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Workers clean the supporters tribune where portraits of fans of German Bundesliga soccer club Borussia Moenchengladbach are set in the stadium in Moenchengladbach, Germany, Thursday, April 16, 2020. All major events in Germany are suspended due to the coronavirus outbreak until the end of August, the German Bundesliga suspended all matches until April 30, 2020. (AP Photo/Martin Meissner)

Sie sind schon bereit, wenn es ohne Zuschauer weitergeht: Karton-Fans in Mönchengladbach. Bild: AP

Pro und Kontra Geisterspiele in der Bundesliga – es geht um 750 Mio. Euro



Für die Fussball-Bundesliga steht eine Menge Geld auf dem Spiel, doch für den Rest Deutschlands womöglich noch viel mehr. Darf sich die schönste Nebensache der Welt mitten in der Coronavirus-Pandemie eine Sonderrolle genehmigen und die Saison fortsetzen?

Existenzsicherung: Für die 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga stehen 750 Millionen Euro auf dem Spiel. Diese Summe steht für die aktuelle Saison noch an TV-Geldern aus und wird bei einem Abbruch nicht überwiesen. Das könnte dazu führen, dass Vereine von der Bildfläche verschwinden. «Die 36 Klubs wird es in dem Masse nicht mehr geben», sagte Wirtschaftsexperte Henning Zülch zu einem Abbruch dem «MDR». Der Professor sieht bereits aktuell vier Klubs krisengefährdet. Ende April will er eine Analyse aller Bundesligisten vorlegen.

Fan-Disziplin: Bei Geisterspielen sind die Stadien zwar so gut wie leer, doch Menschenansammlungen verhindert das trotzdem nicht. Das beste Beispiel war die Begegnung zwischen Mönchengladbach und Köln, die erste in der Bundesliga ohne Zuschauer. Da versammelten sich Fans vor dem Stadion und feierten vor allem sich selbst. Durch Geisterspiele wird die Versuchung gross sein, das Gemeinschaftsgefühl mit anderen Anhängern des eigenen Vereins zu suchen und sich vor Stadien oder auf grossen Plätzen zu treffen.

Wichtiger Wirtschaftszweig: Mit seinen laut DFL-Geschäftsführer Christian Seifert 56'000 von den Bundesligen abhängenden Arbeitsplätzen sind die ersten beiden Ligen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Zwar wird bei Geisterspielen der Wurstverkäufer auch zu Hause bleiben müssen, Sicherheitsdienste dürften jedoch zum Einsatz kommen. Zudem sind bei einigen Klubs Mitarbeiter der Geschäftsstelle in Kurzarbeit geschickt worden, was Gehaltseinbussen von bis zu 40 Prozent bedeuten kann. Der Profi-Fussball sei «nicht unwichtiger als andere wirtschaftliche und gesellschaftliche Bereiche unseres Lebens», sagte etwa Ralf Rangnick der «Leipziger Volkszeitung».

Verzerrung: Abgesehen davon, ob zum Beispiel Union Berlin in einem leeren Stadion An der Alten Försterei gegen Bayern München dieselben Chancen hätte wie bei einem ausverkauften Haus, ist der Wettbewerb bereits auf anderen Ebenen verzerrt. Während einige Klubs bereits Ende März wieder in kleinen Gruppen trainierten, war Werder Bremen beispielsweise selbst das bis vor gut einer Woche untersagt. Erst im zweiten Anlauf erhielt Werder die Genehmigung. Zudem könnte es dazu kommen, dass ein Verein sein Stadion nicht nutzen darf, da die finale Entscheidung bei der Politik liegt.

11.03.2020, Nordrhein-Westfalen, Mönchengladbach: Fußball: Bundesliga, Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln, 21. Spieltag im Borussia-Park. Der Mönchengladbacher Torschütze zum 1:0 Breel Embolo jubelt. Das Spiel findet wegen des Coronavirus ohne Zuschauer als Geisterspiel statt. Foto: Roland Weihrauch/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++

Torschütze im ersten Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte: Breel Embolo. Bild: dpa

Stimmungsaufheller: Kinder dürfen nicht zur Schule, Eltern arbeiten von zu Hause aus und nach draussen soll man nur beschränkt. Da könnte in all der Tristesse die Bundesliga für gute Stimmung, für Gemeinschaftserlebnisse vor dem Fernseher sorgen. Das findet übrigens auch Timo Werner. «Es wäre doch jeder froh, wenn einfach wieder ein Spiel stattfindet. Da könnte man das Stadion drumherum auch abbauen. Hauptsache, die TV-Kameras sind dabei und die Leute können sich vor dem Fernseher versammeln und zuschauen», sagte der Nationalstürmer.

Infektionsgefahr: Ein Spiel ohne Zuschauer bedeutet nicht, dass nur 22 Profis auf dem Rasen kicken. Nach den Plänen der DFL würden sich bei jedem Spiel bis zu knapp 250 Menschen aufhalten – vom Ordner, über den Rettungsdienst bis zum Medienvertreter. Es dürfte unbestritten sein, dass die Infektionsgefahr dadurch deutlich steigt, zumal nicht jede dieser Personen alle drei Tage auf das Coronavirus getestet werden wird. Ganz davon abgesehen, ob es sich der Fussball erlauben sollte, einen Teil der Testkapazitäten (bis Ende Saison rechnet man mit rund 20'000 Tests) für sich zu beanspruchen.

Kein Berufsverbot: Paketdienste liefern, Supermärkte haben geöffnet und zumindest ganz langsam soll sich das Leben in Deutschland auch sonst wieder etwas normalisieren. Deshalb sollte es auch für Profi-Fussballer kein Berufsverbot geben. Zum Job zählt eben nicht nur das Training, sondern vor allem die Spiele. Und wenn keine Zuschauer zugelassen sind, wäre es eben ein Homeoffice der etwas anderen Art.

Extrawurst: In den Bundesligen spielen 36 Vereine. Nur 36 Vereine. Warum sollten diese spielen dürfen, während Basketballer, Handballer, Volleyballer und zig andere Sportler nur zuschauen dürfen? Ganz zu schweigen von den Fussball-Profis unterhalb der Bundesligen. Die DFL würde eine Sonderrolle für sich in Anspruch nehmen, die nur schwer vermittelbar wäre.

(ram/sda/dpa)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Locutus70 22.04.2020 02:10
    Highlight Highlight Meiner Meinung nach überwiegend die Vorteile
  • Frechsteiner 21.04.2020 18:01
    Highlight Highlight Wäre ein guter Zeitpunkt um diese Tschuttiblase platzen zu lassen. Irgendwann wenn man wieder Sachen darf, werden sicher wieder irgendwelche Typen ein Liibli anziehen, ins Letzi oder sonstwohin gehen und für irgendeinen Verein spielen.

    Und wenns dann halt nicht der Superstar mit den Millionen ist, dann ists halt ein anderer
  • Looney 21.04.2020 16:34
    Highlight Highlight Der Fussball ist zu einer ​„Fern­seh­sen­dung“ geworden. Er kann ohne volle Sta­dien auskommen aber nicht ohne TV Gelder.
    • Norman Sutter 22.04.2020 07:53
      Highlight Highlight Gibt es denn "der Fussball"? Wie definierst du Ihn? Warst du schon mal in einem leeren Stadion an einem Testspiel und 2 Wochen später im selben ausverkauften Stadion an einem Pflichtspiel?
    • Dynamischer-Muzzi 22.04.2020 09:01
      Highlight Highlight Das Traurige dabei ist ja, dass Sky trotz keinerlei Spiele die Kohle der Abobesitzer kassiert, da die Verträge über 12 Monate Bestand haben und nicht kündbar sind. Heisst also, dass Sky die ganze Zeit schön kassiert, aber nichts auszahlen will. So setzt Sky die DFL wunderbar unter Druck nach der Art: "Entweder ihr spielt mit Geisterspielen, oder bekommt keine Kohle".
      Das ist für mich der Knackpunkt der ganzen Geschichte. Wäre die DFL und ihre Clubs nicht auf die Fernsehgelder angewiesen, so hätten wir die Diskussion gar nicht und die Saison wäre beendet. Der Handball lebt es vor!
  • JohnDoe 21.04.2020 16:31
    Highlight Highlight Fussball ohne Fans? Ne, lieber zu warten. In einer ersten Phase dann nur Saisonkartenbesitzer und dann öffnen
  • Patho 21.04.2020 15:23
    Highlight Highlight 1. Die schönste Nebensache der Welt ist Sex
    2. Wieso Fussball? Was ist mit Handball, Eishockey, Leichtathletik, etc...?
    3. Gibt es Rot für anhusten? auf den Boden spucken? sich in Gruppen >5 aufhalten (bzw. den Schiri belagern)? den 2m Sicherheitsabstand nicht einhalten? Oder reicht Gelb beim ersten solchen Vergehen?
    4. Müssen der Ball vor oder die Hände nach dem Einwurf desinfiziert werden?
    5. Wieso soll in Deutschland gespielt werden, wenn in anderen Ländern nicht gespielt wird, es nützt ja eh nichts mehr Meister zu werden?

    Fragen über Fragen...
    • McStem 21.04.2020 17:42
      Highlight Highlight 1. Korrekt
      2. Eishockey im Sommer? Handball, Leichtathletik, etc. müssten wenn ich das richtig verstanden habe ein Konzept erarbeiten & einreichen
      3. Nein, da nicht entsprechend in Regularien festgehalten
      4. Wer weiss? Vielleicht gibt es ein entsprechendes Konzept
      5. Jedes Land kann grundsätzlich tun und lassen was es will. Rechtlich darf Deutschland das, ob es auch richtig ist muss es selber entscheiden.
  • wizzard_of_randalf 21.04.2020 15:00
    Highlight Highlight das runde muss ins eckige - schiessen wir das corona virus ab ⚽️!

    eine erste sportart geht wieder live - ein stresstest für alle anderen & wenn es funktioniert, kann die nächste sportart on gehen & es herrscht wieder so etwas wie normalität - beginnend mit der schönsten nebensache der welt 🤘🏻
  • uhl 21.04.2020 14:58
    Highlight Highlight Ich würde gerne etwas Live-Sport im TV sehen, aber das Argument mit der Disziplin ist schon ziemlich kräftig. Es gibt eben nicht nur zwei, drei Idioten da draussen, die sich vor den Stadien versammeln würden, sondern es wären überall ganze Heerscharen. Das mag es jetzt einfach nicht leiden.
  • Noblesse 21.04.2020 14:36
    Highlight Highlight Chance für die 2. Garnitur. Ist ein Fixstarter angesteckt, gehen die ersten 16 in Quarantäne. Dann können die Jungen zeigen, was sie können. Sog. Corona-Rotation.
  • Elpampa 21.04.2020 14:25
    Highlight Highlight Die Gegenargumente lassen sich auch teilweise entkräften:
    Disziplin: Ich glaube, mittlerweile ist allen die Lage klar. Die Auswüchse waren zu Beginn der Krise, diese können nun wegfallen.
    Verzerrung: Es gibt nun einen klaren Fahrplan, dass sollten alle akzeptieren. Für Werder kann es evtl. Sogar positiv sein, einen „Neuanfang“ light.
    Infektionsgefahr: Es sind die 22 Spieler auf engstem Raum, die Ordner etc haben genug Abstand
    Extrawurst: Man muss hier abwägen und die Softfacts berücksichtigen. Es kann gut tun, so etwas in der Krise zuzulassen um den Menschen Abwechslung zu bieten.
    • Amboss 21.04.2020 22:07
      Highlight Highlight Kann man so sehen. Ebenso gut kann man aber auch die Pro-Argumente entkräften
      Letztlich ist es ein Abwägen zwischen all den verschiedenen Interessen.

      Wer dafür ist, findet genug Argumente dafür. Wer dagegen ist, aber auch

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