Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Lugano's goalkeeper Noam Baumann during the Super League soccer match FC Lugano against Grasshopper Club Zuerich, at the Cornaredo stadium in Lugano, Saturday, August 11, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Noam Baumann hat in der neuen Saison bei Lugano noch keinen Treffer zugelassen. Bild: TI-PRESS

Andy Egli warf ihn bei Luzern raus – nun hält Noam Baumann bei Lugano den Kasten sauber

Obwohl beim FC Luzern ausgemustert, hat Noam Baumann seinen Profitraum weiter gelebt und wird jetzt beim FC Lugano dafür belohnt.

markus brütsch / ch media



Vor ein paar Wochen hat Noam Baumann nicht schlecht gestaunt. Ausgerechnet der FC Luzern hatte über einen Berater die Fühler nach ihm ausgestreckt. Exakt jener Verein also, der ihn vor ein paar Jahren aussortiert hatte, weil er beim jungen Torhüter kein Potenzial für die Super League sah.

Baumann muss heute über die Geschichte schmunzeln, und grundsätzlich findet er den FC Luzern noch immer einen geilen Verein. Für den FC Lugano aber, bei dem er einen bis 2022 gültigen Vertrag hat, kam ein Abgang seines Goalietalents nicht in Frage. Dessen Leistungsausweis ist ja auch eindrücklich genug. In 28 Super-League-Spielen liess er sich lediglich 27 Mal bezwingen und 13 Mal hielt er sein Tor rein. «Die Zahlen sind nicht schlecht, könnten aber besser sein», sagt Baumann. Er will damit nicht kokettieren, sondern hat einfach nur die eine oder andere Situation im Kopf, wo er sich noch cleverer hätte verhalten können.

«Ich kann über die türkischen Investoren beim FC Wil nichts Schlechtes sagen. Sie sorgten für total professionelle Bedingungen»

Noam Baumann

Aber grundsätzlich ist er natürlich zufrieden, wie sich seine Laufbahn entwickelt hat. «Gut hat es ja nicht immer ausgesehen», kommt der 23-Jährige auf seine bisher schwierigste Phase in seinem Fussballerleben zurück. Von seinem Vater war er einst beim FC Hünenberg dazu animiert worden, sich ins Tor zu stellen.

Obwohl er mit seinen Füssen durchaus einen feinen Umgang mit dem Ball hatte. Baumann wechselte in die Juniorenabteilung des FC Luzern, gehörte immer auch dem Kader der jeweiligen Schweizer U-Nati an und absolvierte die Sportler-KV-Lehre. Doch diese interessierte ihn höchstens am Rande, gab es für ihn doch nur ein Ziel: Profi werden.

*** ARCHIV *** Basel, 21.07.2012, Fussball Super League, FC Basel - FC Luzern, Andy Egli. (Marc Schumacher/EQ Images)

Einst war Andy Egli Noam Baumann beim FC Luzern raus. Nun darf er den Goalie bald in der Europa League beobachten. Bild: Marc Schumacher

So muss für ihn eine Welt eingestürzt sein, als ihm der damalige Luzerner Nachwuchschef Andy Egli eröffnete, keine Verwendung mehr für ihn zu haben. Doch Baumann liess sich nicht unterkriegen, glaubte an sich und sein Umfeld, hielt zu ihm und baute ihn auf. Der Wechsel zu Zug 94 brachte die Hoffnung zurück. Aber auch hier lief vorerst nicht alles nach Wunsch. Ja, Baumann, musste zwischenzeitlich sogar mit der zweiten Mannschaft in der vierten Liga Gras fressen, was im Ligasystem der achten Spielklasse entspricht.

«Ein Schwein, ein A...loch. Aber er sorgte dafür, dass ich an mich glaube.»

Noam Baumann über Goalietrainer Stephan Lehmann

Aber dann spielte er für Zug doch in der 1. Liga, und als das Angebot des FC Wil kam, griff Baumann zu. Es war die Zeit, als die türkischen Investoren aus dem Challenge-League-Verein einen Schweizer Spitzenklub formen wollten. «Ich kann über die Türken nichts Schlechtes sagen. Sie sorgten für total professionelle Bedingungen», sagt Baumann. Als ihre Pläne eines neuen Stadions nicht auf Gegenliebe stiessen und sie den FC Wil über Nacht verliessen, hatte das für Baumann indes auch ein Gutes. «Die Wiler mussten auf die Jungen setzen, und so bekam ich meine Chance», sagt Baumann.

Nicht ganz die Nummer von Balotelli

Hier lernte er den Goalietrainer Stephan Lehmann kennen. «Ein Schwein, ein A...loch», sagt er über den früheren Nationaltorhüter, der ihn verdammt hart rangenommen hatte. «Aber er sorgte dafür, dass ich an mich glaube. Er weiss, wie man Mentalität vermittelt.» Lehmann nennt Baumann ein «Riesentalent mit einer brutalen Explosivität.» Und einen verrückten Vogel.

Wie Mario Balotelli. Dessen Rückennummer 45 hätte Baumann gerne gehabt, als er zu Wil kam. Doch diese war besetzt, und er entschied sich für die 46. Das ist immerhin fast Balotellis Nummer, und weil 4+6 = 10 ist und er am 10. April Geburtstag hat, ist er mit der 46 nun auch ganz zufrieden. «Ich hoffe, dass eines Tages das eine oder andere Kind auch die 46 trägt», sagt Baumann. Es würde bedeuten, dass ihm die Jungen nacheifern und er ihr Vorbild ist.

Der Hüne aus Hünenberg fällt nicht nur durch seine Körpergrösse von 1,94 Metern auf. Ein guter Teil seines Körpers ist tätowiert. Die Familie und sein Glaube haben manches Motiv bestimmt. Er streckt den Arm aus und zeigt einen kleinen Jungen mit einem Ball unter dem Arm. «Das bin ich», sagt Baumann. Ein anderes Bild zeigt einen starken Mann, der eine Erdkugel in Form eines Balles in die Höhe stemmt. «Das ist mein Vater, der so viel für mich getan hat.»

In Lugano hat er David Da Costa als Stammkeeper abgelöst. Ein bisschen Mühe hat er zu Beginn mit der hier praktizierten italienischen Goalieschule, die so viel detailbezogener ist als jene, die er zuvor kennen lernte. Aber er hat sich in den anderthalb Jahren, die er nun hier ist, angepasst und spricht bereits gut Italienisch. Telefoniert er dagegen mit seiner Mutter, einer Dominikanerin, unterhält er sich in Spanisch. Er lebt in einer Wohnung nahe dem See und unweit des Stadions. Mit dem FC Lugano ist er ungeschlagen und ohne Gegentor. «Das soll am Sonntag auch in Bern gegen YB so bleiben. «Wir fahren hin, um zu gewinnen», sagt Baumann.

Und in einem Monat geht es los in der Gruppenphase der Europa League. «Obwohl wir in St. Gallen spielen müssen, freue ich mich extrem darauf», sagt der Zuger. Wer im Schweizer Fernsehen als Experte für diesen Wettbewerb engagiert ist, weiss Baumann nicht. Wir sagen es ihm: Andy Egli.

Die Super League im Zeitraffer – wie sich die Liga seit 1980 verändert hat

Mehr zur Super League

Oh Mäzen, mein Mäzen – wie der Schweizer Fussball ums finanzielle Überleben kämpft

Link zum Artikel

Was Spieler und Trainer beim Super-League-Start wirklich sagten

Link zum Artikel

Hands oder nicht? Jetzt bist du der Schiedsrichter!

Link zum Artikel

So sieht's beim Schweizer VAR aus (der nicht im Keller sitzt)

Link zum Artikel

Valon Behramis Erfolg beim FC Sion ist auch eine Frage des Egos

Link zum Artikel

Tragischer Held im Barrage-Drama – so hat Zverotic den verschossenen Penalty verdaut

Link zum Artikel

VARheit und Gerechtigkeit – über Sinn, Zweck und Grenzen des Videobeweises

Link zum Artikel

Kann Basel YB wieder gefährlich werden? Alle Transfers der Super League im Überblick

Link zum Artikel

«YB ist der klare Favorit» – Marcel Koller über Turbulenzen und eine neue Saison

Link zum Artikel

Aufsteiger Servette wollte mehr Deutschschweiz im Team und träumt jetzt bescheiden

Link zum Artikel

YB-Sportchef Spycher warnt: «In den letzten zwei Jahren haben wir überperformt»

Link zum Artikel

Das sind die Trikots der neuen Fussball-Saison 2019/20 – das von Sion schlägt sie alle

Link zum Artikel

Rassismus-Vorwürfe gegen einen FCSG-Spieler – was geschah im Testspiel gegen Bochum?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

8
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Erarehumanumest 04.08.2019 13:25
    Highlight Highlight Seine Tattoos sind schrecklich, aber sonst sympathischer Junge!
  • Kii 04.08.2019 12:53
    Highlight Highlight In aarau unter egli, sass auch gökhan inler immer auf der bank. Wechselte dann ablösefrei zum fcz. 2 Jahre später war er bei udinese 😆
    • Ted Mosby, Architect 04.08.2019 21:53
      Highlight Highlight O-Ton Egli zu Inler im FCA Training: „Du Göki, das wird nüd meh, hör lieber uf!“

      (wirklich so zugetragen!😏)
  • maxi 04.08.2019 11:58
    Highlight Highlight Bezli populistisch, der schreiberling vermittelt den Eindruck Luzern hätte einen riesen Bock geschossen. Fakt ist aber Omlin sowie Enzler hatten einfach mehr Potenzial. Kein Verein hält sich 3 Torhüter warm. Das Omlin and schnell geht und Enzler stagniert konnte man einfach nicht ahnen. Ich wünsche ihm alles gute👍🏼💪🏼
  • joerckel 04.08.2019 11:10
    Highlight Highlight na ja, der Egli ist ja auch nicht gerade das was man der Weisheit letzter Schluss nennt
    • Staedy 04.08.2019 11:55
      Highlight Highlight Nun da er selber kein Talent war, der liebe Andy, kann er wohl auch keines erkennen.
    • Jol Bear 04.08.2019 12:11
      Highlight Highlight @staedy: immerhin Teamleader als GC noch das Mass aller Dinge in CH war, Nati-Stammspieler und Bundesligaprofi...
    • Staedy 04.08.2019 14:06
      Highlight Highlight @Jol Bear: Absolut, als Spieler ein Vorbild an Einsatz, Wille, Entschlossenheit und sogar Leadership auf CH Niveau. In der Bundesliga war es überschaubar in zwei Saisons. Nur, und dahin zielt mein Kommentar, dies macht ihn nicht automatisch zu einem guten und/oder erfolgreichen Trainer, Manager, Talentspäher usw. Bei ihm habe ich heute noch den Eindruck, dass alle so sein müssen wie er es war und wer diesen Vorstellungen nicht entspricht, einfach durchfällt.

So übel hat's Basel-Trainer Koller bei seinem Mountainbike-Sturz erwischt

Der FC Basel steht nach einem 4:1-Sieg in Pully in der 2. Runde des Schweizer Cups. Trainer Marcel Koller fehlte im Waadtland – er war tags zuvor mit dem Mountainbike schwer gestürzt. Glasscherben hätten ihn bei einem Tempo von etwa 40 km/h zu Sturz gebracht, erläuterte Koller nun im «Blick». Diese hätten seinen Reifen beschädigt.

Der 58-Jährige brach sich am Freitagabend ein Schlüsselbein, eine Schulter wurde ausgekugelt, Bänder zerstört und an der linke Körperhälfte hat er Schürfwunden. …

Artikel lesen
Link zum Artikel