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Roberto Rodriguez, links, und Bruno Martignoni, rechts, von Aarau beim Fussball Challenge League Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Zuerich vom Sonntag 25. September 2016 in Aarau. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Grosser Fight zwischen Aarau und Zürich im ausverkauften Brügglifeld. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Der Abstieg hat mich als FCZ-Fan genervt. Jetzt gebe ich zu: Die Challenge League macht Spass

Während der FC Basel mit seiner Dominanz die Super League lähmt, belebt der Abstieg des FC Zürich die zweithöchste Spielklasse. Die Challenge League ist so interessant wie nie zuvor.



Wer am Sonntag ins Fussballstadion wollte, hatte verschiedene Optionen. Er konnte sich im Letzigrund den drögen Kick zwischen GC und Vaduz antun, vor weitgehend leeren Rängen. Oder er war im mit 7800 Zuschauern randvollen Brügglifeld und erlebte, wie sich Aarau und Zürich einen intensiven, hoch emotionalen und bis zur letzten Minute spannenden Fight lieferten.

Die beiden Beispiele sind symptomatisch für das erste Viertel der laufenden Saison. Der FC Zürich sorgt für Leben in der Challenge League. Dort tummeln sich Traditionsvereine wie Aarau, Servette, Winterthur und Xamax oder der FC Wil mit seinen türkischen Investoren. «Attraktiver und qualitativ besser war diese Liga noch nie», sagte Axel Thoma, Trainer und Sportchef beim ambitionierten FC Schaffhausen, vor Beginn der Saison. Bislang hat er vollkommen recht.

Die Zuercher Fans bejubeln die Spieler, nach dem Challenge League Fussballspiel zwischen dem FC Zuerich und dem FC Winterthur, am Montag, 25. Juli 2016 im Letzigrund in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Versöhnung mit den Fans beim Saisonstart gegen Winterthur. Bild: KEYSTONE

Das muss man selbst als FCZ-Anhänger anerkennen. «Für den Fan ist die Perspektive Challenge League bitter. Niedermatten statt Joggeli, Derbys auf der Schützenwiese statt im Letzigrund», schrieb ich im Mai, als der Abstieg so gut wie feststand. Jetzt muss ich zugeben: Ich habe mich geirrt. Die zweithöchste Spielklasse ist ein Glücksfall für den FCZ und er für die Challenge League. Bei Auswärtsspielen zieht er die Zuschauer an und füllt die Kassen der Heimklubs.

Zuschauerboom in Zürich

Denn die Fans, die die Zürcher Spieler nach dem Cupsieg gegen Lugano mit fast schon tödlicher Verachtung straften, haben ihre Liebe zum FCZ neu entdeckt. Sie haben mehr Saisonkarten gekauft als im Vorjahr, und der Zuschauerschnitt im Letzigrund ist höher als in der Abstiegssaison. Selbst unter der Woche gegen Servette kamen mehr als 8000 Zuschauer ins Stadion. GC und Vaduz mobilisierten am schönen und warmen Sonntagnachmittag ganze 3500 Nasen.

Das «Unterhaus» ist für den FCZ nach den vielen Irrungen und Wirrungen ein Jungbrunnen, in dem er sich regenerieren kann. Für die Konkurrenz ist der Absteiger ein zwiespältiges Geschenk. Er verschafft der Liga mehr Beachtung, ist mit seinem quantitativ und qualitativ überlegenen Kader aber auch eine kaum zu überwindende Hürde in Richtung Aufstieg.

Langeweile in der Super League

Der FCZ spielt eine ähnlich dominante Rolle wie der FC Basel eine Stufe höher. Doch während der Stadtklub die Challenge League belebt, lähmt der FCB die Super League und sorgt für Langeweile. Die Basler haben noch keinen Punkt abgegeben, sie gewinnen selbst dann, wenn sie mies spielen, wie letzte Woche in Lausanne. Präsident Bernhard Heusler gehen die Argumente aus, mit denen er versucht, die FCB-Monokultur zu beschönigen.

Le joueur balois Eder Balanta, centre, celebre apres avoir marque le deuxieme but lors des arrets de jeu lors de la rencontre de football de Super  League entre le FC Lausanne-Sport, LS, et le FC Basel 1893 ce mercredi 21 septembre 2016 au stade olympique de la Pontaise a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Eder Balanta trifft gegen Lausanne: Der FC Basel gewinnt selbst dann, wenn er schlecht spielt. Bild: KEYSTONE

Die Berner Young Boys haben sich zur Lachnummer gemacht und als ernsthafter Rivale der Basler abgemeldet. GC möchte einer sein, hat dazu aber weder das Publikum noch die Ressourcen. Luzern und St. Gallen haben eine starke Fanbasis, aber nicht die Mittel, um den FCB ernsthaft zu fordern. Sion bleibt unter dem Präsidium von Christian Constantin zu unstet, um ein seriöser Anwärter auf den Meistertitel zu sein. Lausanne und Lugano sind eine positive Überraschung, aber in ihren Städten ist Eishockey Trumpf. Thun und Vaduz bleiben ewige graue Mäuse.

Aufstieg? So schnell wie möglich!

Echte Spannung kommt so nicht auf, der FC Basel kann die Meisterfeier bereits nach dem ersten Saisonviertel planen. In der Challenge League dagegen geht die Post ab, wie am Sonntag in Aarau, wo der FCZ erst auf den letzten Drücker den Ausgleich schaffte. Mit zunehmender Dauer der Meisterschaft werden sich die Zürcher mit ihren wesentlich grösseren Ressourcen wohl von der Konkurrenz absetzen. Deshalb gilt es, die Atmosphäre in der Challenge League zu geniessen. Selbst im pittoresken Stadiönli in Baulmes macht Fussball mehr Spass als im Rheinpark in Vaduz.

Soll der FCZ also gar nicht aufsteigen? Selbstverständlich, so schnell wie möglich. Die aktuelle Spielzeit zeigt, wie sehr die Super League diesen Verein braucht. Bleiben die Canepas vernünftig, wird sich der FC Zürich in absehbarer Zeit wieder als Herausforderer Nummer eins der Basler etablieren. Denn seien wir ehrlich: Welcher andere Verein kommt für diese Rolle sonst in Frage?

Die Chronologie des FCZ-Niedergangs

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