Mujinga Kambundjis Comeback – Schwangerschaft sorgte für ganz neue Herausforderungen
Safuka Kambundji ist nicht nur der Vater von Mujinga und Ditaji. Er ist auch ihr grösster Fan. Er hat seine Töchter in den vergangenen Jahren vom Abendmeeting in Thun bis zur WM in Tokio wenn immer möglich persönlich im Stadion angefeuert. Wer mit dem ausserordentlich freundlichen, stets positiv gestimmten und sich nie in den Vordergrund drängenden Mann spricht, erkennt darin einen der Gründe, wieso seine Töchter zu den populärsten Sportlerinnen der Schweiz zählen. Es ist gelebte Bescheidenheit, die Safuka Kambundji verkörpert.
Nun aber findet sich der aus dem Kongo stammende Mann in einer neuen Rolle wieder. Neuerdings trifft man ihn selbst dann im Leichtathletik-Stadion an, wenn seine Töchter gar nicht auf der Startliste stehen. Doch das mindert den Stolz in seinen Augen in keiner Weise. Im Gegenteil.
Der Grund dafür lehnt sich mit wachsamen Augen in Safuka Kambundjis Arm. Der sechs Monate alte Léon verfolgt das Geschehen am Kick-off-Event des UBS Kids Cup in der Trinermatte Zofingen aufmerksam. Der Sohn von Mujinga Kambundji scheint fasziniert vom Treiben auf der Bahn, wo Kinder zwischen 7 und 13 Jahren beim Sprint, im Weitsprung oder im Ballweitwurf ihr Bestes geben. Rund 150'000 Kinder an über 1000 Events werden bis Ende Sommersaison am mit Abstand grössten und beliebtesten Nachwuchsprojekt im Schweizer Sport teilnehmen.
Der Besuch der Kambundjis beim UBS Kids Cup
In Zofingen sind die Teilnehmenden auch deshalb besonders aufgeregt, weil sich Mujinga und Ditaji Kambundji zum Besuch angemeldet haben. Die grössten Stars der Schweizer Leichtathletik geben Autogramme, ehren die Kategoriensieger und lachen für Selfies in die Kameras. Ihr Ausrüster « On» ist seit diesem Jahr neuer Ausrüster des Projekts.
Der Bezug der Kambundjis zum UBS Kids-Cup geht aber weit über Schuhe hinaus. Mujinga war bereits vor 15 Jahren bei der Lancierung eine der ersten Botschafterin, ihre jüngere Schwester nahm während mehreren Jahren selber daran teil. Auch deshalb sagt Ditaji Kambundji in Zofingen: «Wir sind beste Beispiele für diese Kinder. Ich bin den gleichen Weg gegangen, wie auch sie ihn machen wollen.»
Während Léons Mutter Mujinga Kambundji über die Herausforderungen ihres Comebacks spricht, hütet Grossvater Safuka liebevoll sein Enkelkind im schützenden Schatten der Tribüne. Seine beiden Töchter haben soeben eine neue Erfahrung in ihrer Rolle als Mutter und als Tante gemacht: ein zweiwöchiges Trainingslager mit Kind und Kegel im türkischen Belek.
Auch dort galt die Devise, welche die Familie Kambundji seit vielen Jahren auszeichnet: Jeder hilft mit, wenn es etwas zu tun gibt. So freute sich Klein-Léon zwischen den Trainingseinheiten über ein weltmeisterliches Babysitting durch Ditaji Kambundji. Vor gut 20 Jahren hatte Mujinga ihre zehn Jahre jüngere Schwester selbst auf dem Schoss.
Die doppelte Verwandlung des Körpers
Nun spricht sie über ihre Pläne, im Juni wieder zurück in den Wettkampfsport einzusteigen mit dem Ziel, Mitte August an den Europameisterschaften zu starten. Unter Druck setzen will sie sich bei ihrem Comeback nicht. Seit einigen Wochen kann die 33-Jährige ihren Körper im Training wieder voll belasten. «Nach der Geburt war ich schon erstaunt, wie eine Schwangerschaft den Körper verändert, weil er in dieser Zeit ganz andere Dinge leistet. Und was für ganz neue Herausforderungen sich daraus ergeben. Ich konnte Trainingsübungen, die zuvor selbstverständlich waren, schlicht nicht mehr machen», gibt Mujinga einen Einblick in ihren Wiedereinstieg.
Beruhigend sei hingegen gewesen, wie schnell sich ihr Körper wieder an die Anforderungen des Leistungssports gewöhnt habe. Bald klappte es wieder mit Rumpfübungen und nie verlor sie vor oder nach der Geburt die Motivation am geplanten Comeback. «Zu wissen, dass ich nach der Geburt wieder auf die Bahn zurückkehren will, hat mir sehr geholfen», sagt die Bernerin. Immerhin ist es während ihrer langen Karriere die längste Abwesenheit von Wettkämpfen.
Am meisten Unterstützung aber bietet Sohn Léon. Selbst in der Fremde in der Türkei blieb er das von A bis Z unkomplizierte Baby, von dem Mujinga so schwärmt. Er gönnt seiner Mutter den erholenden Schlaf, lässt sich ohne Protest von der gesamten Verwandtschaft hüten und stört die Comeback-Trainings nicht mit lautstark geäusserten Eigeninteressen. Mujinga sagt, während des Trainings liege ihr Fokus wie vor der Geburt zu 100 Prozent darauf. Wenn sie bei der Herausforderung des durchgetakteten Lebens einer Spitzensportlerin wegen ihres Sohnes ausnahmsweise einmal einen Kompromiss eingehen müsse, dann höchstens im Haushalt.
«Baby on tour» auch für Ditaji eine Bereicherung
Auch für Ditaji Kambundji ist die Rückkehr ihrer älteren Schwester und langjährigen Trainingspartnerin eine neue Situation. Doch genau so wie die Hürdensprint-Weltmeisterin aufgrund ihres neuen sportlichen Status keinen zusätzlichen Druck, «sondern höchstens zusätzliche Freude» verspürt, sieht sie auch in ihrer Rolle als engagierte Tante keine Nachteile. Sie spricht von einer Abwechslung im sonst eher monotonen Betrieb eines Trainingslagers. «Eine Herausforderung war höchstens das Thema Packen», sagt sie mit einem Lachen.
Die bald 24-Jährige betont nochmals, wie das Projekt «Spitzensport-Mutter» ihrer Schwester vor allem wegen des sehr familiären Umfelds ein Erfolgsmodell ist und bleiben wird. Safuka Kambundji würde seiner jüngsten Tochter wohl zu 100 Prozent zustimmen. Doch er hat während der Interviews von Mujinga und Ditaji Kambundji anderes zu tun. (car/aargauerzeitung.ch)
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