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Die Schweizer Biathletinnen Selina, Elisa und Aita Gasparin, von links, aufgenommen im Rahmen eines Trainings des Swiss-Ski Biathlon-Team, am Dienstag, 1. November 2016, in Lenzerheide. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Die Gasparins, die bekannteste Schweizer Biathlonfamilie: Selina, Elisa und Aita (v. l.). Bild: KEYSTONE

Kommentar

Liebeserklärung an den besten Sport der Welt: Biathlon. Ja, Biathlon!

Heute wird die Biathlon-Saison mit dem Einzel der Frauen in Östersund eingeläutet. Endlich! Für mich ist der Sport mit dem Gewehr und den Langlaufskis das Grösste, das es gibt.

Donat Roduner
Donat Roduner



Der Fussball hat mich schon als kleines Kind erwischt. Für mich war klar: Es kann keine bessere Sportart geben. Und das war auch lange so, sehr lange sogar. Doch dann habe ich mich neu verliebt. Aus dem Nichts. Wieso genau, weiss ich bis heute nicht. Denn die neue Flamme hat mir bis dahin nicht das Geringste bedeutet, dieses Biathlon.

«Was ist ist das nur für eine doofe Mischung: Schiessen und Langlauf, das interessiert ja beides keine Sau», dachte ich – bis ich mich 2012 beruflich mit Biathlon auseinandersetzen musste. Als Stagiaire bei der Nachrichtenagentur Sportinformation (heute sda Sport) wurde mir diese Disziplin quasi zugetragen. Ganz zu Beginn war ich darob irritiert, weil ich mit dieser Sportart bis dahin ja nichts anfangen konnte. Aber ich merkte zu meinem grossen Erstaunen sehr schnell:

Biathlon ist der beste Sport der Welt.

Fakt

Klar, kann man das als Verblendung abtun – das ist ja noch oft der Fall, wenn man verliebt ist –, aber für obige Aussage gibt es triftige Gründe.

Geniale Kombination

Die Verbindung von Langlauf und Schiessen ist tatsächlich die genialste in der ganzen Sportwelt. Auf der einen Seite die auf der Loipe praktizierte, äusserst fordernde Ausdauer-Sportart und auf der anderen die Präzision, die im Schiessstand gefordert ist. Die besten Biathleten können mit der Langlauf-Elite mithalten und treffen gleichzeitig mit Puls 160 aus 50 Metern verlässlich eine Scheibe, so klein wie ein Fünfliber. Eine Meisterleistung!

Bild

So sieht es aus, wenn Biathleten wettkampfmässig schiessen. bild: donat roduner

Glaub mir, ich weiss, wovon ich rede. Ich durfte nämlich auch mal Hand anlegen: Ich habe mit dem Kleinkalibergewehr vier von fünf Scheiben getroffen. Liegend, in Ruhe, und auf die Stehend-Scheibe (11,5 cm Durchmesser). Stehend ist es gefühlt unmöglich, die Flinte stabil zu halten und doch räumen die Profis, nach Atem ringend (sie müssen diesen ja trotz der Belastung anhalten), in beeindruckender Regelmässigkeit alle Scheiben ab. Das ist Mal für Mal faszinierend.

Stimmung und Spannung

Bezüglich Popularität hat der Sport hierzulande noch Potenzial, doch bei den Weltcuprennen in Europa pilgern jeweils mehrere 1000 Fans an die Wettkampfstätten und sorgen dort für prickelnde Stimmung. Was abgeht, wenn die jeweils einheimischen Helden zum Schiessstand kommen, ist sehr spannend zu beobachten. Purer, schallender Enthusiasmus, wenn die Scheibe fällt. Totenstille, wenn sie stehen bleibt. Ein Biathlon-Rennen live zu erleben, gibt dem Ganzen noch eine zusätzliche Dimension.

Der Wettkampfaufbau ist aber derart sensationell, dass sich Biathlon auch ohne Weiteres zuhause auf dem Sofa geniessen lässt. Rennen sind stets durchgehend hochspannend. Im Gegensatz zu beispielsweise Langlauf-Rennen (ich mag Langlauf, glaub mir), die oftmals schon nach der Hälfte entschieden sind, kann bis zum letzten Schiessen alles passieren. Biathlon ist die perfekte Plattform für epische Dramen und Heldengeschichten.

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Dramatisches Finish an der WM 2013 in Nove Mesto mit Emil Hegle Svendsen, der Martin Fourcade letztlich um 2,4 cm bezwingen konnte. Video: YouTube/BiathlonUA

Kommt hinzu, dass die Rennen die perfekte Länge haben. Ob Sprint, Verfolgung, Massenstart oder die Königsdisziplin Einzel: Der Wettkampf dauert zumeist zwischen einer und anderthalb Stunden, er ist also weder zu kurz noch zu lang. Die ideale Dauer, um mit voller Aufmerksamkeit dabei zu bleiben.

Dabei hilft übrigens auch der Live-Service der IBU, der Internationalen Biathlon-Union, mit dem in Echtzeit jedes noch so kleine Detail mitverfolgt werden kann. Das hilft vor allem, wenn die Schweizer wieder einmal nicht im TV gezeigt werden.

Die Schweizer

Der helvetische Aspekt spielt natürlich eine Rolle. Würden wir Schweizer uns in dem Mass für Skispringen interessieren, wenn es Simon Ammann nicht gäbe? Eher nicht. Ähnlich verhält es sich mit Biathlon. Da haben wir zwar noch keinen Simon Ammann oder Dario Cologna, aber immerhin eine Selina Gasparin oder einen Benjamin Weger. Sprich: zwei Athleten, denen man in Bestform stets das Podest zutrauen kann.

19.02.2014; Sotschi; Olympische Winterspiele Sotschi 2014 - Biathlon - Mixed-Staffel; (l-r) Benjamin Weger (SUI), Selina Gasparin (SUI) (NordicFocus/freshfocus)

Benjamin Weger (l.) und Selina Gasparin, hier bei der Mixed-Staffel an den Olympischen Winterspielen in Sotschi, sind die Schweizer Aushängeschilder. Bild: NordicFocus/freshfocus

Swiss Ski macht im Biathlon hervorragende Nachwuchsarbeit, sodass man sich Winter für Winter über neue Gesichter freuen kann, deren Entwicklung sich zu beobachten lohnt. Saison für Saison wird die Teamleistung besser. Das wird vor allem auf diesen Winter zutreffen, da Selina Gasparin nach ihrer Mutterschaftspause in den Weltcup-Zirkus zurückkehrt und sich Weger für zuletzt mässige Leistungen rehabilitieren will.

Und was ich aus erster Hand weiss: Die Schweizer Biathleten sind auch persönlich äusserst sympathisch.

Und wo sonst passieren solche Sachen?

Anyway, ich könnte stundenlang weiterbrabbeln. Aber ich halte es für schlauer, mich wieder meiner Liebe hinzugeben. Heute um 18 Uhr treffe ich sie ja wieder! Und dir rate ich, spontan ein Date aufzusetzen, denn sie ist ganz und gar nicht monogam und wird auch dir gefallen. 😉

Man erinnert sich gerne zurück: Selina Gasparin gewinnt in Sotschi Silber

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14.2. Selina Gasparin Silber Biathlon Sotschi
quelle: keystone / jean-christophe bott
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