Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Verpasste Top-Transfers der Bundesliga

Verpatzte Top-Transfers

So hat die Bundesliga Superstars verschlafen: Warum Ronaldinho, Ronaldo, Bale und Kaka nicht nach Deutschland wechselten

Zu jung, zu unauffällig oder zu teuer: Immer wieder haben die Bundesliga-Klubs herausragende Talente verschlafen. Einige Spieler konnten im Probetraining nicht überzeugen – und sind heute Weltstars. 

Ronny Zimmermann / Spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Gareth Bale im Trikot des Hamburger SV? Das mag unrealistisch klingen, wäre aber fast passiert. Im Sommer 2008 fing Martin Jol als neuer Trainer beim HSV an. Der Niederländer war zuvor bei Tottenham Hotspur tätig und hatte bei den Londonern den damals noch unbekannten Bale trainiert.

«Ich habe sein Potenzial schon damals erkannt, das haben andere Leute in seiner frühen Karriere nicht. Deshalb boten die ‹Spurs› mir Bale an, als ich nach Hamburg gegangen bin», sagte Jol dem englischen Radiosender Talksport. Doch der Wechsel kam nicht zustande: Bale war zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt und hätte etwa sieben Millionen Euro Ablöse gekostet – das war dem HSV zu viel Risiko.

Sie verpflichteten stattdessen Thiago Neves (neun Millionen Euro) und Alex Silva (sechs Millionen) aus Brasilien. Beide Spieler enttäuschten. Bale hingegen entwickelte sich zum Superstar: Er wechselte im Sommer 2013 für 91 Millionen Euro zu Real Madrid, wo er in der gleichen Saison die Champions League gewann. Blöd gelaufen für den HSV. 

Der Bundesligist ist jedoch nicht der einzige Verein, der schon ein grosses Talent abgelehnt hat. Auch andere Klubs schätzten das Potenzial von Spielern falsch ein. Werder Bremen lud Petr Cech ins Probetraining ein, sagte dem Torwart jedoch später ab. Der VfB Stuttgart flog für Ronaldo sogar nach Brasilien, entschied sich anschliessend aber für einen anderen Stürmer. Immerhin handelte es sich dabei Giovane Elber. 

Gareth Bale und der HSV

Martin Jol war im Sommer 2008 als neuer Trainer zum HSV gekommen, da hätte er fast einen spektakulären Spieler von Tottenham Hotspur mitgebracht: Gareth Bale wurde den Hamburgern angeboten. Die Ablöse von rund sieben Millionen Euro schien jedoch zu hoch, schliesslich hatte Bale zuvor nur acht Ligaspiele für die Londoner bestritten. Blöd für den HSV: Bale legte eine rasante Entwicklung hin und wechselte 2013 für mehr als 90 Millionen Euro zu Real Madrid.

Ronaldinho und Borussia Dortmund

Unfassbar, aber wahr: Fast wäre Ronaldo de Assis Moreira, Ronaldinho genannt, in Dortmund gelandet. Im Jahr 2001 zeigte der BVB Interesse. Jedoch war es der Brasilianer selbst, der sich den Schritt nicht zutraute. «Der Sprung nach Dortmund wäre mir etwas zu gross gewesen», sagte er später. Er wechselte zu Paris St-Germain, wurde 2002 Weltmeister und ging 2003 für eine Ablöse von 32 Millionen Euro zum FC Barcelona. Ronaldinho gilt als einer der besten Spieler aller Zeiten.

Ronaldo und der VfB Stuttgart

«Stuttgart war der erste Klub weltweit, der sich für mich interessiert hat», hat Ronaldo einmal gesagt. Er spielte damit auf einen Besuch von Ralf Rangnick an. Der damalige A-Jugend-Trainer des VfB flog im Frühjahr 1994 nach Brasilien, um den 17 Jahre alten Stürmer zu beobachten. Ronaldo überzeugte, die Ablösesumme von fünf Millionen Dollar war den Stuttgartern jedoch zu hoch. Er wechselte zum PSV Eindhoven und wurde später in Italien und Spanien zum Superstar. War er als Teenager bei der WM 1994 noch ohne Einsatz geblieben, so wurde Ronaldo als Torschützenkönig 2002 erneut Weltmeister mit Brasilien. Im selben Jahr wurde der Stürmer als Weltfussballer geehrt – zum dritten Mal in seiner Karriere.

Kaka und Bayer Leverkusen

Michael Ballack war gerade zum FC Bayern gewechselt, da suchte Leverkusen einen neuen Spieler für das Mittelfeld. Einer der Kandidaten: der Brasilianer Kaká. Er stand 2002 kurz vor einem Wechsel zu Bayer. Dann spielte er bei der WM gross auf, wurde Weltmeister, und sein Marktwert stieg. Das Angebot von Bayer wurde abgelehnt. Ein Jahr später griff der AC Mailand zu, 2007 wurde Kaká zum Weltfussballer gekürt.

Michael Essien und Wolfsburg

Im Jahr 2002 stellte sich ein 19-jähriger Ghanaer in Wolfsburg zum Probetraining vor. Er hiess Michael Essien und kam vom SC Bastia aus Frankreich. Doch der zu dieser Zeit noch unbekannte Mittelfeldspieler war den Verantwortlichen beim VfL zu teuer und kehrte in die Ligue 1 zurück. Dort entwickelte er sich prächtig. Ein Jahr später zahlte Olympique Lyon zwölf Millionen Euro Ablöse für ihn, der FC Chelsea gab 2005 38 Millionen für Essien aus.

Petr Cech und Werder Bremen

Der Torwart absolvierte 2001 ein Probetraining bei Werder Bremen. Allerdings konnte er nicht vollends überzeugen. Werder lehnte es ab, den 18-Jährigen für etwa 600'000 Euro zu verpflichten. Cech schaffte drei Jahre später den Sprung zu einem Top-Klub und unterschrieb beim FC Chelsea. Er wurde 2005 als «Welttorhüter des Jahres» geehrt und gewann 2012 die Champions League mit den «Blues».

Andrej Schewtschenko und der 1.FC Köln

Ein Spielerberater soll den Ukrainer 1995 für etwa 150'000 Mark angeboten haben. Schewtschenko war damals 18 Jahre alt und spielte bei Dynamo Kiew. Peter Neururer trainierte zu dieser Zeit den FC und sagte einst in einem Interview mit dem «Kölner Stadt-Anzeiger»: «Ich hatte in Kiew mit Trainer-Legende Walerij Lobanowskyj schon alles verhandelt und in Köln angerufen: Er kommt für ein Gehalt, das null und nichtig ist. Rühl [Manager, d. Red.] sagte nur: Nein, du mit deinen Exoten.» Später gewann Schewtschenko mit dem AC Mailand die Champions League (2003), er erzielte in der «Königsklasse» 48 Tore in 100 Einsätzen.

Medhi Benatia und der SC Freiburg

Da haben sich die Freiburger gründlich verschätzt. Als sich Ömer Toprak 2009 bei einem Kart-Unfall schwer verletzte, rückte Medhi Benatia in den Fokus des SC. Der damals 21-Jährige absolvierte ein Probetraining in Freiburg, konnte aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der damalige Manager Dirk Dufner schickte ihn wieder weg, Benatia wechselte ein Jahr später in die italienische Serie A. Im Sommer 2014 verpflichtete ihn der FC Bayern für 26 Millionen Euro vom AS Rom.

Stefan Effenberg und Werder Bremen

Die Bremer und Stefan Effenberg –  im Sommer 1994 kamen sich beide Seiten ganz nahe. «Wir waren mit Florenz einig, mit Effenberg auch. Der Coup war im Grunde perfekt, es stand auch schon in vielen Zeitungen», sagte später Willi Lemke, damals Werder-Manager. Doch Bundesliga-Konkurrent Borussia Mönchengladbach grätschte in letzter Sekunde dazwischen und holte «Effe» zu den «Fohlen». Seine erfolgreichste Zeit hatte er später beim FC Bayern, mit dem er 2001 die Champions League gewann.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Zum Tod von Diego Maradona: Wie die «Hand Gottes» zur Legende wurde

Diego Armando Maradona stirbt im Alter von 60 Jahren. Kein anderer Spieler hat je eine WM so dominiert wie Diego Maradona 1986. Die beiden Treffer gegen England haben ihn nicht nur in Argentinien zum Fussballgott gemacht.

Diego Maradonas Augen waren noch glasig, sagen diejenigen, die ihn an diesem 22. Juni 1986 in der Kabine haben sitzen sehen. Sein Lächeln sei steinern gewesen. Er war sich bewusst, dass er mit seinem Tor zum 2:0 gegen England einen Akt sublimer Kunst vollbracht hatte. Sublime Kunst bedeutet, etwas Grosses, Überwältigendes, das nur mit dem Gespür für das Aussergewöhnliche überhaupt verstanden und nicht wiederholt werden kann.

Das war sein sublimes Kunststück: Er startete in der eigenen …

Artikel lesen
Link zum Artikel