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Präsentiert sich im Trikot seines neuen Klubs: Goalie Bruno.
Präsentiert sich im Trikot seines neuen Klubs: Goalie Bruno.bild: boa clube

Ex an Hunde verfüttert – das problematische Comeback von Brasil-Keeper Bruno 

Bruno Fernandes de Souza hat einen neuen Verein. Wieso uns das interessiert? Weil der brasilianische Goalie eben erst nach sechseinhalb Jahren im Gefängnis wieder auf freien Fuss gekommen ist. Er sass wegen der Ermordung seiner Geliebten.
14.03.2017, 13:1015.03.2017, 05:07

Alles wird wieder wie früher sein. Bruno wird am Morgen aufstehen, ins Training gehen, über den Rasen hechten, in der Kabine mit Kollegen scherzen. Der 32-jährige Goalie ist wieder Fussballprofi.

Es ist ein grosser Kontrast zu den letzten sechs Jahren und sieben Monaten im Leben des Brasilianers. Denn die verbrachte Bruno Fernandes das Dores de Souza hinter Gitter.

Als seine Welt noch in Ordnung war: Bruno bejubelt 2008 ein Tor seines Teams.
Als seine Welt noch in Ordnung war: Bruno bejubelt 2008 ein Tor seines Teams.Bild: EPA

Bruno war Goalie bei grossen Klubs: bei Atlético Mineiro, bei Flamengo. Er wurde brasilianischer Meister, war erfolgreich und populär. Bis er im Sommer 2010 verhaftet wurde, weil er die Ermordung seiner Ex-Freundin angeordnet haben soll. Kurz nachdem sie sich bei ihren Freundinnen beklagt hatte, Bruno bezahle zu wenig Alimente für den gemeinsamen, vier Monate alten Sohn, wurde die junge Frau nie mehr gesehen.

«Du wirst sterben!»

Ein Schwurgericht in Contagem bei Belo Horizonte bestätigte letztlich 2013 diese Vorwürfe und verurteilte Bruno wegen des Mordauftrags zu einer Haftstrafe von 22 Jahren und drei Monaten. Als «gewalttätig, kaltblütig und hinterhältig» beschrieben die Geschworenen den Verurteilten. Er habe einen «teuflischen Mordplan» ausgeheckt.

Bruno bei seiner Verurteilung 2013.
Bruno bei seiner Verurteilung 2013.Bild: EPA

In der Tat lässt einen die Beschreibung des Falles das Blut in den Adern gefrieren. Eine Woche lang sei die 25-jährige Eliza Samudio gefoltert worden, verkündete die Kriminalpolizei von Rio de Janeiro nach Abschluss ihrer Ermittlungen. Als Eliza gefleht habe, dass sie die Schmerzen nicht mehr aushalten würde, habe man ihr geantwortet: «Du brauchst es nicht mehr auszuhalten, du wirst sterben!»

Vergeblich versucht, die Schwangerschaft abzubrechen

Eliza war Porno-Darstellerin und lernte Bruno bei einer Mannschaftsfeier kennen. Der Fussballstar schwängerte sie, sagte, das Kondom sei geplatzt. Angeblich zwang er die Geliebte, etwas zu trinken, das den Abbruch der Schwangerschaft herbeiführen sollte. Doch es gelang ihm nicht, die Geburt des Sohnes zu verhindern. Des Sohnes, der seinen Namen trägt: Bruninho, kleiner Bruno.

Zu diesem Zeitpunkt lief bereits ein Verfahren gegen den Goalie, weil Eliza ihn angezeigt hatte. Er soll sie gewürgt und gefoltert haben. Viereinhalb Jahre Haft kassierte Bruno dafür. Er wurde verurteilt, als er sich noch in Untersuchungshaft wegen der Mordanklage befand.

Zerstückelt und den Hunden zum Frass vorgeworfen

Vieles, was die Polizei im Mordfall als Fakten präsentierte, wusste sie vom 17-jährigen Cousin des Goalies. Dieser gestand die Folterungen und den Mord, ehe er seine Aussagen zurückzog. Bruno selber beteuerte lange seine Unschuld. Er stellte sich nach dem Verschwinden seiner Ex-Geliebten und Gerüchten, er sei in dieses verwickelt, tief betroffen hin und sagte: «Ich bete dafür, dass Eliza wieder auftaucht und wenn das der Fall sein wird, werde ich um das Sorgerecht für meinen Sohn kämpfen. Ich habe ein reines Gewissen.»

Ein Jahr vor der WM im eigenen Land tönte der Anwalt des Keepers, der bis dahin noch nie für die Nationalmannschaft auflief: «Er wird im WM-Final im Maracana stehen, gegen Argentinien. Es wird 0:0 ausgehen und der beste Spieler der Welt, Lionel Messi wird zum Penaltypunkt schreiten. Wer wird den Schuss halten und die Trophäe für 200 Millionen Brasilianer in die Höhe halten? Bruno. Das ist sein grösster Traum.»

Eliza mit dem kleinen Bruninho.
Eliza mit dem kleinen Bruninho.bild: globo

Aber bei der Gerichtsverhandlung zweieinhalb Jahre nach der Verhaftung gab Bruno schliesslich zu, von Elizas Ermordung zu wissen. Er habe von dieser Tat erfahren, der Auftrag dazu sei aber nicht von ihm gekommen. Doch: «Ich habe akzeptiert, dass dies passiert.»

Dann sagte Bruno aus, was mit der Leiche der Frau geschah. Ihr Körper sei zerstückelt und Hunden zum Frass vorgeworfen worden. Spezialisten untersuchten daraufhin den Mageninhalt der zehn Rottweiler Brunos. Bis heute fand man keine Überreste des Mordopfers.

Dem neuen Klub laufen die Sponsoren davon

Vor drei Wochen nun wurde die Haft ausgesetzt, Bruno zumindest vorübergehend entlassen. Die Massnahme erfolgte, weil er eine Neuverhandlung gefordert hatte und diese sich über die gesetzlichen Fristen hinaus verzögerte.

Prompt rissen sich die Klubs laut seinem Berater angeblich um den Torwart. «Ich habe in den letzten Stunden mehrere Anfragen erhalten», behauptete dieser in den Medien. Den Zuschlag erhielt schliesslich der Boa Esporte Clube, frisch in die Serie B aufgestiegen, der grösste Erfolg der Klubgeschichte.

Dass Bruno noch einmal einen Profivertrag erhalten hat, wurde von Teilen der brasilianischen Bevölkerung mit Ablehnung kommentiert. Es kam nach der Vertragsunterzeichnung am Freitag zu Protesten. Der Haupt- und mehrere weitere Sponsoren sowie der Trikotausrüster entschlossen sich, ihr Engagement beim Klub zu beenden.

«Ich sehe das nicht als Strafe, sondern als lehrreiche Erfahrung»

Boas Präsident beschwichtigte und sprach davon, einem Menschen eine zweite Chance geben zu wollen. Da war die Website seines Klubs bereits gehackt worden, anstatt Spielerprofilen und Fanshop lasen die Besucher jetzt Zahlen über die Gewalt an Frauen in Brasilien.

Bruno selber sorgte in einem Interview für Wirbel, als er sagte: «Egal wie lange ich nun im Gefängnis war, eine lebenslange Strafe hätte sie auch nicht wieder lebendig gemacht.» Weiter meinte er, dass einiges an Lehrgeld bezahlt habe. «Es war nicht einfach. Aber diese Erfahrung wird mir weiterhelfen, ich sehe das nicht als Strafe, sondern als lehrreiche Erfahrung.»

Für Eliza gab es keine zweite Chance

Es ist eines hohes Gut jedes Rechtsstaats, dass Verurteilte nach ihrer Freilassung die Möglichkeit erhalten, wieder ein normales Leben führen zu können. Bruno erhielt die Chance darauf ein erstes Mal, als sein Talent als Torhüter erkannt wurde. Denn aufgewachsen war er in Armut bei seiner Grossmutter. Den Vater lernte er nie kennen, die Mutter verstiess ihn nach der Geburt. Als Flamengo den talentierten Goalie aus der Provinz nach Rio holte, wurde er zum Millionär.

Und der Neureiche war nun plötzlich auch beim anderen Geschlecht begehrt. Im Laufe des Verfahrens kam heraus, dass er teils vier Liebhaberinnen gleichzeitig gehabt hatte. «Maria Chuteira» nennen sie in Brasilien den Typ Frauen, der die Nähe von Fussballstars sucht. Groupies, die darauf hoffen, im Windschatten der Sportler selber zu einem kleinen Promi zu werden. «Nach allem, was man über die ermordete Eliza Samudio weiss, war auch sie eine Maria Chuteira», schrieb der Spiegel.

Eliza erkannte in ihrer Liebschaft mit dem bekannten Bruno wohl eine einmalige Gelegenheit für ihren gesellschaftlichen Aufstieg und auf ein Leben im Wohlstand. Die 25-Jährige bezahlte ihre Hoffnung darauf mit dem Leben. Für Eliza Samudio gab es keine zweite Chance.

Der kleine Bruninho ist mittlerweile sieben Jahre alt, er wächst bei seiner Grossmutter auf, Elizas Mutter. Sie habe ihm erzählt, dass sein Vater im Gefängnis sei, sagte sie. «Aber ich kann ihm nicht sagen, weshalb.»

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7 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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suchwow
14.03.2017 13:28registriert Dezember 2014
Eigentlich schon krass wenn man bedenkt, dass nach 6.5 Jahren ein "einigermassen" normales Leben geführt werden kann, während sein Opfer nie mehr zurückkehrt...
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anonymer analphabet
14.03.2017 16:33registriert April 2016
Zu 22 Jahren Haft verurteilt, aber weil er eine Neuverhandlung verlangt ist er vorübergehend wieder auf freiem Fuss..? Klar ich habe nicht Jus studiert aber braucht man dazu nicht auch den gesunden Menschenverstand?
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Crank
14.03.2017 16:33registriert Dezember 2015
Am Ende des Artikels eine Friede, Freude, Eierkuchen- Slideshow anzuhängen finde ich jetzt etwas unpassend.
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