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Nati-Trainer Vladimir Petkovic soll gehen? Das wäre ein schwerer Fehler

Switzerland's head coach Vladimir Petkovic, pictured during the UEFA Euro 2020 qualifying Group D soccer match between the Switzerland and Gibraltar, at the Tourbillon Stadium in Sion, Switzerlan ...
«Das schauen wir dann.» Petkovic nach der Qualifikation für die EM über seine Zukunft.Bild: KEYSTONE
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Es gibt keinen Grund, sich von Vladimir Petkovic zu trennen

Trotz der erfolgreichen Qualifikation für die EM 2020 weht Vladimir Petkovic eine eiskalte November-Bise entgegen. Reporter versuchen, den Nationaltrainer wegzuschreiben, auch Fans kommen mit seiner kühlen Art nicht klar. Dabei sprechen die Resultate für sich.
19.11.2019, 11:3317.12.2019, 14:45

Im Leistungssport geht es darum, Erfolg zu haben. Wer dies anders sieht, verkennt die Realität. Vladimir Petkovic hat mit seiner Mannschaft Erfolg, das zeigen die Fakten:

  • Unter ihm als Nationaltrainer hat sich die Schweiz zum vierten Mal in Folge für ein Turnier qualifiziert (EM 2016, WM 2018, Nations League 2019, EM 2020).
  • Unter ihm als Nationaltrainer weist die Schweiz einen Schnitt von 1,87 Punkten pro Spiel auf. Erfolgreicher als Petkovic war keiner seiner Vorgänger.
  • Ohne durchwegs zu brillieren hat die Schweiz die Qualifikationsgruppe mit Dänemark, das an der WM 2018 ebenfalls in den Achtelfinal kam, und dem unbequemen Irland gewonnen.

Für die Fussball-Nationalmannschaft als Aushängeschild und wichtigstes Team einer Sportnation geht es aber immer auch um mehr als nur den reinen Erfolg. Sie soll das Land begeistern, sie soll für Emotionen sorgen und Diskussionsstoff liefern.

epa08007145 (L-R) Switzerland's players Nico Elvedi, Michael Lang, Loris Benito, Djibril Sow, Eray Coemert, Christian Fassnacht, Granit Xhaka, Ricardo Rodriguez, Michel Aebischer and Cedric Itten ...
Die Schweizer Spieler feiern mit den nach Gibraltar mitgereisten Fans.Bild: EPA

Offensiver Fussball mit jungen Spielern

Vladimir Petkovic lässt einen mutigen Fussball spielen. Er setzt auf Ballbesitz, will, dass sein Team das Spiel diktiert. Die Schweiz tritt mit dem Selbstverständnis auf, ein «Grosser» zu sein, und versteckt sich nicht. Das ist attraktiv und an sehr guten Tagen, wie beim 5:2-Erfolg über Belgien vor exakt einem Jahr, spektakulär. An weniger guten Tagen wie am Freitag gegen Georgien reicht es immerhin noch zu einem 1:0-Sieg. Über Sinn und Unsinn der FIFA-Weltrangliste kann lange diskutiert werden, aber dass die Schweiz nun seit sieben Jahren nie schlechter als auf Rang 13 klassiert war, besitzt schon Aussagekraft.

Ob notgedrungen oder nicht: Petkovic setzt auf junge Akteure. Denis Zakaria, Nico Elvedi und Manuel Akanji sind Stammspieler, keiner ist älter als 24 Jahre. Und wenn wie nun zahlreiche etabliertere Nationalspieler ausfallen, kommen Spieler wie Ruben Vargas (21) oder Cedric Itten (22) zum Handkuss. Beide zahlten das Vertrauen mit Einsatz und Toren zurück.

Switzerland's forward Cedric Itten, left, celebrates his goal after scoring (5-1) with Switzerland's defender Loris Benito, right, during the UEFA Euro 2020 qualifying Group D soccer match b ...
Der neuste Trumpf: Cedric Itten. In seinen ersten zwei Länderspielen erzielte er drei Tore.Bild: KEYSTONE

Wie wenn es in der Kantine täglich Cordon Bleu gibt

Dass die Wogen der Begeisterung nach einer gelungenen Qualifikation nicht mehr hoch gehen, kann kaum Petkovic angelastet werden. Logisch war die Schweiz entzückt, als sie sich 1993 für die WM in den USA qualifiziert hatte, nach 28 Jahren ohne eine Turnierteilnahme. Logisch auch, dass sich beim Anhang mit der Regelmässigkeit von WM- und EM-Teilnahmen eine gewisse Sättigung eingestellt hat. Zumal es schon schwierigere Missionen gab, sich für ein Turnier zu qualifizieren, als für eine EM mit 24 Teilnehmern.

Es ist für die aktuelle Mannschaft, ganz gleich welche Stärken, Schwächen und Charaktere die Spieler und der Trainer besitzen, auch aus diesem Grund schwieriger geworden, für überschwängliche Euphorie im Land zu sorgen. Wenn es in einer Kantine am Montag Cordon Bleu gibt, stehen die Hungrigen dafür Schlange. Wenn es dann auch am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag Cordon Bleu gibt, legt sich die Begeisterung. Genau so ist es bei der Nati.

Petkovic und seine Auswahl können nichts dafür, dass sie so erfolgreich sind wie ihre Vorgänger. Aber es muss für sie umso mehr ein Ansporn sein, endlich über diesen vermaledeiten Achtelfinal hinaus zu kommen. Die Kritik kann auch als Kompliment gewertet werden: Man traut der Mannschaft etwas zu, noch mehr als früheren Generationen.

Verband reagierte auf Probleme

Selbstverständlich gibt es auch Schwächen. In der Kommunikation hat Petkovic nach wie vor Aufholbedarf. Er wirkt manchmal spröde, angesäuert, und vor allem wirkt er stets wie einer, der hinter jeder Hecke einen Schützen vermutet. Selbst dann, wenn er einen Scherz macht, wirkt er gehemmt.

Switzerland's head coach Vladimir Petkovic, left, and Pierluigi Tami, director of the national team, right, during a training session a day before the UEFA Euro 2020 qualifying Group D soccer mat ...
Tessiner unter sich: Petkovic und Nationalteam-Direktor Tami.Bild: KEYSTONE

Beim Verband wurde das Manko erkannt: Man trennte sich vom Medienchef und in Pierluigi Tami bekam Petkovic einen neuen Vorgesetzten. Als Direktor der Nationalteams soll er den Trainer führen, er soll ihn unterstützen, auch einmal zurechtweisen. Es wird sich zeigen, inwieweit es der 56-jährige Petkovic zulässt, geformt zu werden.

Deutsch ist nicht Vladimir Petkovics Muttersprache, dafür kann er nichts. Interviews mit ihm sind für Zuhörer oft eine Qual. Vielleicht kommt er auch deshalb schlecht weg. Dabei jubeln wir Deutschschweizer sonst ja jedes Mal, wenn ein Romand mit Akzent sich Mühe gibt und Deutsch spricht. Aber Petkovic kommt nicht aus dem Westen, sondern aus dem Osten, und es ist leider so, dass viele mit ihm vor allem deshalb nicht warm werden, weil er vom Balkan ist. So wie einige seiner Spieler, andere sind dunkelhäutig. Das Team hat für einige ewiggestrige Anhänger – und für Wutbürger, die behaupten, Fussball kümmere sie nicht und die sich dann doch in den Kommentarspalten melden, – mehr mit einer Welt- als mit einer Landesauswahl zu tun.

Resultate für sich sprechen lassen

Im Zuge der Doppeladler-Affäre machte die Nati-Führung eine schlechte Figur, wie auch bei der Ausbootung von Valon Behrami oder dem Fernbleiben von Xherdan Shaqiri. Doch es ist ebenso falsch, Petkovic immer noch einen Strick daraus zu drehen, wie noch lange dem verlorenen WM-Achtelfinal 2018 gegen Schweden nachzutrauern. Die Probleme wurden angegangen und es wird versucht, keine ähnlichen Fehler zu machen. Wenn nun versucht wird, Petkovic aus dem Amt zu schreiben, dann stützt man sich bei der Argumentation auf solche Nebenschauplätze.

Ein Volksheld wie «King» Roy Hodgson oder Köbi «National» Kuhn wird aus Vladimir Petkovic nie werden, oder erst dann, wenn die Schweiz einen Titel gewinnt. Aber er kann an seinen Schwächen arbeiten und die Resultate für sich sprechen lassen. Solange sie das machen und sich die Mannschaft in der Tendenz positiv entwickelt, gibt es keinen triftigen Grund, dass die Zusammenarbeit mit Vladimir Petkovic nach der Europameisterschaft 2020 endet. Das grössere Problem als der Trainer ist, dass zu viele etablierte Nationalspieler in ihren Klubs nur die zweite Geige spielen.

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