Mit einem Trainer, der beim FCZ enttäuschte: Kosovo träumt vom grossen Coup
Mit 4:0 setzte sich die Schweizer Nationalmannschaft zum Auftakt der laufenden WM-Qualifikation zu Hause gegen den Kosovo durch. Bereits nach einer Halbzeit erzielte die Nati vier Tore und die Gäste schienen heillos überfordert. Die Schweizer waren dermassen überlegen, dass sich Kapitän Granit Xhaka nach der Partie im Interview unglücklich über das Resultat zeigte: «Wenn wir so weiterspielen wie zu Beginn, machen wir das fünfte, sechste oder siebte Tor. Schade ist es am Ende nur ein 4:0.»
Zu diesem Zeitpunkt rechneten wohl die wenigsten damit, dass die Kosovaren der letzte Konkurrent der Nati um das WM-Ticket werden. Nach zwei sensationellen Siegen gegen Schweden und einem Unentschieden zu Hause gegen Slowenien liegt der Kosovo zwei Runden vor Schluss drei Punkte hinter der Schweiz. Noch nie nahm die Nationalmannschaft, welche 2016 offiziell von der FIFA als Mitglied aufgenommen wurde, an einem Grossturnier teil.
Playoffs fast auf sicher
Nun sind zumindest die Playoffs zum Greifen nah, mit einem Punktgewinn in Slowenien kann die Weltnummer 91 der FIFA-Weltrangliste nicht mehr vom zweiten Platz verdrängt werden. Sollte die Schweiz gegen Schlusslicht Schweden patzen und die Kosovaren gleichzeitig mehr Punkte sammeln, kann sogar von der direkten WM-Qualifikation geträumt werden. Da die Schweiz das deutlich bessere Torverhältnis hat, bräuchten die Kosovaren im letzten Spiel gegen die Nati einen Kantersieg, wenn der Rückstand vor dieser Partie bei drei Punkten liegt.
Einen grossen Anteil am Erfolg hat auch Nationaltrainer Franco Foda. Der Deutsche übernahm im Februar 2024 das Traineramt und feierte im März den ersten Erfolg, als er den Kosovo in der Nations League in Liga B führte. Nach 17 Spielen mit Foda an der Seitenlinie hat die kosovarische Nationalmannschaft einen starken Schnitt von zwei Punkten pro Partie.
Enttäuschung beim FCZ
Vor etwas mehr als drei Jahren war der 59-Jährige für kurze Zeit Trainer beim FC Zürich. Als Nachfolger von Meistertrainer André Breitenreiter konnte Foda die Erwartungen aber überhaupt nicht erfüllen. Nach acht Spieltagen ohne Sieg in der Meisterschaft, dem Verpassen der Champions League und dem frühen Ausscheiden im Schweizer Cup wurde Foda zwei Monate nach seinem ersten Pflichtspiel für die Zürcher wieder entlassen.
Dass es Foda, welcher als Spieler auch für kurze Zeit beim FC Basel aktiv war, besonders als Nationaltrainer drauf hat, zeigte er bereits in Österreich. Mit dem ÖFB-Team erreichte Foda an der EM 2021 die K.-o.-Phase und scheiterte im Achtelfinal nur knapp am späteren Europameister Italien.
Nach dem zweiten Sieg gegen Schweden innerhalb eines Monats sagte ein glücklicher Foda: «Ich bin sehr stolz auf diese Mannschaft, auf diese Spieler, auf ihre Spielweise und ihren Kampfgeist, der es uns ermöglicht hat, die drei Punkte mit nach Pristina zu nehmen.»
Schweizer staunen
Auch in der Schweiz zeigt man sich erstaunt über die Leistungen der Kosovaren. «Es ist bemerkenswert, was Kosovo leistet», sagte Nationaltrainer Murat Yakin, stellte aber auch klar: «Aber wir haben vor niemandem Angst. Und wenn es im letzten Spiel zur Entscheidung kommen muss, dann werden wir auch diese Aufgabe annehmen.»
Mit einem grossen Selbstvertrauen blickt auch Granit Xhaka auf die entscheidenden Spiele im November: «Es muss sehr, sehr viel passieren, damit es zu einem Endspiel im Kosovo kommt. Wir wissen, was im November auf uns zukommt. Wir wollen zu Hause vor den eigenen Fans den Sack zu machen. Wir haben sehr viel Qualität in der Mannschaft und können uns nur selber schlagen.»
Seit der katastrophalen ersten Halbzeit gegen die Schweiz hat der Kosovo in der Verteidigung überzeugt und hat in den letzten 315 Minuten kein Gegentor kassiert. Trotzdem hat die Schweiz aktuell das um zehn Tore bessere Torverhältnis, welches vielleicht im Kampf um das WM-Ticket noch entscheidend sein kann.
