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Das ominöse Videogespräch mit Peng Shuai – in China zensiert, in der Sportwelt kritisiert

Der «Fall Peng Shuai» beschäftigt die internationale Sportwelt weiter. Die Video-Schaltung von IOC-Präsident Thomas Bach mit der lange vermissten Tennisspielerin löst unterschiedliche Reaktionen aus. Denn nicht alle sind von der Sicherheit Peng Shuais überzeugt.
23.11.2021, 05:0323.11.2021, 08:29

Scharfe Kritik von Sportlervereinigung

Die Sportlervereinigung «Global Athlete» warf dem IOC vor, sich durch die über Video geführte Schaltung zu Peng Shuai «mitschuldig an der bösartigen Propaganda der chinesischen Behörden und deren mangelndem Interesse an grundlegenden Menschenrechten und Gerechtigkeit zu machen».

«Global Athlete» betonte ausserdem, dass eine Videoschaltung keineswegs garantiere, dass Peng Shuai sicher und wohlauf sei. In der Stellungnahme des IOC werde nicht erwähnt, dass die 35-jährige Chinesin Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs erhoben habe und zwei Wochen verschwunden gewesen sei. Mit seiner Einladung zum Abendessen an Peng Shuai habe Bach die «todernste Situation verspottet, die leider zu vielen weiblichen Athleten sehr vertraut ist».

Inszeniert wirkender Video-Anruf

Auch Steffen Wurzel, China-Korrespondent für den deutschen Sender ARD zweifelt an der Echtheit des Videos. Die Video-Offensive sei von den Staatsmedien vor allem an ausländisches Publikum gerichtet gewesen, zeigt sich Wurzel in einem Interview mit SRF überzeugt. Denn seit Tagen beteuerten chinesische Journalisten der Staatsmedien auf Twitter, dass es der Tennisspielerin gut gehe – dies obwohl Twitter in China verboten sei. Ein Indikator dafür, dass die Mitteilungen vor allem an internationales Publikum gerichtet sind.

Thomas Bach im Gespräch mit Peng Shuai.
Thomas Bach im Gespräch mit Peng Shuai. Bild: keystone

Dafür spricht auch die zensierte Berichterstattung innerhalb Chinas: Als der amerikanische Sender CNN den China-Korrespondenten Will Ripley zum Fall interviewt, wird die entsprechende Übertragung in China unterbrochen.

Er könne gar nicht mehr zählen, wie oft die Übertragung kontroverser Themen in seinen 8 Jahren als Korrespondent schon unterbrochen worden seien. Am chinesischen Fernsehen werde nicht über sie gesprochen und sie werde aus dem Internet radiert, so Ripley weiter.

Steffen Wurzel zweifelt entsprechend am Wahrheitsgehalt der Beteuerungen gegenüber dem Ausland: «Tatsächlich aber wirkt das Ganze inszeniert und die Videos sehr hölzern.» Zwar legten die Videos nahe, dass sich Peng nicht einem Gefängnis aufhalte, aber ob sie sich zuhause befände oder wie frei sie in ihren Entscheidungen sei, sei nicht klar, so Wurzel weiter.

Sportlervereinigung fordert Konsequenzen

Die Sportlervereinigung «Global Athlete» erneuerte auch ihre Forderung, Chinas Olympisches Komitee zu suspendieren, bis Peng Shuai eine sichere Ausreise aus China ermöglicht werde und ihre Vorwürfe Gegenstand einer Untersuchung würden. Mit seiner Haltung in der Sache habe das IOC erneut bewiesen, dass es «Athleten im Stich lässt, an der Seite von gewaltsamen autoritären Regimen steht und Menschenrechte ignoriert», hiess es in der Stellungnahme von «Global Athlete».

Das IOC seinerseits bekräftigte den Beweggrund für die Kontaktaufnahme. «Der Hauptzweck des Anrufs bestand darin, sich nach dem Wohlergehen und der Sicherheit von Peng Shuai zu erkundigen», hiess es in einer Mitteilung am Montag. «Der Schutz des Wohlergehens der Athleten ist für das IOC und die olympische Bewegung von grösster Bedeutung. Wir haben vereinbart, in Kontakt zu bleiben, und sie hat einem Treffen in Peking im Januar zugestimmt.»

Die Affäre um die 35-jährige Weltklasse-Doppelspielerin bringt das IOC knapp zweieinhalb Monate vor den Olympischen Winterspielen in Peking (4. bis 20. Februar) zusätzlich in Bedrängnis. China steht wegen Verstössen gegen die Menschenrechte ohnehin in der Kritik.

Boykott der Winterspiele wär «bedeutungslose Geste»

In ein anderes Licht rückte Sebastian Coe, der Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes, Bachs Bemühungen. Der Brite unterstützt die Diplomatie des IOC mit China in Bezug auf Peng Shuai. «Kriegerische Geräusche» über einen möglichen diplomatischen Boykott der Winterspiele im Februar 2022 in Peking wären «eine ziemlich bedeutungslose Geste», sagte Coe im Interview mit dem britischen Sender BBC Today am Montag. Zur Frage, ob es Peng Shuai erlaubt werden sollte, China zu verlassen, antwortete er: «Ich bin nicht in der Position, solche Beurteilungen abzugeben.»

Peng Shuai hatte Anfang November im sozialen Netzwerk Weibo Vorwürfe wegen eines sexuellen Übergriffs durch einen chinesischen Spitzenpolitiker veröffentlicht. Danach war sie zunächst nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Das IOC hatte am Sonntag mitgeteilt, Bach habe ein Videotelefonat mit der Tennisspielerin geführt. Peng Shuai habe erklärt, sie sei in Sicherheit. (saw/sda/dpa)

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