DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Dani Büchi betont immer wieder: «Nein, wird es beim FCB nicht mehr geben.»
Dani Büchi betont immer wieder: «Nein, wird es beim FCB nicht mehr geben.»bild: imago-images.de
Interview

CEO Büchi über FCB-Umbau: «Was wir hier angetroffen haben, ist nicht lustig»

CEO Dani Büchi spricht ein halbes Jahr nach seinem Einstieg beim FC Basel über aufgebrauchte Geld-Reserven, schlechte Stimmung auf der Geschäftsstelle und über sportliche Pläne fürs neue Jahr.
15.12.2021, 16:4815.12.2021, 18:33
Céline Feller, Jakob Weber, Christoph Kieslich / ch media

Im Sommer haben Sie das strukturelle Defizit des FCB mit 28 Millionen Franken beziffert und gesagt, es gehe ums Überleben. Kommt der Klub im Jahr 2021 durch?
Dani Büchi: Wir sind in der letzten Kurve und am Limit, aber es könnte reichen. Wir haben die Kosten massiv reduziert und reden aktuell von einem Verlust von knapp 14 Millionen per Ende Jahr.

Was ziemlich genau dem Eigenkapital von 14,2 Millionen Franken entspricht.
Genau. Stand heute haben wir noch ein paar 100'000 Franken Luft. Da können Sie sich vorstellen, dass ich nach dem Spiel gegen Karabach Agdam und dem feststehenden Gruppensieg in der Conference League mit grosser Freude die gewonnenen UEFA-Prämien vom Verlust subtrahiert habe.

Wo wäre der FCB ohne die 8,1 Millionen Franken an UEFA-Prämien?
Daran mag ich gar nicht denken. Mir ist erst im Nachhinein bewusst geworden, wie kapital das Qualifikationsrückspiel bei Hammarby mit dem Elfmeterschiessen für die Zukunft des FCB war. Ohne die Prämien hätten wir ein massives Problem.

Zur Person: Dani Büchi
Der 43-jährige Dani Büchi ist Delegierter des Holding-Verwaltungsrats beim FC Basel und als CEO der starke Mann. Seit März 2021 ist er an der Seite von David Degen und hat diesem geholfen, den Klub von Bernhard Burgener zu übernehmen. Der Zürcher Büchi absolvierte das Wirtschaftsgymnasium, stieg bei Energy Zürich (früher Radio Z) vom Praktikanten zum CEO auf. Von der Ringier AG übernahm er 2020 die Aktienmehrheit beim «Moon & Stars» Festival in Locarno. Büchi lebt in Feldmeilen und ist Vater von zwei Söhnen (9 und 10 Jahre alt).

Wo wurde denn ausser bei den Spielerlöhnen noch gespart?
In fast allen Bereichen von kleinen Beträgen bis hin zu wirklich grossen Summen. Beim Personalaufwand, bei den Beraterhonoraren, dem Indien-Projekt oder bei den Ärzten. Aber viele der Sparmassnahmen werden erst im nächsten Jahr richtig greifen.

Per Ende November verliess auch Klublegende Massimo Ceccaroni den FC Basel.
Per Ende November verliess auch Klublegende Massimo Ceccaroni den FC Basel.bild: imago-images.de

Zum Beispiel?
Die meisten Verträge haben Kündigungsfristen. Zudem haben wir noch viele Leute auf der Lohnliste, die nicht mehr für den FCB tätig sind. Zudem gibt es grössere Projekte, die wir angestossen haben und die einen grossen Impact haben werden.

Sie meinen das Stadion?
Ja. Da haben wir gute und intensive Gespräche über ein Stadion 2.0, entschieden ist aber noch nichts. Punkt eins: Das Stadion muss saniert werden, das Geld dazu muss irgendwo herkommen. Da sprechen wir von einer Grössenordnung von 50 Millionen, die wir brauchen. Punkt zwei: Wir dürfen nicht eine Lösung suchen, die uns einmal eine Sanierung ermöglicht, uns dann aber Jahre lang belastet. Denn das Konstrukt, das wir jetzt haben, war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Wir haben zwar ein Stadion bekommen, zahlen aber vier Millionen Franken Miete pro Jahr, was viel zu viel ist. Wir haben einen Sanierungsbedarf und nicht die nötige Infrastruktur – im Hospitality, im Catering, im Garderobenbereich. Das Ziel muss sein, dass der FCB das Stadion mehr mitgestalten und besser nutzen kann.

Wann sollen die Stadion-Pläne umgesetzt werden?
Wenn es nach uns gehen würde: gestern. Realistisch ist für das Projekt «Joggeli 2.0» aber ein Zeitrahmen von drei bis vier Jahren. Dann muss das stehen. Je schneller, je besser. Wir brauchen dafür einfach Leute, die sagen: «Ja, lass es uns versuchen.» Und nicht Leute, die sagen: «Nein, geht nicht.» Nein gibt es nicht mehr, wir müssen wissen, wie es weitergeht.

Ist es realistisch, dass der FCB das Stadion übernimmt?
Da braucht es einen Dialog aus FCB, Genossenschaft und der öffentlichen Hand. Denn keine der Parteien kann das ohne die anderen beiden lösen. Da hilft uns der divers aufgestellte Verwaltungsrat. Das Stadion-Thema ist bei Marco Gadola und Andreas Rey. Kurz zusammengefasst heisst das – auf viele Bereiche im Klub bezogen –, dass der Weg stimmt, wir allerdings noch lange nicht am Ziel sind. Aber gerade auf der Geschäftsstelle fühle ich seit zwei, drei Wochen eine deutlich andere Energie.

Der 2001 eröffnete St. Jakob-Park ist in die Jahre gekommen.
Der 2001 eröffnete St. Jakob-Park ist in die Jahre gekommen.Bild: KEYSTONE

Woran machen Sie das fest?
Das kann ich Ihnen nicht sagen. Es war ein Prozess. Ein paar Leute sind gegangen, ein paar neue gekommen. Die Leute beginnen wieder, in Gruppen zu arbeiten, einige Gärtchen sind abgerissen, und es geht wieder etwas. Aber es gibt immer noch Unzufriedene, die sich unfair behandelt fühlen.

Liegt das an Ihnen?
Denke ich nicht, das liegt an den Entscheidungen, die wir fällen müssen. Was wir hier angetroffen haben, ist nicht lustig. Für niemanden.

Was war denn alles im Argen?
Ich drehe die Frage um: Was hat denn funktioniert? Das soll kein Bashing gegen die alte Führung oder die Mitarbeiter sein. Das ist eine Mischung aus falsch aufgestellt, falsch organisiert, der Historie, falschen Leuten, Verunsicherung und Bequemlichkeit – von ziemlich allem. Da hat irgendwann einfach eine Spirale nach unten zu drehen begonnen.

Wie gross ist nun die Fluktuation beim FCB?
Auf unsere per Ende April 230 Mitarbeitende haben wir 53 Abgänge und 25 Zugänge. Gleichzeitig hatten wir 26 Abgänge und 28 Zugänge von Spielern. Die Zahlen zeigen den starken Umbruch, den wir eingeläutet haben.

Dani Büchi und David Degen haben beim FCB ausgemistet.
Dani Büchi und David Degen haben beim FCB ausgemistet.bild: imago-images.de

Sie sprachen in einem Interview von einem Selbstbedienungsladen. Das ist ein heftiger Vorwurf an die Belegschaft.
Das war kein Vorwurf an die gesamte Belegschaft. Sondern an Leute, die sich am FCB bedient haben, auch externe.

Inzwischen sind viele altgediente Grössen des FCB gegangen oder mussten gehen. Wie sieht es bei Karli Odermatt aus?
Wir sind in Gesprächen. Wir analysieren auch sein Tätigkeitsfeld und müssen uns fragen, wie es da weitergeht. Die Rechnung des FCB muss aufgehen. Wir haben keinen Zauberbaum, an dem Geld wächst und wir damit die Löcher stopfen können. Wir können nicht mehr ausgeben, als wir einnehmen. Wir wollen den FCB wirtschaftlich auf gesunde Beine stellen, und dafür muss ein Umdenken her. Um die Vielfalt und Spannung des FCB aufrechterhalten zu können, müssen wir neue Wege gehen.

Fallen Ihnen die Aufräumarbeiten leichter, weil Sie mit dem FCB nicht verbandelt waren?
Das kann ich Ihnen nicht abschliessend beantworten. Die Aufgaben sind schwierig, und es geht um Menschen. Zu viele Leute hatten noch ein «Jöbli», es war zu viel aus dem gleichen Teich, und die Leistung war, wenn überhaupt, zweitrangig. Es war einfach vieles nicht so, wie man es bei einem professionellen Unternehmen wie dem FCB erwartet. Auch bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeitern mussten wir uns neu aufstellen. Wir hatten nicht einmal ein Tool, bei dem sich Leute bewerben konnten. Das haben wir nun, und jetzt bewerben sich auch die Mitarbeiter, die wir brauchen.

Das klingt alles so, als würde es Sie nicht gross schmerzen, wenn es Stimmen gibt, die sagen: Wir hätten gerne Roland Heri zurück.
Damit muss ich und kann ich gut leben. Es würde mich stören, wenn die Leute sagen würden, wir sind nicht richtig mit ihnen umgegangen. Es sind schwierige Entscheide, die nicht alle nachvollziehen können. Dass sich ein Mitarbeitender nach einer Kündigung bedankt, habe ich noch nie erlebt.

Die vorherige FCB-Führung mit Ex-Präsident Bernhard Burgener (l.) und Ex-CEO Roland Heri.
Die vorherige FCB-Führung mit Ex-Präsident Bernhard Burgener (l.) und Ex-CEO Roland Heri.Bild: KEYSTONE

Bei der Trennung von den Teamärzten wurde der Führung Stillosigkeit vorgehalten. Waren Sie zu unsensibel?
Nein. Das glaube ich nicht. Was wir erwartet hätten, war, dass wir in Anbetracht der langen Verbundenheit Dinge an einem Tisch besprechen können und sie auch an diesem Tisch bleiben. Das konnte man offenbar nicht – aber das kam nicht von unserer Seite her. Dass wir aber neue Ärzte wollen, das ist unser Entscheid. Das dürfen wir. Ich kann Ihnen aber heute schon sagen, dass wir mit der Rennbahnklinik in vielen Bereichen einen grossen Schritt vorwärtsgemacht haben. Wie gut die Entscheidung war, können wir gerne in ein paar Jahren beurteilen.

Und in der Zwischenzeit geben Sie den Buhmann?
Wenn es sein muss. Es hilft, sich neutral und ohne Verbundenheit mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Man kann verschiedene Aufgaben hier gar nicht lösen, wenn man schon vorher Bestandteil dieses Vereins und damit auch des Problems war. Die frischen Kräfte waren nötig. Es musste ein neuer Approach her von jemandem, der nicht verknüpft ist mit Basel. Und es musste jemand sein, der mit diesem Druck und den Anfeindungen umgehen kann.

Ein weiteres Thema, bei dem man sich wenig Freunde macht, ist das Catering. Ist man da schon weiter?
Nein, was wir extrem bedauern. Die Gespräche mit Concordia blieben bis jetzt ohne Resultat. Die Beschwerden sind weiter massiv. Die Situation ist für die Fans und uns frustrierend.

Ausserdem müssen Sie in Indien einen Käufer finden, der die Anteile von Chennai City übernimmt, da der FCB sonst weiter seinen Verpflichtungen nachkommen muss.
Ja. Dort gilt es, schnellstmöglich eine Lösung zu finden. Indien hat das FCB-Budget pro Jahr mit über einer halben Million belastet. Aber hier hat Bernhard Burgener den Lead, da er auch privat noch in Chennai investiert hat. Wir wollen nicht davonrennen, aber eine Lösung finden, mit der alle leben können.

2019 sicherte sich der FCB etwas mehr als einen Viertel aller Anteile des Chennai City FC.
2019 sicherte sich der FCB etwas mehr als einen Viertel aller Anteile des Chennai City FC.bild: cies sports intelligence

Haben Sie sonst Austausch mit Bernhard Burgener?
Wir haben noch ein paar Restanzen.

Die Sie nicht öffentlich machen wollen?
Nein, wollen wir nicht. Aber es gibt noch einige Dinge aufzuarbeiten.

Auch wenn Sie fürs 2022 zuversichtlich sind und mit Cabral einen potenziellen Millionentransfer im Ärmel haben, sieht die finanzielle Situation nach wie vor nach einem Ritt auf der Rasierklinge aus.
Das ist es definitiv.

Früher oder später wird Arthur Cabral dem FCB ein paar Millionen in die Klubkasse spülen.
Früher oder später wird Arthur Cabral dem FCB ein paar Millionen in die Klubkasse spülen.Bild: keystone

Ist es so prekär, dass der FCB nach Dubai reist, um 200'000 Franken Trainingslagerkosten zu sparen?
Wir hatten das Trainingslager bereits storniert. Wir hätten uns ein Trainingslager in der bisherigen Form nicht leisten können und wären in Basel geblieben. Aber dann kam die Einladung.

Mit deren Annahme Sie die eigenen Fans verärgern.
Einen Teil davon. Wir haben mit den Fans gesprochen und ihnen erklärt, dass wir die Einladung annehmen werden. Wir haben uns in Abwägung von allen Vor- und Nachteilen entschieden, nach Dubai zu fliegen, und dazu stehen wir. Am Ende haben wir für den Klub entschieden und müssen Fans und Klubführung ihre Aufgaben wahrnehmen. Wenn die einen nicht mehr entscheiden können, weil sie Angst vor den anderen haben, können wir den Laden dichtmachen.

Inwieweit ist eine Reise nach Dubai mit dem aktualisierten Handelsregistereintrag zu vereinbaren? Darin heisst es, der Verein lehnt jegliche Diskriminierungen, insbesondere politischer, religiöser und ethnischer Art ab.
Das Eine hat nichts mit dem Anderen zu tun. Wir massen uns nicht an, Länder und Menschen in Kategorien aufzuteilen. Es ist nicht unsere Aufgabe, da Massstäbe zu setzen, und wir haben keinen Wert verletzt, der irgendwo steht. Aber wir akzeptieren, wenn Leute das anders sehen. Wir sind es gewohnt, dass man bei unseren Entscheiden immer zuerst schaut, was daran falsch sein könnte. Positiv ist doch, dass wir uns trotz unserer finanziellen Lage perfekt auf die Rückrunde vorbereiten können.

Die FCB-Fans protestieren immer wieder gegen neue Entwicklungen im Fussball und im Klub.
Die FCB-Fans protestieren immer wieder gegen neue Entwicklungen im Fussball und im Klub.Bild: keystone

Haben Sie nicht Angst, dass Ihre durchgreifende Art und gewisse Entscheide langfristig zu einem Imageverlust des FCB führen?
Darauf achten wir stark. Es ist relativ simpel. Unsere Vorgänger hatten eine Mäzenin, ihre Nachfolger konnten durch den sportlichen Erfolg 100 Millionen erwirtschaften und unsere direkten Vorgänger haben das Ersparte wieder ausgegeben. Pfff. Weg. Was wollen wir denn jetzt machen? Wenn mir jemand sagt, wie das besser gemacht werden kann, höre ich gerne zu. Aber aktuell bleibt uns nichts anderes übrig, als gewisse heilige Kühe anzupacken. Wir werden damit keinen Freundschaftspreis gewinnen. Aber wir haben keine andere Option.

Verstehen Sie die Sorge der Fans, dass der FCB seine Seele verkauft?
Wir machen aus dem FCB keine Kommerzmaschine. Aber wir müssen ihn so aufstellen, dass er auch in Zukunft das macht, was er schon immer gemacht hat: die Leute begeistern. Und das kriegen wir nur hin, wenn die Rechnung aufgeht.

Spüren Sie aktuell noch den Goodwill wie zu Beginn Ihrer Amtszeit?
Ich habe das Gefühl, dass wir von Anfang an sehr kritisch beäugt wurden. Das ist auch richtig so. Die Macht des FCB war mir am Anfang nicht so bewusst. Wenn ich durch die Stadt gehe, habe ich gefühlt keine ruhige Minute, weil ich beobachtet oder sogar gefilmt werde. Bei David Degen ist es noch schlimmer. Aber das ist okay. Darauf haben sich alle Beteiligten in der neuen Führungscrew eingelassen. Darüber beklagen wir uns nicht. Aber in Basel wird – verständlicherweise – sehr schnell geurteilt. Doch ich bin felsenfest überzeugt, dass wir das richtige Setup mit den richtigen Leuten haben, um den Klub wieder dahinzuführen, wo er hingehört. Der Weg dahin wird nicht angenehm, nicht kurz und nicht einfach, und wir sind auch noch lange nicht durch.

Auf den Weg nach Genf haben sich auch am Sonntag die FCB-Fans gemacht, obwohl die Gästesektoren geschlossen sind. Droht heute ein ähnliches Szenario, zumal die Kurve im Vorfeld für einen Besuch warb?
Eines ist mir wichtig zu betonen: Ja, es war nicht so gedacht, und es war auch nicht im Sinne des Erfinders. Ja, als Klub muss ich sagen, das ist nicht gut. Aber: Unsere Fans haben sich auf der Gegentribüne in Genf und auch bei der An- und Abreise hochkorrekt verhalten. Mit Maske, ohne Scharmützel, alles in Ordnung, abgesehen von ein paar Pyros. Gegen die pauschalisierte Verurteilung von Fangruppen wehre ich mich persönlich und wehrt sich auch der FCB stark. Das ist nicht zielführend.

Ein paar Hundert FCB-Fans besorgten sich am letzten Wochenende Tickets für die Gegengerade im Stade de Genève.
Ein paar Hundert FCB-Fans besorgten sich am letzten Wochenende Tickets für die Gegengerade im Stade de Genève.Bild: keystone

Erwarten Sie an diesem Mittwoch viele FCB-Fans in Bern?
Ja. Und ich gehe davon aus, dass sie das hochanständig machen werden. Sie sind freie Menschen und dürfen an den Weihnachtsmarkt nach Bern.

Themawechsel: Wie viele Anteile haben Sie übernommen?
Johannes Barth, Marco Gadola, Dan Holzmann und ich haben zusammen 15 Prozent.

Wie viel davon Sie selbst halten, wollen Sie nicht verraten?
Nein. Wir glauben nicht, dass das relevant ist.

Wie sieht es mit der Holding AG aus? Es heisst, der Verwaltungsrat werde ausgedünnt.
Am 27. Dezember findet die Generalversammlung statt. Sophie Herzog, Christian Gross und Johannes Barth scheiden aus, auch Reto Baumgartner als Verwaltungsratspräsident. Neu hinzukommen Dan Holzmann und Ursula Rey-Krayer. Das heisst, die relevanten Aktionäre – David Degen, Ursula und Andreas Rey – sowie Dan Holzmann, Marco Gadola und ich werden im Verwaltungsrat der Holding AG vertreten sein.

Dani Büchi weiss, dass er sich auch unbeliebt macht.
Dani Büchi weiss, dass er sich auch unbeliebt macht.Bild: keystone

Wie geht es mit Reto Baumgartner weiter, der derzeit alle drei Präsidentenämter beim FCB bekleidet?
In der Holding wird es mit dem 27. Dezember den Wechsel geben: David Degen wird dann Reto Baumgartner als Präsident ablösen. In der FC Basel 1893 AG haben wir im Moment zwei Vereinsvertreter: Reto Baumgartner und Carol Etter. Und das finden wir gut. Auch wenn wir manchmal kontroverser Meinung sind, wie beim Thema Dubai. Und aus Sicht der Holding und der AG ist Reto Baumgartner der Präsident der AG, den wir uns gewünscht haben, und wir würden es auch befürworten, wenn er Präsident des Vereins bleibt. Aber da mischen wir uns nicht ein.

Apropos Verein: Sie waren bei den Grasshoppers bei den Fussballerinnen involviert. Was bedeutet Ihr Faible für den FCB-Frauenfussball?
Dass wir ihn enorm pushen werden. Das ist mir persönlich ein riesiges Anliegen, weil ich an diese Bewegung glaube. Wir wollen die Professionalisierung vorantreiben, weil wir hier in Basel Möglichkeiten und die Infrastruktur haben, die es so nirgends in der Schweiz gibt. Und unser Ziel ist es, die Frauen-Abteilung in die FC Basel 1893 AG zu integrieren, spätestens nächsten Sommer.

Der Frauenfussball nimmt beim FC Basel eine wichtige Rolle ein.
Der Frauenfussball nimmt beim FC Basel eine wichtige Rolle ein.Bild: keystone

Lassen Sie uns noch über die erste Mannschaft reden. Welchen Einfluss haben die beiden letzten Spiele für die Hinrundenanalyse?
Unsere sportliche Bilanz wird nicht an ein paar Resultaten festgemacht. Die wird nicht gross anders ausfallen, ob wir nun gegen YB 0:3 verlieren oder 4:0 gewinnen. Wir versuchen das Ganze sehr langfristig, ruhig und mit einer gewissen emotionalen Distanz anzuschauen.

Sie vielleicht. Aber David Degen?
Es ist ja auch nicht David Degen, der alleine entscheidet. Ja, er ist emotional, und ja, wenn er die Möglichkeit hat, etwas laut oder leise zu sagen, dann sagt er es wahrscheinlich laut und direkt. Aber der FCB stünde heute nicht da, wo er ist, wenn David Degen nicht tagtäglich der Motor von all dem wäre. Überall. Wenn ich etwas mache und finde es eigentlich ganz okay, dann sagt er: «Nein, nein, das muss besser und schneller gehen.» Und ich habe bereits hohe Ansprüche.

Auf was darf man sich zum Jahreswechsel gefasst machen? Eine wilde Transferzeit wie im Sommer?
Also unsere Kontingentsliste hat nicht noch einmal so viel Platz für so viele Änderungen. Jetzt ziehen wir erst einmal sportlich Bilanz. Es ist definitiv nicht alles gut gewesen, da müssen wir genug selbstkritisch sein. Im Cup sind wir raus, in der Conference League haben wir vielleicht sogar mehr als erfüllt, und in der Meisterschaft schauen wir mal, was in den letzten beiden Spielen passiert. Aber es geht nicht nur um die Resultate. Wir müssen bewerten, ob die Änderungen, die wir angeschoben haben, so herausgekommen sind, wie wir das wollen. Wir sind noch lange nicht am Ende der Entwicklung. Aber so einen Umbruch wie im Sommer werden wir im Winter nicht noch einmal haben.

Die Spieler sprechen von der Meisterschaft, die Führung öffentlich davon, vorne dabei sein zu wollen.
Besser so als umgekehrt. Klar muss das immer das Ziel des FC Basel sein. Aber: Wir sind erst im Mai hier gestartet. Da wäre es unangebracht gewesen, schon für diese Saison ein solches Ziel auszugeben, aber das heisst nicht, dass wir nicht alles daransetzen, Meister zu werden.

Patrick Rahmen hat beim FCB nur einen Vertrag bis im nächsten Sommer.
Patrick Rahmen hat beim FCB nur einen Vertrag bis im nächsten Sommer.Bild: keystone

Haben Sie eine Meinung zum Trainer? Wann redet man mit ihm über eine Vertragsverlängerung?
Ich verstehe mich gut mit ihm, und wir reden täglich mit ihm. Manchmal David Degen, mal ich, mal unser Kaderplaner Philipp Kaufmann. Im Moment ist alles gesagt, was gesagt sein muss. Da lassen wir uns von aussen keinen Druck machen.

Sie sind immer noch auf Mandatsbasis für den FCB tätig?
Ja und das wird auch so bleiben. Aber im Grunde ist es nichts anderes als ein 80-Prozent-Arbeitsvertrag mit einem Pensum von 150 Prozent. Das geht im Moment, da meine anderen Unternehmen gut laufen und zum Beispiel das «Moon & Stars» dieses Jahr nicht stattgefunden hat. Neben dem FCB hätte ich das nicht hinbekommen.

Auch künftig wird Ihnen kaum langweilig werden beim FCB.
Das hoffe ich nicht. Wir haben in den letzten Wochen wichtige Leute für den FCB gewinnen können. Sie wollen Verantwortung übernehmen und den FCB vorwärtsbringen. Mit jeder Verstärkung können wir die Verantwortung, die im Moment noch zu fest bei Dave und mir liegt, besser verteilen.

Wie viel Verständnis haben eigentlich Ihre Zürcher Freunde für Ihre neue rotblaue Liebe?
Sie haben mich entfreundet (lacht). Nein, Spass bei Seite. Ich freue mich, wenn ich am Abend ins Auto steige und heimfahre, denn zu Hause warten zwei grosse FCB-Fans auf mich. Vor allem mein zehnjähriger Sohn will immer genau wissen, was ich jeweils gemacht habe, welche Spieler wir kaufen, wer beim nächsten Spiel spielt, warum Dave nach Afrika geht, und so weiter. Vor ein paar Tagen hat er mich gefragt, ob er meinen Job beim FCB eigentlich erben darf. Und ich war auch schon mit den E-Junioren des FC Herrliberg, die ich trainiere, hier im Joggeli. Da laufen jetzt ganz viele im FCB-Trikot rum. Das bringt mir natürlich nicht nur Freunde.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die teuersten Zu- und Abgänge der Schweizer Top-Klubs

1 / 26
Die teuersten Zu- und Abgänge der Schweizer Top-Klubs
quelle: keystone / patrick b. kraemer
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Penalty-Duell gegen Pascal Zuberbühler

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«The next Neymar» – der 15-jährige Endrick ist Brasiliens neustes Fussball-Wunderkind

Endrick Felipe Moreira ist gerade mal 15 Jahre alt und doch ist um den jungen Fussballer schon ein unfassbarer Hype entstanden. Kein Wunder: Mit sechs Toren in sieben Spielen hat der 1,73 Meter kleine Stürmer die U20 von Palmeiras fast im Alleingang zum Titelgewinn in der sogenannten «Copinha» geführt.

Zur Story