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Bayern's Thomas Mueller reacts during the German Super Cup soccer match between Borussia Dortmund and Bayern Munich in Dortmund, Germany, Saturday, Aug. 3, 2019. (AP Photo/Martin Meissner)

Thomas Müller gibt gegen Dortmund vollen Einsatz. Bild: AP

Ist die Hilfsaktion der Bundesliga-Topklubs über 20 Millionen Euro nur ein Bluff?



Die Corona-Zwangspause in der Bundesliga verlängert sich wie erwartet bis mindestens 30. April. Einen entsprechenden Vorschlag des DFL-Präsidiums haben am Dienstag die Bosse der 36 deutschen Profiklubs bei der ersten virtuellen Mitgliederversammlung der DFL einstimmig beschlossen.

Dass der Fussball weiter ruht, hat massive finanzielle Auswirkungen auf die Klubs. Keine Spieltage bedeuten keine Zuschauer bedeuten keine Einnahmen und so weiter. Profis verzichten auf Gehälter, viele Mitarbeiter gehen in Kurzarbeit.

Bei der DFL-Sitzung am Dienstag gab es daher auch eine Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen Lagen der Vereine. Dabei habe sich die Annahme bestätigt, dass «einige Klubs im Mai oder auch im Juni in eine existenzbedrohende Situation kommen könnten», sagte DFL-Chef Christian Seifert, ohne dabei Namen zu nennen.

epa08206241 Leipzig's Timo Werner (L) in action against Bayern Munich's Alphonso Davies (R) during the German Bundesliga soccer match between FC Bayern Munich and RB Leipzig in Munich, Germany, 09 February 2020.  EPA/RONALD WITTEK CONDITIONS - ATTENTION: The DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.

RB Leipzig und Bayern München sind in der Champions League dabei: Hier duellieren sich Timo Werner (l.) und Alphonso Davies. Bild: EPA

Doch Hilfe scheint in Sicht: Die vier deutschen Champions-League-Klubs Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und RB Leipzig erklärten in der vergangenen Woche, dass sie gemeinsam rund 20 Millionen Euro für bedürftige Erst- und Zweitligisten in der Corona-Krise bereit stellen wollen. Auf den ersten Blick eine solidarische Aktion.

Doch woher kommt dieses Geld eigentlich genau? Und sind die vier Königsklassen-Klubs wirklich so solidarisch, wie es scheint? Laut einem Bericht sind unter den Klubbossen Zweifel an dieser Summe aufgekommen. Es gebe innerhalb des deutschen Profifussballs einen Streit darüber, das berichtete der «Spiegel». Dabei beruft sich das Magazin auf eigene Informationen.

epa08298326 Christian Seifert, CEO of the DFL, attends a press conference after the general assembly of the German Football League (Deutschen Fu?üball Liga / DFL) in Frankfurt, Germany 16 March 2020. Representatives of Germany's 36 clubs from the Bundesliga and 2nd Bundesliga confirmed the decision to suspend all games up until and including 02 April over the COVID-19 coronavirus pandemic.  EPA/Arne Dedert / POOL

DFL-Chef Christian Seifert sagt, dass Solidarität im deutschen Profifußball «kein Lippenbekenntnis» sei. Hat er damit Unrecht? Bild: EPA

Um das alles zu verstehen, muss man erstmal ein bisschen ausholen und vier Jahre zurückspulen. Im Jahr 2016 hatte die DFL einen neuen TV-Vertrag ausgehandelt und damit mächtig Kasse gemacht: Die Einnahmen durch Fernsehgelder für die Erst- und Zweitligisten schnellten in die Höhe, von rund 2,5 Milliarden auf fast 4,7 Milliarden Euro für vier Jahre.

Knapp ein Prozent dieser Summe, 50 Millionen Euro, legte die DFL seinerzeit auf die hohe Kante, damit man zum Beispiel für eventuelle «ausserordentliche Situationen» gewappnet ist oder «strategische Projekte» finanzieren kann. Fünf Millionen dieser Rücklage hat die DFL bereits für strategische Projekte ausgegeben, zum Beispiel für die «Virtual Bundesliga».

Mit dem Wissen, dass da irgendwo noch 45 DFL-Millionen gebunkert sind, spulen wir wieder vorwärts in die Gegenwart: Mit der Corona-Krise ist nun eine ausserordentliche Situation eingetreten, für die dieses Geld aufgewendet werden könnte.

Die Auszahlung dieser Summe aus dem DFL-Rücklagentopf sei für die kommende Saison 2020/2021 geplant, hiess es bereits Mitte März, als das DFL-Präsidium zu einer ersten Corona-Beratung in Frankfurt zusammengekommen war. Die Summe würde über jene Spielzeit verteilt werden und könnte laut DFL «durch Beschluss des Präsidiums nach neuen Kriterien verteilt werden».

epa08298330 Few journalists attend a press conference hold by Christian Seifert (L), CEO of the DFL and Christian Pfennig (R), responsible for the global image of the Bundesliga and Bundesliga 2, after the general assembly of the German Football League (Deutschen Fu?üball Liga / DFL) in Frankfurt, Germany 16 March 2020. Representatives of Germany's 36 clubs from the Bundesliga and 2nd Bundesliga confirmed the decision to suspend all games up until and including 02 April over the COVID-19 coronavirus pandemic.  EPA/Arne Dedert / POOL

DFL-Pressekonferenz am 16. März in Frankfurt/Main mit den DFL-Christians Seifert (l.) und Pfennig. Bild: EPA

Bisher ist aber nur die Rede von den 20 Solidar-Millionen des Bundesliga-Spitzenquartetts, das in der lukrativen Champions League dabei ist. Die Verteilung, welche der übrigen 32 Erst- und Zweitligisten aus diesem Solidartopf wie viel erhalten, werde laut Statuten das DFL-Präsidium entscheiden, erklärte Seifert am Dienstag. Man habe darüber nur kurz gesprochen. Es werde erst «in einer der nächsten Sitzungen» darüber beraten.

Das könnte damit zu tun haben, dass bislang vollkommen unklar ist, wie sich diese 20 Millionen aus Dortmund, München, Leipzig und Leverkusen zusammensetzen. In einer Pressemitteilung schrieb die DFL vergangene Woche über diese Summe: «Die vier Champions-League-Teilnehmer der aktuellen Saison verzichten zunächst auf ihren Anteil an noch nicht verteilten nationalen Medienerlösen der DFL in der kommenden Spielzeit. Dieser Betrag, der bei Anwendung des derzeitigen Verteiler-Schlüssels rund 12.5 Millionen Euro ausmachen würde, wird seitens der vier Klubs noch einmal um rund 7.5 Millionen Euro aus eigenen Mitteln aufgestockt.»

So setzen sich also die 20 Millionen zusammen: 12.5 Millionen aus «noch nicht verteilten nationalen Medienerlösen» und 7.5 Millionen Euro «aus eigenen Mitteln» von Bayern, Dortmund, Leipzig und Leverkusen. Was genau aber diese «noch nicht verteilten nationalen Medienerlöse» sind, das steht nicht in der Mitteilung.

Dortmund's Jadon Sancho celebrates before his goal was cancelled during the German Bundesliga soccer match between Bayer Leverkusen and Borussia Dortmund in Leverkusen, Germany, Saturday, Feb. 8, 2020. Leverkusen defeated Dortmund with 4-3. (AP Photo/Martin Meissner)

Auch Dortmund und Leverkusen starteten in der aktuellen Saison in der Königsklasse: Sancho bejubelt einen Treffer gegen die «Werkself». Bild: AP

Nach aussen hin wurden die vier Spitzenklubs wegen ihres Rettungsschirms als solidarische Wohltäter hingestellt. Seifert betonte in der Mitteilung auch, dass diese Aktion unterstreiche, dass Solidarität im deutschen Profifussball «kein Lippenbekenntnis» sei.

Laut den «Spiegel»-Informationen gibt es darüber nun Unmut bei den Profiklubs. Denn die DFL hat bisher niemandem erklärt, woher die 12.5 Millionen Euro, der Grossteil der 20 Millionen, kommen. Einige Klubvertreter vermuten demnach, dass sie aus der 45-Millionen-Rücklage der DFL stammen und die vier deutschen Königsklassen-Klubs den bestehenden TV-Geld-Verteilerschlüssel angewendet hätten, um ihren Anteil daran zu ermitteln und sich diesen im Vorhinein auszahlen lassen haben.

Wir erinnern uns: Die Summe 45 Millionen Euro könnte «durch Beschluss des DFL-Präsidiums nach neuen Kriterien verteilt werden.» Wenn das stimmte, dann wären die 20-Solidar-Millionen eher ein grosser Bluff als Wohltätigkeit. Oder ein «Taschenspielertrick», wie der «Spiegel» titelt. (as)

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Die Bundesliga im Zeitraffer – wie sich die Liga seit 1991 verändert hat

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