Was das Verrückteste an der Debatte «Ronaldo vs. Messi» ist
Kein Tor, kein Fehlschuss und kein Titelgewinn von Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo, der nicht sofort als Argument in der ewigen Debatte verwendet wird, wer denn nun der bessere der beiden sei.
So auch an dieser WM: Am Tag nach Messis Hattrick gegen Algerien zum Auftakt sah die Fussballwelt einen Ronaldo, der gegen die DR Kongo vergeblich versuchte, seinen ewigen Rivalen zu kontern, und dabei fast zu einer tragischen Figur wurde. Triumphierend zog die eine Seite über die andere her. Dann kam ein weiterer Messi-Doppelpack gegen Österreich, doch dieses Mal konnte Ronaldo zurückschlagen: Auch er traf beim Sieg gegen Usbekistan zweimal. Damit hat die Ronaldo-Seite ebenfalls neue Argumente.
Sowohl Messi als auch Ronaldo haben so gut wie alles gewonnen, was es im Fussball zu gewinnen gibt – wobei bei Letzterem noch eine grosse Lücke klafft, die der Argentinier vor vier Jahren schliessen konnte. Sie sind die mit Abstand besten beiden Fussballer dieses Jahrtausends und womöglich der Geschichte. Natürlich wird da leidenschaftlich und oft auch erbittert darüber diskutiert, wer wirklich der Beste war. In meinen Augen ist die Frage aus fussballerischer Sicht relativ einfach zu beantworten. Darum soll es hier aber nicht gehen.
Denn das eigentlich Wahnsinnige an dieser Debatte ist nicht, wie viele Emotionen – und leider auch Missgunst und gar Hass – diese in manchen Menschen weckt. Sondern vielmehr, dass wir die Diskussion überhaupt noch führen.
Lionel Messi feiert am heutigen Mittwoch seinen 39. Geburtstag, Cristiano Ronaldo ist gar 41 Jahre alt. Ihre erste Weltmeisterschaft liegt mittlerweile 20 Jahre zurück. Messi war 2006 noch Ergänzungsspieler, Ronaldo bereits Stammspieler, aber im Schatten von Luis Figo. 2010 reisten die beiden dann als grösste Stars ihres Sports an. Als Champions-League-Sieger und Ballon-d'Or-Gewinner. Seither prägt ihre Rivalität den Fussball und die Weltmeisterschaften.
Obwohl sich dort beide häufig schwertaten, führten sie stets ein Fernduell. Und das tun sie noch immer. Während sie aus dem europäischen Klubfussball verschwunden sind – Messi spielt in Nordamerika, Ronaldo in Saudi-Arabien –, überstrahlen sie bei der WM wieder jegliche neuen Superstars. Erling Haaland erzielte in zwei Partien bisher zwei Doppelpacks. Kylian Mbappé ebenso. Und doch dreht sich in den (sozialen) Medien weltweit alles um Messi und Ronaldo. Sie wecken eben noch immer das grösste Interesse.
Auch 20 Jahre nach ihren ersten Auftritten an einer WM sind sie die grössten Leuchttürme ihres Sports. Dass eine Rivalität eine Sportart über so lange Zeit geprägt hat, gab es noch nie – und sollte eigentlich gar nicht möglich sein. Das ist das Verrückte an dieser Debatte. Dass sie noch nicht der Vergangenheit angehört, weil Ronaldo und Messi so viel Arbeit in ihren Körper stecken und natürlich auch von modernen Möglichkeiten und Kenntnissen profitieren, dass sie noch immer relevant sind und am grössten Turnier im Fussball eine grosse Rolle spielen können.
Deshalb ist es auch egal, wer nun der Bessere ist. Das ist am Ende Meinungssache – und ohnehin noch nicht abschliessend zu sagen. Denn Argumente liefern die beiden ja noch immer jedes Mal, wenn sie den Fussballplatz betreten.
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