein.
Favre griff mit Anweisungen an der Seitenlinie immer wieder ins Spiel ein.Bild: AP

Trotz der «Furchtlos-Taktik» (Bild) wollte das Tor lange nicht fallen, immer wieder fehlten gegen einen über weite Strecken erstaunlich harmlosen Gegner die entscheidenden Zentimeter. Als der BVB nach der Pause dann noch aggressiver zu Werke ging und die Pariser bereits in der eigenen Platzhälfte mit aggressivem Gegenpressing anging, fiel der erlösende erste Treffer dann doch.

Trotz des PSG-Auswärtstors war Favre mit dem Resultat grundsätzlich glücklich. «Das 2:1 ist natürlich ein gefährliches Ergebnis. Aber wir haben erst einmal gewonnen und deshalb sind wir zufrieden. Wir müssen positiv bleiben. Sehr, sehr positiv. Im Rückspiel ist alles möglich und wir können auch in Paris etwas erreichen.»

Die Pressekonferenz mit Favre nach dem Spiel.Video: YouTube/Borussia Dortmund

Akanji, der Verlierer

Grosser Verlierer beim Dortmunder 2:1-Sieg war Manuel Akanji. Der Schweizer Abwehrspieler musste seinen Platz in der Dreierkette wie schon gegen Frankfurt Lukas Piszczek überlassen. Während sich Akanji in den letzten Wochen immer wieder ungewohnte Unkonzentriertheiten leistete, spielen seine Konkurrenten um den Stammplatz in der Dreierkette deutlich konstanter. In der Hierarchie der Verteidiger ist der formschwache Schweizer Nati-Verteidiger so hinter Hummels, Zagadou und Piszczek auf Rang 4 abgerutscht.

Die BVB-Abwehr jubelt ohne Akanji.
Die BVB-Abwehr jubelt ohne Akanji.Bild: EPA

Einen weiteren Denkzettel für Akanji gab es in der Schlussphase des PSG-Spiels. Als es darum ging, den 2:1-Vorsprung über die Zeit zu bringen, wechselte Favre für den zu offensiven Jadon Sancho nicht etwa den Schweizer, sondern den zuletzt lange verletzten Marcel Schmelzer ein. Die 32-jährige BVB-Legende sollte dank seiner Schnelligkeit wohl einen weiteren Durchbruch von Mbappé auf der Aussenbahn verhindern. Dass er diese Aufgabe aber nicht auch Akanji zutraute, zeugte nicht gerade von Favres unumstösslichen Vertrauen in seinen einstigen Liebling.

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