«Jetzt traut man mir noch mehr zu» – Ditaji Kambundji spürt den Hype, aber keinen Druck
Wie lebt es sich als Weltmeisterin? Ditaji Kambundji startet mit neuer Ausgangslage in die Leichtathletik-Saison. Wenn die 23-jährige Bernerin am 16. Mai in Schanghai zum Auftakt der Diamond League aus den Startpflöcken schnellt, sind so viele Augen auf sie gerichtet wie noch nie. Schliesslich hat Kambundji an den Weltmeisterschaften im vergangenen September in Tokio gezeigt, dass sie die schnellste Hürdensprinterin der Welt sein kann.
Die neue Ausgangslage ändere nichts an ihrem Mindset und an ihrer Herangehensweise, sagt die erste Weltmeisterin in der Geschichte der Schweizer Leichtathletik mit Nachdruck. «Höchstens, dass man mir jetzt noch mehr zutraut.» Sie selbst fühle allerdings keinen zusätzlichen Druck und fokussiere auf dieselben Dinge wie im Vorjahr, wie vor zwei Jahren, wie immer, seit sie zu den Besten ihres Fachs gehört: konsequent am aktuellen Thema arbeiten, sich im Verlauf der Saison kontinuierlich steigern und dabei gesund bleiben.
Letzteres ist Ditaji Kambundji im Vorfeld der Hallen-WM, wo sie über 60 m Hürden den undankbaren Rang 4 belegte, nicht ganz gelungen. «Deshalb hat mich dieses Resultat auch nicht gestresst, denn ich wusste, wo ich die Erklärung dazu finde.»
Öfter schneller sein als Motto für die Saison
Den WM-Titel im Freien kann ihr niemand mehr wegnehmen. Die in Tokio gelaufene Zeit von 12,24 Sekunden allerdings schreit nach einer Bestätigung. Denn ihre zweitbeste Marke liegt bei 12,40. Eine ziemliche Differenz. Kambundji sagt, den Durchschnitt der regelmässig gelaufenen Zeiten nach unten drücken, sei ein vordergründiges Ziel in dieser Saison. «Dieser Durchschnitt lag bisher irgendwo zwischen 12,40 und 12,60. Nun gilt es, regelmässig 30er- und 40er-Zeiten auf die Bahn zu zaubern.
Die Weltmeisterin sagt, sie sei überzeugt, noch schneller laufen zu können. «Ein zeitliche Steigerung wird zwar einerseits immer schwieriger, andererseits aber auch einfacher. Diese Herausforderung sei «enorm faszinierend und motivierend. Mit jedem Rennen füllt sich das Säcklein mit Erfahrungen, von denen ich auf meinem Weg lernen kann. Ich bin noch lange nicht dort, wo ich meine Grenzen sehe.»
Ein Teil dieser Motivation heisst Mujinga Kambundji. Seit der Geburt von Sohn Léon misst sich die zehn Jahre ältere Sprinterin wieder im täglichen Training mit Schwester Ditaji. Und auch wenn Mujinga sagt, jetzt sei es umgekehrt als früher ihre jüngere Schwester, die ihr davonrenne, so scheinen die gemeinsamen Einheiten doch auch für Ditaji Kambundji überaus bereichernd zu sein: «Zum einen machen gerade die harten Trainings zu zweit viel mehr Spass als alleine. Da war es manchmal so richtig langweilig. Zudem bin ich extrem beeindruckt, wie stark sie bereits wieder ist», sagt sie über die junge Mutter.
Eine Folge hat der WM-Titel für die Bernerin auf jeden Fall. Ditaji Kambundji findet nun praktisch in jedem Feld Unterschlupf und zudem eine gute Gage. So wird die 23-Jährige im Sommer 2026 so oft international starten wie noch nie. Nach den zwei Auftritten in China praktisch an allen weiteren Diamond-League-Meetings, bei denen die 100 m Hürden der Frauen im Programm sind. «Reisen kostet zwar viel Zeit und Energie. Ich empfinde es jedoch als grosses Privileg meines Lebens, durch den Sport an viele Orte dieser Welt reisen zu können. Es ist also auch Genuss.»
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