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FIFA President Gianni Infantino gestures after a meeting of the FIFA Council at the FIFA headquarters in Zurich, Switzerland October 14, 2016.  REUTERS/Arnd Wiegmann

Gianni Infantino: «Wir müssen es analysieren und sehen: Was können wir besser machen?» Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Vor-Qualifikation für Kosovo, San Marino und Co.? FIFA-Chef Infantino hält Hintertür offen

Thomas Müller bringt mit seiner abschätzigen Bemerkung zu Länderspielen gegen kleine Nationen wie San Marino einen Stein ins Rollen. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge springt dankend ins Fahrwasser und fordert eine Vor-Qualifikation. Jetzt äussert sich auch FIFA-Chef Gianni Infantino und sagt … eigentlich nichts.



Deutschlands Nationalstürmer Thomas Müller musste in den letzten Tagen einen Shitstorm über sich ergehen lassen. Er hatte Spiele gegen Mini-Staaten wie San Marino kritisiert. 

Doch Müller erhielt auch Rückendeckung. Von vielen Beobachtern und Fans, die seine offene, ehrliche, direkte und im Fussball immer mehr verschwindende Art schätzen. Oder von Karl-Heinz Rummenigge. Der Bayern-Vorstandsvorsitzende sagte zur «Sportbild»: «Jetzt spielen wir gegen San Marino, Gibraltar, Kosovo. Da frage ich mich: Wieso gibt es für solche kleinen Länder keine Qualifikation?»

epa05527065 Germany's Karl-Heinz Rummenigge, chairman of the European Club Association (ECA), arrives for a press conference after the plenary general assembly of the ECA, in Geneva, Switzerland, 06 September 2016.  EPA/SALVATORE DI NOLFI

Karl-Heinz Rummenigge will die kleinen Teams auch aus der Champions League verbannen. Bild: EPA/KEYSTONE

Irgendwie wenig verwunderlich. Denn Rummenigge kämpft auch in der Champions League für einfachere Qualifikationshürden der grossen Klubs. Warum Topteams wie Deutschland weiterhin gegen Mini-Staaten antreten müssen? «Weil sie eine Stimme in der FIFA und der UEFA haben, die genauso schwer wiegt wie die deutsche. Es geht immer weniger um Sport, sondern immer mehr um Politik und Finanzen.» Irgendwie wie in der Champions League.

Zur Kritik und zum Wunsch nach einer Vor-Qualifikation für ganz kleine Nationen musste auch FIFA-Präsident Gianni Infantino Stellung nehmen. Er nimmt den offenen Brief San Marinos gegenüber der «Sportbild» gelassen: «Das ist doch Teil des Fussballs. Da kann man auch ein bisschen sarkastisch sein und sticheln, das ist kein Problem.» Er finde es schön, dass jeder eine Meinung habe. Am Ende müsse man einfach den besten Entscheid treffen.

FIFA President Gianni Infantino gestures during an interview with Reuters at the FIFA headquarters in Zurich, Switzerland November 2, 2016. Picture taken on November 2, 2016.   REUTERS/Arnd Wiegmann

Gianni Infantino: Er stellt sich nicht bedinungslos hinter die Mini-Staaten. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Infantino redet um den heissen Brei

Wie dieser aussieht, das lässt sich Infantino nicht entlocken. Aber der mächtigste Mann im Weltfussball stellt sich nicht bedingungslos hinter die Mini-Staaten: «Die Magie des Fussballs ist auch, dass Kleine und ganz Kleine gegen ganz Grosse spielen können. Das kommt ja auch nicht so oft vor. Ich sehe das nicht überdramatisch … Es ist nicht einfach, das richtige Gleichgewicht zwischen Klubs und Verbänden reinzubringen. Es ist nicht ideal. Alle sind irgendwo nicht ganz glücklich. Aber das heisst auch, dass es gar nicht so schlecht ist. Dennoch müssen wir es analysieren, sehen: Was können wir besser machen?»

Thomas Müller wehrt sich

Thomas Müller weist nach dem 0:0 gegen Italien via Facebook den Vorwurf der Überheblichkeit von sich: «Ich habe die Aussage in einem ruhigen Ton getroffen. Es wurde auch nur eine Überschrift verfasst mit einem Wortfetzen aus der ganzen Geschichte. Wer das Interview live sieht, sieht, dass ich beide Seiten beleuchtet habe, dass ich auch Verständnis hatte für die San-Marinesen.»

Seine Aussage habe sich auf die «Fragestellung vom sportlichen Wert des Spiels in San Marino im Verhältnis zur Verletzungsgefahr. Dies wurde in manchen Medien aus dem Zusammenhang gerissen.» Immerhin hält er fest: «Ich werde auch in Zukunft meine Meinung ehrlich äussern. Auch bei schwierigen Themen.»

In anderen Worten: Infantino lässt sich nicht auf die Äste hinaus und somit alle Optionen offen. Dass eine Vor-Qualifikation dereinst tatsächlich eingeführt wird, ist nicht ganz abwegig. Die UEFA startet in der Saison 2018/19 bekanntlich die Nations League. Dort werden alle 55 europäischen Teams in vier Stärkeklassen verteilt. 

In der schwächsten Gruppe D wären gemäss Weltrangliste zur Zeit die 16 Teams aus Litauen, Finnland, Lettland, Estland, Georgien, Armenien, Luxemburg, Zypern, Mazedonien, Kosovo, Moldawien, Malta, Liechtenstein, San Marino, Andorra und Gibraltar hier eingeteilt. Pikant dabei: Der Sieger dieser Stärkeklasse soll an der EM 2020 einen Startplatz erhalten. (fox)

Bist du für eine Vor-Qualifikation für Mini-Staaten?

Vielleicht auch eine Lösung, damit die Kleinen nicht sofort enttarnt werden: Maskenmänner im Fussball

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