DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Eröffnungsfeier im neu eröffneten Al-Bayt-Stadion war optisch eine Augenweide.
Die Eröffnungsfeier im neu eröffneten Al-Bayt-Stadion war optisch eine Augenweide. bild: imago-images.de

In Katar läuft die WM-Hauptprobe – perfekte Organisation, aber kaum Zuschauer am Arab Cup

01.12.2021, 15:1001.12.2021, 17:07

Ein Jahr vor der ersten Winter-WM der Fussball-Geschichte läuft in Katar mit dem Arab Cup ein erster Testlauf für die WM 2022 ab. Weil der Confed Cup als WM-Hauptprobe zugunsten einer erweiterten Klub-Weltmeisterschaft abgeschafft wurde, musste ein anderes Turnier her. Den Arab Cup gibt es zwar schon seit 1963, zuletzt wurde er aber 2012 ausgetragen und erstmals wird er nun von der FIFA organisiert. Bei der diesjährigen Austragung messen sich 16 Teams aus dem gesamten arabischen Raum, gespielt wird in sechs der acht WM-Stadien.

Das Al-Bayt-Stadion von aussen ...
Das Al-Bayt-Stadion von aussen ...Bild: keystone
... und von innen.
... und von innen.Bild: keystone

Gestern gingen in Doha die Eröffnungsfeier und die ersten Spiele über die Bühne. Vor allem ersteres hatte es in sich: Das nigelnagelneue Al-Bayt-Stadion im Vorort Al-Khor, das von aussen einer Beduinenstadt gleicht und für rund 800 Millionen Euro aus dem Boden gestampft wurde, war mit rund 40'000 Zuschauern zu gut zwei Dritteln gefüllt.

Gut gefüllt: Das Al-Bayt-Stadion in Al-Khor vor dem Auftaktmatch von Gastgeber Katar gegen Bahrain.
Gut gefüllt: Das Al-Bayt-Stadion in Al-Khor vor dem Auftaktmatch von Gastgeber Katar gegen Bahrain.Bild: keystone

Diese bekamen an der Opening Ceremony eine gigantische Lichtershow, eine Musik- und Tanzgala sowie ein riesiges Feuerwerk zu Gesicht. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Gigantismus, der uns im nächsten Jahr an der WM erwarten wird.

FIFA-Präsident Gianni Infantino begrüsste die Gäste auf Arabisch: «Willkommen, meine Freunde», erklärte im Stadion. «Katar ist die Heimat der Einheit, es ist heute die Heimat der arabischen Welt und morgen die Heimat der ganzen Welt. Lasst uns eine Nation sein, eine Fussball-Familie. Lasst uns gemeinsam den Fussball feiern und die Welt vereinen.»

Die äusseren Bedingungen waren perfekt: 26 Grad betrug die Aussentemperatur bei 56 Prozent Luftfeuchtigkeit und klarem Himmel. So jedenfalls gab es die FIFA an. Vor Ort war auch der ehemalige Nati-Goalie Pascal Zuberbühler, der dort als Senior Football Expert für die FIFA arbeitet.

Fussballerisch war der offizielle Auftakt zum Arab Cup dann deutlich weniger spektakulär. Gastgeber Katar setzte sich gegen Nachbar Bahrain zur Freude des Publikums dank eines Treffers von Abdulaziz Hatem knapp mit 1:0 durch. Die Stimmung im Stadion war aber dennoch bestens.

Ganz anders am Nachmittag bei den ersten Spielen. Dort herrschte auf den Zuschauerrängen teils gähnende Leere. Für die Partie zwischen Tunesien und Mauretanien (5:1), die um 11 Uhr Ortszeit begann, verirrten sich nur ein paar wenige Neugierige ins etwas über 40'000 Zuschauer fassende Ahmad bin Ali Stadium. Auch am Nachmittag beim 1:1 zwischen dem Iran und dem Oman blieben fast alle Plätze frei.

Das verwundert kaum: Katar verfügt, anders als andere arabische Länder wie Ägypten oder Marokko, über keine nennenswerte Fussball-Kultur. Zwar gibt es seit 1962 eine nationale Liga, diese lockt trotz ausländischer Stars aber kaum Zuschauer in die Stadien. Die rund 300'000 Katari sympathisieren höchsten dezent für eines der zwölf Teams und die rund 2,5 Millionen meist aus asiatischen Entwicklungsländern stammenden Gastarbeiter haben keinerlei emotionale Bindung zu den Klubs oder einem der Arab-Cup-Teilnehmer.

Ein Blick ins Rund vor dem Arab-Cup-Gruppenspiel zwischen Ägypten und dem Libanon.
Ein Blick ins Rund vor dem Arab-Cup-Gruppenspiel zwischen Ägypten und dem Libanon.Bild: keystone

So überrascht es kaum, dass der Arab Cup auf den Strassen von Doha kaum sichtbar ist. Ein Journalist, der sich selbst ein Bild vor Ort gemacht hat, schildert es gegenüber der «Deutschen Welle» so: «Noch am Tag der Turnier-Eröffnung, an dem auch das Team der Gastgeber mit einer Partie gegen den Nachbarn Bahrain ins Geschehen eingriff, war von Fussballstimmung nichts zu spüren. Keine Fans etwa mit katarischen Trikots, Fahnen oder Schals waren auszumachen.»

Ein deutscher Manager, der in Doha für ein Firmen-Konsortium arbeitet, das Hotels, Restaurants und einen Vergnügungspark betreibt, erklärt die fehlende Euphorie so: Fussball sei in Katar eher ein «privates Vergnügen». «Die Leute schauen daheim, haben bestenfalls ihre Familie um sich.» Deshalb gibt es auch kaum Public Viewings oder Restaurants, welche die Spiele übertragen.

An der Meeres-Promenade von Doha tickt die Uhr – in einem Jahr steigt im Wüstenstaat die Fussball-WM.
An der Meeres-Promenade von Doha tickt die Uhr – in einem Jahr steigt im Wüstenstaat die Fussball-WM.Bild: keystone

Für die Stimmung werden im nächsten Jahr also vornehmlich die Gäste aus dem Ausland zuständig sein – sofern sie überhaupt kommen. In Sachen Menschenrechtslage geniesst Katar ja nicht den besten Ruf, immer wieder wird deshalb zum Boykott der WM 2022 aufgerufen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Alle Stadien der WM 2022 in Katar

1 / 18
Alle Stadien der WM 2022 in Katar
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Die Schweiz qualifiziert sich für die WM 2022 – und so feiern die Nati-Stars diesen Erfolg

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Wieso mich?» Ronaldo zofft sich nach Auswechslung mit Trainer Rangnick

Das grenzte schon fast an Majestätsbeleidigung – zumindest für Cristiano Ronaldo. Der 36-jährige Portugiese spielte beim 3:1-Sieg von Manchester United bei Brentford nach seinen muskulären Problemen zwar wieder von Beginn an, wurde von Trainer Ralf Rangnick in der 71. Minute aber für Harry Maguire ausgewechselt. Und das schmeckte dem fünffachen Weltfussballer gar nicht.

Zur Story