Sport
WM-Qualifikation

Bosnien schockt Italien – so tickt der Schweizer Gegner an der WM 2026

Fans react after a penalty shootout at the end of the World Cup qualifying playoff final soccer match between Bosnia and Italy in Zenica, Bosnia, Tuesday, March 31, 2026. (AP Photo/Armin Durgut)
Serge ...
Die bosnischen Fans nach der geglückten WM-Qualifikation.Bild: keystone

Grosse Freude nach dem Triumph über Italien – so tickt WM-Gegner Bosnien

Nicht Italien, sondern Bosnien-Herzegowina ist der vierte Gegner der Schweizer Nati an der WM. Das willst du über die Mannschaft wissen.
01.04.2026, 13:4001.04.2026, 13:40

Die Sensation ist perfekt: Bosnien und Herzegowina schlägt Italien nach Penaltyschiessen und fährt anstelle des vierfachen Weltmeisters an die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Dort trifft das Team aus dem Balkan unter anderem auf die Schweizer Nationalmannschaft. Am 18. Juni um 21 Uhr (Schweizer Zeit) bestreitet das Team von Murat Yakin das zweite Gruppenspiel gegen Bosnien.

Doch wie tickt diese Mannschaft? Wie haben die Bosnier die WM-Qualifikation gefeiert und wie sieht die Schweizer Bilanz gegen diesen Gegner aus? Wir sagen es dir.

Die Feierlichkeiten

Die WM-Qualifikation löste im Balkanstaat natürlich eine grosse Party aus. Schon vor dem Spiel sorgten die Fans von Bosnien und Herzegowina für Gänsehautstimmung. Während die Teams in Zenica den Platz betraten, zündeten die Anhänger im Hochhaus hinter dem Stadion ein Feuerwerk.

Als Esmir Bajraktarevic im Penaltyschiessen dann den vierten und entscheidenden Elfmeter versenkte, gab es für die Mannschaft und die Fans im Stadion und im ganzen Land kein Halten mehr.

Die Spieler in Feierlaune crashten nach der Partie die Pressekonferenz von Trainer Sergej Barbarez.

Derweil wurde in den Strassen von Sarajevo und anderen bosnischen Städten die Qualifikation mit Hupkonzerten und Pyros gefeiert.

Der Weg an die WM

Mitte November 2024 ist das bosnische Nationalteam für das Rückspiel in der Nations-League-Gruppenphase zu Gast in Deutschland, genauer gesagt in Freiburg. Die Bosnier liegen zu diesem Zeitpunkt abgeschlagen auf dem letzten Platz ihrer Gruppe und sind stark abstiegsgefährdet. Um die Spieler auf andere Gedanken zu bringen, macht Trainer Sergej Barbarez mit seiner Mannschaft einen Ausflug in den Europa-Park, statt noch mehr zu trainieren.

Hat die Ablenkung funktioniert? Nun ja, das Spiel in Freiburg gegen Deutschland verliert Bosnien mit 0:7, der Abstieg aus der höchsten Nations-League-Klasse ist somit besiegelt. Doch irgendwie scheint das Erlebnis die Mannschaft trotzdem zusammengeschweisst zu haben.

Ein paar Monate später gewinnt Bosnien das schwierige Auftaktspiel in der WM-Qualifikation auswärts in Rumänien mit 1:0. Es folgen teils knappe Siege gegen Zypern und San Marino, ehe es im September 2025 zuhause gegen Österreich die erste Niederlage der Kampagne absetzt. Am Ende muss Bosnien der ÖFB-Auswahl den ersten Platz in der Gruppe und damit die direkte WM-Qualifikation überlassen. Aber das Team von Sergej Barbarez schafft es, Rumänien auf Distanz zu halten und sich dank Platz 2 für die WM-Playoffs zu qualifizieren.

Und dort beweisen die Bosnier ihre Nervenstärke. Im Halbfinal gegen Wales geraten sie nach der Pause in Rückstand, doch kurz vor Schluss kann Altmeister Edin Dzeko ausgleichen. Im Penaltyschiessen bleiben vier der fünf Bosnier eiskalt und machen das alles entscheidende Duell mit Italien klar.

Dort sieht es ebenfalls lange nicht gut aus. Nach einem katastrophalen Fehlpass von Goalie Nikola Vasilj bringt Moise Kean Italien nach nur 16 Minuten in Führung. Doch in der 41. Minute kehrt die Hoffnung zurück: Italien-Verteidiger Alessandro Bastoni fliegt nach einer Notbremse vom Platz und fortan dominiert Bosnien das Geschehen.

Der Ansturm trägt in der 79. Minute Früchte, als der in Grenchen geborene Haris Tabakovic den Ausgleich erzielt. Nach einer torlosen Verlängerung kommt es wiederum zum Penaltyschiessen. Während alle vier anlaufenden Bosnier treffen, flattern bei den Italienern die Nerven. Francesco Esposito und Bryan Cristante verschiessen. Italien vermasselt es einmal mehr, Bosnien und Herzegowina fährt an die WM.

Die Stars

Edin Dzeko

Die besten Jahre von Edin Dzeko sind natürlich vorbei. Der 40-Jährige spielt mittlerweile nur noch in der 2. Bundesliga beim FC Schalke 04. Sein Marktwert ist auf 1,5 Millionen Euro gesunken. Aber für sein Land ist der einstige Starstürmer von Manchester City und der AS Roma immer noch ein sicherer Wert. In der WM-Qualifikation schoss er in sieben Einsätzen sechs Tore und in den Playoffs erzielte er den wichtigen Ausgleich im Halbfinal gegen Wales. Dzeko ist Captain, Rekordspieler (148 Partien) und Rekordtorschütze (73 Treffer).

Bosnia's Edin Dzeko, left, greets Italy's Bryan Cristante after a penalty shootout during the World Cup qualifying playoff final soccer match between Bosnia and Italy in Zenica, Bosnia, Tues ...
Edin Dzeko mit angeschlagener Schulter nach der WM-Qualifikation.Bild: keystone

Ermedin Demirovic

Kein anderer Spieler im bosnischen Kader hat einen höheren Marktwert. Demirovic – in Hamburg geboren – hat sich in der Bundesliga zu einem Topstürmer entwickelt. Nach einem Leihjahr beim FC St.Gallen kam der heute 28-Jährige über Freiburg und Augsburg nach Stuttgart. Dort hat er mit 29 Toren in 78 Spielen massgeblich zum aktuellen Höhenflug der Schwaben beigetragen. Im Nationaltrikot ist Demirovic noch nicht ganz so erfolgreich, in 38 Spielen hat er erst vier Tore erzielt und im Penaltyschiessen gegen Wales als einziger Bosnier verschossen.

Bosnia and Herzegovina's Ermedin Demirovic reacts after a missed opportunity during the World Cup playoff semifinal soccer match between Wales and Bosnia and Herzegovina in Cardiff, Wales, Thursd ...
Zeigt im Bosnien-Trikot nicht nur glückliche Auftritte: Ermedin Demirovic.Bild: keystone

Amar Dedic

In der Schweiz ist der Rechtsverteidiger wohl weniger bekannt. In Österreich geboren, wechselte der 23-Jährige im vergangenen Sommer zu Benfica Lissabon. Dort hat sich Dedic bereits als Stammkraft etabliert, kam sowohl in der Champions League als auch in der heimischen Liga regelmässig zum Einsatz. Die rechte Seite ist seine Stammposition, er kann aber auch links eingesetzt werden. Dedic gilt als Verteidiger mit Offensivdrang, der die Aussenbahnen mit viel Aufwand beackert.

Bosnia's Amar Dedic and Bosnia's coach Sergej Barbarez, right, celebrate after winning a penalty shootout during the World Cup qualifying playoff final soccer match between Bosnia and Italy  ...
Amar Dedic wird von Trainer Sergej Barbarez geherzt.Bild: keystone

Haris Tabakovic

Der Stürmer von Borussia Mönchengladbach lief bis zur U21 (15 Spiele, 6 Tore) noch für die Schweizer Nationalmannschaft auf – er kam in Grenchen zur Welt. Doch da Murat Yakin in der A-Nationalmannschaft nicht mit ihm plante, entschied er sich für den Nationenwechsel zu Bosnien. Nun kommt es an der WM also zum Direktduell mit seiner ursprünglichen Heimat.

epa12863018 Haris Tabakovic of Bosnia and Herzegovina celebrates after scoring in the penalty shoot-out during the FIFA World Cup 2026 European playoff match between Bosnia and Herzegovina and Italy i ...
Haris Tabakovic traf gestern im Penaltyschiessen.Bild: keystone

Der YB-Junior ist mittlerweile in der Bundesliga gelandet. Über Hertha Berlin und Hoffenheim ist Tabakovic nun bei Gladbach angekommen, wo er Stammspieler ist. Für Bosnien kam der 31-Jährige bislang zu zehn Einsätzen und schoss dabei vier Tore.

Nikola Vasilj

Der bosnische Torhüter dürfte Fans der deutschen Bundesliga ebenfalls ein Begriff sein: Nikola Vasilj ist Stammtorhüter beim 1. FC St.Pauli. Mit dem 30-Jährigen zwischen den Pfosten stiegen die Hamburger in die 1. Bundesliga auf und kämpfen dort seither gegen den Wiederabstieg. Seit Sergej Barbarez Bosnien übernommen hat, ist Vasilj auch im Nationalteam die Nummer 1.

epa12863033 Goalkeeper Nikola Vasilj of Bosnia and Herzegovina celebrates after the team won the penalty shoout-out in the FIFA World Cup 2026 European playoff match between Bosnia and Herzegovina and ...
Nikola Vasilj lässt sich feiern.Bild: keystone

Der Trainer

Als Spieler war Sergej Barbarez wie viele seiner jetzigen Spieler in Deutschland tätig: Hannover, Union Berlin, Hansa Rostock, Dortmund, Hamburger SV und Leverkusen. Der Job als Nationalcoach von Bosnien ist indes seine erste Station als Trainer. Zuvor war er während anderthalb Jahre Aufsichtsrat beim HSV. Zwischen dem Aus in Hamburg und dem Amtsantritt in Bosnien lagen allerdings 14 Jahre.

Bosnia's coach Sergej Barbarez is chaired aloft as he celebrates after winning a penalty shootout during the World Cup qualifying playoff final soccer match between Bosnia and Italy in Zenica, Bo ...
Sergej Barbarez: vom Pokerprofi zum Nationaltrainer. Bild: keystone

Was machte Barbarez in dieser Zeit? Poker spielen. Und das offenbar ziemlich erfolgreich. Wie die englische «Sun» berichtet, soll der Bosnier bei Profiturnieren insgesamt drei Mal mehr als umgerechnet 20'000 Franken abgestaubt haben. Bei seinem letzten Auftritt als Profi im Mai 2022 gewann er immerhin noch fast 3000 Franken.

Seit dem 19. April 2024 ist der 54-jährige Chef an Bosniens Seitenlinie. Nach einem schwierigen Start – Abstieg in der Nations League und sechs Niederlagen und zwei Unentschieden aus den ersten acht Spielen – und einer leichten Systemanpassung (Vierer- statt Dreierkette) hat er Bosnien aber zurück auf die Erfolgsspur geführt.

Die bisherigen Duelle mit der Schweiz

Die Schweiz und Bosnien-Herzegowina haben bislang erst einmal gegeneinander gespielt. Am 29. März 2016 verlor die Nati im Zürcher Letzigrund in der Vorbereitung auf die Europameisterschaft mit 0:2. Die Tore schossen für Bosnien damals Edin Dzeko und Miralem Pjanic.

Schweiz vs. Bosnien am 29. März 2016: Die Aufstellung der Nati.
grafik: screenshot transfermarkt.ch

Die WM-Geschichte

Bosnien-Herzegowina ist ein junges Land und dementsprechend auch eine Nationalmannschaft mit einer kurzen Geschichte. Der Verband entstand 1992 nach der Abspaltung von Jugoslawien. Das erste Länderspiel fand im November 1995 statt – ein 2:0-Sieg gegen Albanien.

Argentina v Bosnia-Herzegovina: Group F - 2014 FIFA World Cup, WM, Weltmeisterschaft, Fussball Brazil RIO DE JANEIRO, BRAZIL - JUNE 15: Dzeko 11 of Bosnia and Herzegovina fights off Fernandez 17 of Ar ...
Edin Dzeko (rechts) an der WM 2014 im Einsatz gegen Lionel Messi.Bild: IMAGO/Anadolu Agency

An einer WM hat Bosnien und Herzegowina erst einmal teilgenommen. 2014 trafen die Bosnier in Gruppe F auf Argentinien, Nigeria und den Iran. Zum Auftakt verloren sie knapp mit 1:2 gegen Argentinien, dann folgte eine verhängnisvolle Niederlage gegen Nigeria. Am Ende nützte auch der 3:1-Sieg gegen den Iran nichts mehr. Bosnien schloss die Gruppe auf Rang 3 ab und verpasste das Weiterkommen um einen Punkt. Dieses Jahr wollen die Bosnier nun erstmals in die K.-o.-Phase einziehen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese Nationen sind für die WM 2026 qualifiziert
1 / 51
Diese Nationen sind für die WM 2026 qualifiziert

Gewinnt Deutschland zum 5. Mal den WM-Pokal? Es ist an der WM 2026 dabei – mit diesen 47 anderen Nationen.

quelle: keystone / matthias schrader
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Amateurfussballer schiessen aus Versehen Möwe aus der Luft – und beleben sie dann wieder
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
2 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
2
Ein Spiel, das keinen Sieger verdient – Norwegen und die Schweiz trennen sich torlos
Auf das Spektakel-Spiel gegen Deutschland folgt eine langweilige Begegnung in Norwegen. Die beiden Nationalteams trennen sich 0:0 unentschieden.
Die Partie im Ullevaal-Stadion machte ihrem Namen «Testspiel» alle Ehre. Es trafen zwei Teams aufeinander, die sich auf einem schlechten Rasen in erster Linie nicht wehtun wollten. Was im Aufbau teilweise gefällig aussah, erwies sich am Ende meist als harmlos. Torchancen, die nicht durch Fehler des Gegners entstanden, gab es lange keine.
Zur Story