Doping-Zweifel machen Marathon-Star Sawe traurig – weil er mit aller Macht dagegen kämpft
Der Kenianer Sawe definiert seine Rolle nicht nur über Zeiten (1:59:30 am vergangenen Sonntag), sondern auch über Transparenz, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Sein Heimatland wird immer wieder von Dopingaffären in der Leichtathletik erschüttert, insbesondere im vergangenen Frühling durch den positiven Befund bei Ruth Chepngetich, nur wenige Monate nachdem sie in Chicago den Weltrekord pulverisiert und die 2:10-Stundenmarke durchbrochen hatte (2:09:56). Auch Sawes Trainer Claudio Berardelli, stand in Nairobi schon vor Gericht, weil er Marathon-Legende Rita Jeptoo mit EPO versorgt haben soll.
Im Bewusstsein der Verdächtigungen, die mit seinen Leistungen einhergehen können, leitete Sawe vergangenen Sommer im Vorfeld des Berlin-Marathons, der für Weltrekorde prädestiniert ist (sieben der letzten zehn, einschliesslich des Rekords vom vergangenen Sonntag in London), einen ganz besonderen Schritt ein. Zusammen mit seinem Umfeld nahm er Kontakt zur Integrity Unit of Athletics (AIU) auf, die für die Dopingbekämpfung zuständig ist, und forderte ein strenges Kontrollregime.
— media sport (@sportnmedia2) April 26, 2026
«Es war seltsam zu sehen, dass es Zweifel gibt, obwohl wir wissen, dass wir sauber laufen. Das ist nicht gut. Damit wollen wir zeigen, dass trotz dieses Rufs und trotz der vielen Dopingfälle, die wir haben, nicht alle Athleten betrügen», erklärte Sawe in einem Interview mit der AFP im Vorfeld des Berlin-Marathons im Herbst 2025.
25 Extra-Tests
Zusätzlich zum klassischen Programm führte die AIU ab Ende Juli 2025 acht Wochen lang 25 zusätzliche Kontrollen durch, also eine alle drei Tage, wobei Sawe weder über das Datum noch über den Ort oder die Art der durchgeführten Kontrolle (Urin- oder Blutprobe) informiert war. Ein Programm, das vom Ausrüster des Athleten finanziert wurde.
Die AIU lobte diesen Schritt. «Es ist wirklich schwierig, Spitzensportler zu erwischen, die Doping betreiben, da die verwendeten Substanzen in Mikrodosen verabreicht werden», räumte AIU-Chef Brett Clothier ein. «Intelligente Tests sind notwendig, aber auf dem Stand, auf dem wir derzeit sind, würden wir uns auch häufigere Tests wünschen. Aber das ist eine Frage der Finanzierung, daher finde ich, dass dies ein grosser Schritt von Sabastian und seinem Umfeld ist», fügte Clothier hinzu.
In der Berliner Hitze Ende September hatte Sawe auf den ersten 15 km ein Tempo von knapp unter zwei Stunden vorgelegt, war aber schliesslich in 2:02:16 ins Ziel gekommen. Sieben Monate später hat es nun geklappt. Der Kenianer ist ein Spätzünder und Senkrechtstarter auf der Marathon-Strecke. Bei seinem Debüt im Dezember 2024 gewann er in Valencia in 2:02:05 gleich als fünftschnellster Läufer der Geschichte. Danach siegte er 2025 in London (2:02:27) und Berlin (2:02:16).
Auch vor London sehr oft kontrolliert
Kritiker werfen nun sofort ein, dass vor dem Weltrekord in London 2026 – 1:59:30 Stunden und 1:05 Minuten schneller als die bisherige Bestmarke – keine freiwilligen 25 Tests in acht Wochen erfolgt seien. Gleichwohl ist gemäss den Prinzipien der Dopingjäger klar, dass der 31-Jährige überdurchschnittlich oft kontrolliert wurde. Als Top-Läufer und Weltrekord-Kandidat steht er vor so wichtigen Rennen im Fokus. (nih/sda/afp)
