Der Funke fehlt noch – die Nati kann ihn zünden
Die Welt dreht sich immer schneller. Es ist gerade mal zwei Jahre her, da begeisterte die Schweizer Fussball-Nati das ganze Land. An der EM fertigte sie Italien ab und gegen England stand für den Einzug in den Halbfinal nur das Penaltyschiessen im Weg.
Doch gerade im Fussball sind zwei Jahre eine lange Zeit. Und trotz souveräner Qualifikation für die WM in den USA, Kanada und Mexiko wollte der Funke noch nicht recht überspringen. Was natürlich zu einem grossen Teil an den Umständen (die Stichworte lauten: Trump, Infantino und FIFA) liegt und weniger am Nationalteam.
Wenn es der Mannschaft von Murat Yakin gelingen will, in der Heimat für WM-Euphorie zu sorgen, sollte sie die Schweizer Frauen kopieren. Die legten an der Heim-EM gleich im ersten Spiel los wie die Feuerwehr und schufen mit ihrem beherzten Auftritt die Basis für ein gelungenes Turnier.
Mit dem Engagement sollten die Parallelen allerdings aufhören, denn die Frauen verloren damals das Startspiel trotzdem. Den Männern sollte das nicht passieren, wenn sie heute Abend zum Turnierauftakt auf Katar treffen.
Trainer Murat Yakin verfügt über eine eingespielte Mannschaft mit einem sehr routinierten Kern um Captain Granit Xhaka (146 Länderspiele). Diese Konstanz im Team ist Yakins grosser Trumpf.
Dazu kommen ein aufstrebender Jungstar wie der vielseitig einsetzbare 20-jährige Johan Manzambi und mit Spielern wie Christian Fassnacht oder Cedric Itten solche, die ihre Rolle kennen und da sind, wenn sie benötigt werden. Xhaka ist der unumstrittene Chef und dass er nach dem letzten Testspiel allen anderen Feuer unter dem Hintern machte, kann dem Team nur gut tun.
Die erfolgreichste WM aller Zeiten soll es werden, hofft Verbandspräsident Peter Knäbel. Das wäre bei einer Viertelfinal-Qualifikation der Fall – aber natürlich träumt das Team von mehr. Verpokert sich Yakin, wie im WM-Achtelfinal 2022 gegen Portugal, endet die Reise früher als erhofft. Knüpft die Schweiz an ihre Leistungen in der K.o.-Phase der EM 2024 an, kann es hoch hinausgehen.
Katar, Bosnien-Herzegowina und Co-Gastgeber Kanada – das sind der Reihe nach die ersten Gegner. Die Auslosung bescherte der Schweiz nicht nur eine sehr lösbare Gruppe, sondern dazu auch einen Parcours, der perfekt ist, um sich im Verlauf des Turniers weiter zu steigern. Und spätestens wenn die Nati ennet dem Teich von Sieg zu Sieg eilt, wird die Schweiz von einer WM-Euphorie erfasst werden.
