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Olympia 2024: Daniel Eich hat Bronze – bis sich der Judo-VAR meldet

epa11516053 Peter Paltchik of Israel (white) and Daniel Eich of Switzerland fight during the Men -100kg bronze medal bout of the Judo competitions in the Paris 2024 Olympic Games, at the Champs-de-Mar ...
Daniel Eich am Boden – trotz gutem Wettkampftag verpasst der Schweizer Judoka eine Olympiamedaille knapp.Bild: keystone

Eich begeistert nach verlorenem Bronzekampf mit Fairness: «Wäre ein Quatsch-Sieg gewesen»

Daniel Eich verpasst eine Olympia-Medaille knapp. Der 24-jährige Judoka aus dem Aargau verliert den Kampf um Bronze gegen den Weltranglisten-Elften Peter Paltchik aus Israel und wird Fünfter.
01.08.2024, 18:1401.08.2024, 19:46
marcel hauck, paris / keystone-sda
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Viel dramatischer kann einem eine Medaille nicht aus den Händen gleiten – oder gerissen werden – als Daniel Eich am Schweizer Nationalfeiertag in Paris. Etwa 30 Sekunden stand auf der Tafel das Wort «Winner» hinter Eichs Namen. Doch der Aargauer ahnte, das Unheil schon kommen.

Es war ein Fehler passiert; seinem Gegner um Bronze, dem Israeli Peter Paltchik, war eine Verwarnung (Shido) fälschlicherweise doppelt angerechnet worden; die Disqualifikation wurde zurückgenommen.

Äusserst fairer Verlierer

Ein absolut richtiger Entscheid, wie der äusserst faire Verlierer anschliessend ausführte. «Natürlich denkt man da, bitte lasst es stehen», gab Eich zu. «Es wäre schon cool gewesen. Aber ich fühle mich keineswegs betrogen. Es wäre ein Quatsch-Sieg gewesen.» So blieb im in der Gewichtsklasse bis 100 kg nur der 5. Platz (im Judo gibt es zwei Dritte).

Das Publikum in der Halle goutierte diese VAR-Entscheidung überhaupt nicht. Es deckte den Bronzegewinner aus Israel mit Pfiffen und Buhrufen ein. Das wollte der Schweizer aber nicht so stehen lassen, er posierte mit Paltchik und machte mit einer Handgeste klar, dass dieser den Sieg verdient hatte.

Israel's Peter Paltchik celebrates after defeating Switzerland's Daniel Eich, right, during their men's -100 kg bronze medal match in the team judo competition, at Champ-de-Mars Arena,  ...
Daniel Eich reagiert auf die Pfiffe des Publikums.Bild: keystone

Am Vormittag hatte Eich mit drei zum Teil spektakulären Siegen, unter anderem gegen den Weltranglistendritten und WM-Zweiten Shady Elnahas, brilliert und die Halle elektrisiert. Immer wieder kamen die Chöre «Let's go, Dani». Vor der dreistündigen Mittagspause meinte er: «Alles, was jetzt noch kommt, ist Bonus.»

Am Ende ging es ihm aber wie vor drei Jahren in Tokio Fabienne Kocher. Auf drei Siege folgten zwei Niederlagen im Halbfinal und im Kampf um Bronze.

Er konnte seinen Wettkampf aber erstaunlich schnell einordnen. «Es ist schon irgendwie ein bitteres Resultat», meinte er. «Ich bin aber auch froh, dass ich bis zum Schluss mitkämpfen konnte. Die Stimmung in der Halle ist mega cool, und am Ende war ich sogar nahe dran, eine Medaille zu machen.» Immerhin habe er ja nicht zu den Favoriten gezählt. Nun müsse er sich damit abfinden, dass er bis zuletzt mitgemischt habe.

Im Halbfinal lag Eich schon nach neun Sekunden auf dem Rücken. «Das ist mir so noch nie passiert.» Nervös sei er eigentlich nicht gewesen. Er habe sich nur auf den Kampf und nicht auf die Medaille fokussiert. Aber vielleicht sei er nach der Pause «noch nicht ganz wach» gewesen. «Gegen den Georgier wäre es aber so oder so sehr schwer geworden.»

Näher dran war er im Bronze-Kampf, wo er Paltchik eine Minute vor Schluss eine kleine Wertung zugestehen musste. «Danach ist er halt ein Profi, extrem stabil. »In dem Moment, wo ich ihn ein bisschen packen konnte, hat er seine Abtauchtechnik gemacht. Das war taktisch sehr geschickt.»

Nun stehen für Eich lange Ferien an. »Die nächsten drei bis vier Monate ist Pause vom Judo angesagt, da trainiere ich sicher nicht«, erzählte er. Dann kann er sich auch wieder seinem grossen Hobby, Skateboarden, widmen. Da hat er in den Monaten vor Olympia zurückgesteckt. Gerne wäre er auch in Paris die Wettkämpfe der Skateboarder schauen gegangen, doch «leider habe ich kein Ticket bekommen.»

Nach der Pause hat er aber schon Los Angeles 2028 im Visier. «Ich habe schon Lust auf noch mehr Olympia», versicherte er. (abu/sda)

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Neruda
01.08.2024 18:09registriert September 2016
Judo ist die laienfeindlichste Sportart an den Olympischen Spielen 😄 Keine Ahnung für was die Strafen sind, nicht mal die Experten wissen es 😆 Und dann komische VAR-Entscheide. Judo ist an sich toll, aber absolut ungeeignet als Wettkampfsport. Es ist näher am Kunstturnen als an Kampfsport, da es eigentliche Stilnoten gibt und es überhaupt keine Rolle spielt, wer den Gegner öfter auf den Rücken legt. Das ist jedenfalls wie ein Laie die Wertungen versteht 😅 Und da bin ich nicht alleine in meinem Umfeld 😄
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glointhegreat
01.08.2024 18:02registriert Dezember 2014
Ganz gross von Daniel Eich. Die schiris waren schon das ganze turnier über eine farce.
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oettli
01.08.2024 20:39registriert Februar 2020
Ich war erst schockiert, dann stinksauer und wenige Sekunden später vollkommen perplex ob Eichs unglaubliche Reaktion! Was für ein Sportsmann! Ich kannte ihn nicht, aber dieses Reaktion, diese Sportlichkeit Sekunden machdem er eine Bronzemedallie gewonnen und wieder verloren hatte, werde ich wohl nie vergessen. Hut ab!
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