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Weshalb die Auswärtstor-Regel endlich abgeschafft gehört

epa05955993 Real Madrid's fans jubilate the qualification for the final after the UEFA Champions League semifinal second leg match between Atletico de Madrid and Real Madrid at the Vicente Calder ...
Plötzlich jubelte Real und Atlético stand im Regen. Bild: EPA/EFE
Kommentar

Weshalb die Auswärtstor-Regel endlich abgeschafft gehört

Die Auswärtstor-Regel schaffte es gestern, ein unerwartet spannendes Fussballspiel innert wenigen Augenblicken zu zerstören. Aus diesem und anderen Gründen finde ich: Diese Regel muss endlich verschwinden.
11.05.2017, 14:0211.05.2017, 17:59

Was war das für ein Start in das gestrige Halbfinal-Rückspiel zwischen Atlético und Real Madrid. «Atléti», dem niemand hier auf der watson-Redaktion noch irgendeine Chance gegeben hat, ist nach 16 Minuten plötzlich wieder voll dabei.

Saul Niguez per Kopf und Antoine Griezmann per Penalty bringen das Heimteam 2:0 in Führung und das Estadio Vicente Calderon zum Beben. Noch ein Tor und das 0:3 aus dem Hinspiel wäre wettgemacht. Nachdem ich zu Beginn ernsthaft erwägt habe, das Hockey-WM-Spiel Deutschland gegen die Slowakei der Champions League vorzuziehen, war ich nun voll dabei. Naja, bis zur 42. Minute.

Das wunderschöne 1:2, das leider das Spiel zerstörte.Video: streamable

Dann kamen Karim Benzema, Toni Kroos und Isco und zerstörten nicht nur Atléticos Hoffnungen, sondern auch das Spiel. Es war ein wunderschönes Tor – unglaublich herausgespielt von Benzema. Ein Tor, über das ich mich als neutraler Fussballfan normalerweise freue. Aber ich freute mich nicht. Denn die Spannung war weg. Aufgrund der Auswärtstor-Regel hätte Atlético plötzlich nochmals drei Tore gebraucht – in einer Halbzeit gegen Real ein Ding der Unmöglichkeit.

Einer meiner Kollegen regt sich ebenfalls auf – ich gebe ihm Recht.
Einer meiner Kollegen regt sich ebenfalls auf – ich gebe ihm Recht.bild: watson

Ich fragte mich mal wieder, weshalb die Auswärtstor-Regel im Fussball immer noch existiert. Klar, sie dient vor allem dazu, langwierige Verlängerungen oder – noch schlimmer – Penalty-Lotterie zu verhindern. Leider macht diese Regel aber vor allem Rückspiele unattraktiv, das Wunder von Barcelona mal ausgenommen. Einerseits, weil im Rückspiel genau so viel Resultat-Fussball gespielt wird wie im Hinspiel. Andererseits, weil ein Auswärtstor – wie gestern in Madrid – ein Spiel töten kann.

Weshalb soll ein Auswärtstor überhaupt noch «belohnt» werden? Ist es heutzutage immer noch schwierig in fremdem Stadien ein Tor zu erzielen? Ich finde nicht. Reisestrapazen gibt es für den modernen Fussballer mit Charterflügen und modernen Manschaftsbussen nicht mehr. Und auch die Platzverhältnisse sind heutzutage meistens so gut, dass keine signifikanten Unterschiede zu spüren sind. Selbstverständlich spielt man lieber vor dem eigenen, jubelnden Anhang, statt vor einer pfeifenden Meute von Gästefans. Das alleine rechtfertigt in meinen Augen aber nicht, weshalb ein Auswärtstor in entscheidenden Moment plötzlich wertvoller sein soll.

In der Champions Hockey League – man möge es mir verzeihen, dass ich hier die Brücke zum Eishockey schlage – gibt es in der K.o.-Phase keine Auswärtstor-Regel. Nun ist diese Liga auch nach drei Jahren immer noch ein billiger Abklatsch des Pendants aus dem Fussball, aber dieses Detail ist lobenswert.

In der CHL wird nach einer Woche Pause theoretisch beim Spielstand aus dem Hinspiel weitergespielt. Bei Gleichstand nach 120 Minuten gibt's eine 10-minütige Verlängerung und danach ein Penaltyschiessen. Anfangs war ich gegenüber diesem Modus kritisch eingestellt. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass mir das gefällt.

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Es gibt kein mühseliges Rechnen, bei welchem Spielstand welches Team weiterkommt. Die Teams verwalten in Hin- und Rückspiel nicht nur das Resultat. Und es gibt keine Partien, die bereits vor dem Ende durch ein einziges Tor entschieden sind. Dieses Format würde auch die K.o.-Phase in der Fussball-Champions-League attraktiver machen. Und Atlético hätte am Mittwoch so auch in der zweiten Halbzeit noch einen kleinen Hoffnungsschimmer gehabt.

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