Sport
Leichtathletik

Simon Ehammer begeisterte seine engsten Vertrauten mit dem Weltrekord

KEYPIX - Gold medalist Simon Ehammer of Switzerland poses for a photo on the podium with a cheque for breaking a World Record during the Heptathlon medal ceremony at the World Athletics Indoor Champio ...
An der Hallen-WM brach Simon Ehammer den Weltrekord im Siebenkampf.Bild: keystone

Nach einigen Rückschlägen Weltrekordhalter: So gross ist die Freude bei Ehammers Familie

Simon Ehammer hat mit seinen überragenden WM-Leistungen im Hallen-Siebenkampf sogar die engsten Vertrauten überrascht – sie plaudern aus dem Nähkästchen.
24.03.2026, 07:2524.03.2026, 07:25
Jörg Greb / ch media

Die Ehefrau

Dieser Erfolg sei besonders schwierig in Worte zu fassen, sagt Tatjana Ehammer. Sie, die Ehefrau, wird immer wieder emotional. Und immer wieder fliessen Tränen. «Unfassbar», sagt sie zu den 6670 Punkten, zum Weltrekord und zur WM-Goldmedaille. Aber die ehemalige Skicrosserin und Hammerwerferin sagt auch, wofür sie einen Grossteil beigetragen hat: die Schwingungen, das Klima, die Unterstützung. Vor Ort in Torun war das der Fall – wie so vielerorts. Nur gab es diesmal ein Problem. Für den Samstagabend mit dem abschliessenden 1000-m-Lauf gab es schon seit November keine Tickets mehr für die achtköpfige Gruppe der Ehammer-Familie.

Bronze medalist Simon Ehammer of Switzerland celebrates wit girlfriend Tatjana Meklau during the men's long jump final at the European Athletics Championships, in the Olympic stadium, in Rome, It ...
Ehammer zusammen mit seiner Ehefrau Tatjana.Bild: KEYSTONE

«Wir versuchten vor Ort alles, auch weil wir wissen, wie wichtig Simon der familiäre Support während des Wettkampfs ist.» Über die Medien ging die Familie, über Swiss-Athletics-Präsident Christoph Seiler und schliesslich über World-Athletics-CEO Sebastian Coe. Und es klappte. Nach «harter Arbeit» war die lautstarke Crew bei der entscheidenden letzten Disziplin am Ort des Geschehens – und erlebte einen denkwürdigen Schweizer Sportmoment.

Der Entdecker

Nicht vor Ort fieberte Beat Schluep mit, der «Entdecker des Riesentalents Simon Ehammer» und Erstförderer im TV Herisau. Er kann sich noch gut erinnern, wie ihm als Mitorganisator und Speaker am UBS Kids Cup der damals 12-Jährige imponierte. Danach lotste er den Buben von der Jugi Stein zum TV Herisau. «Dort hinkte Simon anfänglich etwas hinterher», wie sich Schluep erinnert. Doch das änderte sich rasch. Als «aufgestellt, ambitioniert, strahlend und immer voll bereit» hat der Trainer den jugendlichen Simon Ehammer in Erinnerung.

Beat Schluep
Entdecker Beat Schluep.Bild: zvg

Auch nach dem Wechsel an die Sportschule Appenzellerland trug Schluep die Hauptverantwortung. Er sorgte zum Beispiel dafür, dass im Wochenrhythmus neue Stäbe à je 1000 Franken bereitstanden. Der Grund: Simon Ehammer sprang schnell immer höher und benötigte so härtere Ausführungen. Beim Wechsel zum «Dauerkonkurrenten» TV Teufen und zu Karl Wyler bot Schluep Hand, als sich der zeitliche Aufwand weiter steigerte und seine wie die Möglichkeiten des Vereins überstiegen.

«Ich konnte Simon loslassen und bin heute extrem froh, dass wir alle ein so tolles Verhältnis haben», sagt Schluep. Noch immer  «lebt er emotional mit» und reist, wenn immer möglich, an die Wettkämpfe – im Sommer, so ist es geplant, mit dem Velo an die EM nach Birmingham.

Der Trainer

Für den Leiter des Leistungszentrums Appenzellerland Sport und den Ehammer-Trainer René Wyler war das Torun-Wochenende «absolut genial». Neben dem Feuerwerk imponiert ihm die Sicherheit, mit der sein Schützling aufgetreten ist: Topleistung an Topleistung reihte er aneinander, kein Loch, keine Zweifel, aber immer mit riesiger Freude. «Das braucht enorm viel, und in diesem Bereich haben wir viel gearbeitet», sagt Wyler. Dieser Fleiss zeigte Wirkung: «Simon ist ein emotional stabiler und sehr konstanter Athlet geworden.» Das ist nicht immer so gewesen. Nuller etwa im Weitsprung oder im Stabhochsprung musste Simon Ehammer schon hinnehmen und verarbeiten. Aber auch kleinere Rückschläge können eine Sogwirkung nach unten haben.

Leichtathlet Simon Ehammer mit Karl Wyler und Rene Wyler, von links, beim Empfang nach seiner WM-Medaille und Weltrekord im Siebenkampf in Torun, am Montag, 23. Maerz 2026, in Teufen. (KEYSTONE/Gian E ...
René Wyler ist stolz auf seinen Schützling.Bild: keystone

Wyler streicht hervor: «Simon hat nun Werkzeuge, das zu verhindern.» Auch bei seinem Weltrekord-Siebenkampf hat es mögliche Kipp-Momente gegeben. Etwa im Hochsprung beim knappen Scheitern auf 2,05 m. «Das sind Stiche ins Herz, die du wegstecken musst», sagt René Wyler. Ebenso gehören Aufs und Abs im Training dazu. Auch da gilt es auf der einen Seite der Skala abzuhaken, auf der anderen «den Flow richtig zu leben und zu kanalisieren». Wyler ergänzt: «Simon zeigt diese Emotionen, findet dann aber schnell zurück zu seinem Fokus.» Er hat eine vielversprechende Balance gefunden.

Die Mutter

An «harte Momente» erinnert sich Manuela Ehammer, die Mutter von Simon. Sie denkt weiter zurück. Nicht nur Topresultate gab es zu feiern. Auch Trost war manchmal nötig, wenn der ehrgeizige Spross seine hohen Ziele verfehlte. «Da waren die richtigen Worte verlangt», sagt sie. Nicht nur in zwischenmenschlicher und empathischer Weise waren die Eltern gefordert, sondern auch zeitlich. Ganze Wochenenden verbrachten sie in den Stadien. Verständlich also, dass Manuela Ehammer sagt: «Heute sind wir froh, dass wir diese Aufgabe abgeben konnten und Simon mit Karl Wyler auf dem Wettkampfplatz eine grossartige Bezugsperson an seiner Seite hat.» Karl Wyler ist der Bruder von René Wyler, das Duo trainiert Simon gemeinsam, an den Wettkämpfen ist meist Karl zugegen.

Leichtathlet Simon Ehammer und Mutter Manuela, beim Empfang nach seiner WM-Medaille und Weltrekord im Siebenkampf in Torun, am Montag, 23. Maerz 2026, in Teufen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Manuela Ehammer ist überglücklich.Bild: keystone

Es beglückt die Mutter auch, dass sie auf der Tribüne in Torun dennoch eine wichtige Funktion ausüben konnte: «Wir hatten im Vorfeld gewitzelt über Gold und den Weltrekord. Jetzt sind wir glücklich und stolz, dass es funktioniert hat.» Den Bogen zur Vergangenheit spannt Manuela Ehammer, als sie sagt: «Wir mussten Simon nie ins Training drängen, er wollte immer selbst hin.» Nie ein Thema war zudem all das, worauf er verzichten musste, etwa den Ausgang. (riz/aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Von Hitzfeld bis Messner – alle GC-Trainer seit 1988
1 / 40
Von Hitzfeld bis Messner – alle GC-Trainer seit 1988

36 Trainer hat GC seit 1988 verbraucht – die Liste in chronologischer Reihenfolge.

quelle: www.imago-images.de / spp-jp
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Amateurfussballer schiessen aus Versehen Möwe aus der Luft – und beleben sie dann wieder
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
1
Check gegen den Kopf oder nicht? Lugano-Stürmer Bertaggia droht juristisches Nachspiel
Im 2. Playoff-Spiel packt Alessio Bertaggia einen illegalen Check gegen ZSC-Stürmer Jesper Frödén aus. Doch trifft er ihn auch am Kopf? Ein Schiedsrichter-Experte ist sich nicht sicher.
Im ersten Spiel im Playoff-Viertelfinal zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano hielten beide Mannschaften die Emotionen noch im Zaum. Gestern in Spiel 2 war die Lage eine andere: Schon nach wenigen Minuten kam es auf dem Eis in Lugano zu ersten Scharmützeln. So richtig eskalierte es aber einige Minuten vor der zweiten Pause.
Zur Story