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epa06861333 Switzerland's forward Haris Seferovic (L) and Switzerland's midfielder Granit Xhaka react during the FIFA World Cup 2018 round of 16 soccer match between Sweden and Switzerland in St.Petersburg, Russia, 03 July 2018.

(RESTRICTIONS APPLY: Editorial Use Only, not used in association with any commercial entity - Images must not be used in any form of alert service or push service of any kind including via mobile alert services, downloads to mobile devices or MMS messaging - Images must appear as still images and must not emulate match action video footage - No alteration is made to, and no text or image is superimposed over, any published image which: (a) intentionally obscures or removes a sponsor identification image; or (b) adds or overlays the commercial identification of any third party which is not officially associated with the FIFA World Cup)  EPA/LAURENT GILLIERON   EDITORIAL USE ONLY

Nationalspieler mit Migrationshintergrund: Haris Seferovic und Granit Xhaka. Bild: EPA/KEYSTONE

Interview

Xhaka: «Miescher hat künftige und aktuelle Doppelbürger wie mich enttäuscht»

Wer soll für die Schweizer Fussball-Nati spielen? Mit fragwürdigen Ideen hat SFV-Generalsekretär Alex Miescher viel Staub aufgewirbelt – auch beim Nationalteam. Mit Granit Xhaka äussert sich nun ein Führungsspieler und er zeigt wenig Verständnis für Mieschers Aussagen.

sven schoch/keystone-sda



«Wollen wir Doppelbürger?», fragte sich Alex Miescher in Interviews mit dem «Tages-Anzeiger» und der «NZZ». Der SFV-Generalsekretär verschärfte mit seinen brisanten Aussagen und Überlegungen unmittelbar nach dem Schweizer WM-Out die ewige Migrationsdebatte. Der Verband könne sagen, dass die Förderprogramme nur jenen Nachwuchsspielern offen stünden, die auf eine Doppelbürgerschaft verzichten.

Mit seinen politisch heiklen Statements irritierte der Funktionär viele. Granit Xhaka, im Nationalteam eine unverzichtbare Schlüsselfigur, reagiert im Gespräch mit der Nachrichtenagentur «Keystone-SDA» so: «Er hat künftige und aktuelle Doppelbürger wie mich enttäuscht.»

Ist Ihnen bereits während der WM aufgefallen, dass das Klima um das Nationalteam abkühlte?
Granit Xhaka:
Der Fussball war oft Nebensache. Nach dem Serbien-Spiel ging es nur noch um den Doppeladler. Dann kam das nächste Thema: Zuber oder Embolo? Dann: Wer spielt vorne? Dann ging's darum, dass Djourou nicht mehr genüge für dieses Niveau.

Sie waren aber nicht der Grund fürs Scheitern im Achtelfinal.
Nein. Schauen Sie sich unsere Werte der Qualifikation an. Wir hatten kaum mehr Gegentore zugelassen, aber fast immer getroffen. Gegen die Schweden begingen wir defensive Fehler und machten offensiv ganz einfach zu wenig – deswegen hatten wir es nicht verdient, ein Viertelfinalist zu sein.

Der SFV-Generalsekretär Alex Miescher denkt laut über die Abschaffung des Doppelbürger-Status nach. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von seinem Interview hörten?
Das Interview machte bei den Nationalspielern schnell einmal die Runde.

Switzerland's midfielder Xherdan Shaqiri, right, and Alex Miescher, left, General Secretary of the Swiss Footbal Association, SFA, and Head of Mission are pictured after a training session of the Switzerland's national soccer team at the Torpedo Stadium, in Togliatti, Russia, Saturday, June 23, 2018. The Swiss team is in Russia for the FIFA World Cup 2018 taking place from 14 June until 15 July 2018. Team Switzerland is based in Togliatti in the Samara district. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Alex Miescher im Nati-Training in Russland mit Xherdan Shaqiri. Bild: KEYSTONE

Und?
Noch während der WM und nach meiner Doppeladler-Geste kam Alex auf uns zu und versicherte, dass er alles unternehmen werde, um uns zu schützen – und dann kommen drei Tage nach unserem Ausscheiden solche Aussagen von ihm.

Sie wirken irritiert?
Definitiv.

Was ärgert Sie?
Ich höre aus seinen Zeilen heraus, dass er Doppelbürgern nicht zutraut, für die Schweiz an die Grenzen zu gehen. Das geht direkt an die Adresse von mir und ein paar anderen mit zwei Nationalitäten. Es klingt für mich wie gesagt so, als ob ich und meine Kollegen im Schweizer Dress nicht ans Limit gehen würden.

Kommt für Sie der Zeitpunkt seiner Botschaft überraschend?
Drei Tage, nachdem wir in Russland eine bittere Niederlage kassiert haben, macht man so etwas einfach nicht.

Wie fühlt sich seine Message für einen Direktbetroffenen an?
Für mich und mit Sicherheit auch für betroffene Teamkollegen ist es befremdend, solche Kommentare von Alex Miescher zu hören. Wir sind alle Schweizer und geben alles für die Schweizer Nati – jeder von uns –, weil wir alle wissen und dankbar sind, für das, was unsere Schweiz für uns und unsere Familien getan hat. Meine Familienwurzeln liegen im Kosovo – wie sie für Breel Embolo in Kamerun, Manuel Akanji in Nigeria und Ricardo Rodriguez in Chile und in Spanien sind. Die Schweizer Nationalmannschaft besteht heute ohnehin aus 50 bis 60 Prozent Doppelbürgern oder Secondos. Sogar unser Chef (Vladimir Petkovic) ist Doppelbürger und gibt Blut und Schweiss für die Nationalmannschaft. Mit diesem unnötigen Vorstoss hat Alex Miescher viel Stirnrunzeln hervorgerufen, aber auch viele enttäuscht.

epa06845249 The starting eleven of Switzerland prior to the FIFA World Cup 2018 group E preliminary round soccer match between Switzerland and Costa Rica in Nizhny Novgorod, Russia, 27 June 2018.

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Die Mehrheit der Schweizer Nati hat Wurzeln im Ausland. Bild: EPA

Was löst Miescher nun weiter aus?
Ich denke, Alex hat seine Steinzeit-Kommentare, die auf die Schweizer Doppelbürger zielten, sicherlich hinterfragt.

Könnte es zur nachhaltigen Beeinträchtigung des A-Nationalteam-Spirits kommen?
Ach, überhaupt nicht. Solchen Unsinn gibt es ab und zu. Wir haben uns nun auf eine EM vorzubereiten und Wichtigeres zu tun. Fussball wird auf dem Rasen gespielt, und wir haben ein Team, das 2020 richtig Gas geben muss.

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