Weshalb im Riesen-Kugelkampf einiges gegen Odermatt spricht
48 Punkte beträgt der Vorsprung von Marco Odermatt auf Lucas Pinheiro Braathen vor dem letzten Riesenslalom der Saison. Ein dritter Platz würde Odi reichen, um die fünfte Riesen-Kugel in Serie nach Hause zu nehmen. Auch Loïc Meillard hat noch eine Chance auf die erste Kugel seiner Karriere. Dafür müsste Odermatt allerdings einen Nuller (Platz 16 abwärts) einfahren und auch der Brasilianer dürfte nicht auf das Podest fahren.
Odermatt hat zwar vor dem letzten Rennen alles in den eigenen Skis, aber die vergangenen Wochen und Auftritte sprechen nicht unbedingt für den 28-Jährigen. Im Riesenslalom gewann der Schweizer in diesem Jahr einzig vor über zwei Monaten in Adelboden. Beim Olympia-Riesen und im bisher letzten Riesenslalom setzte sich Pinheiro Braathen durch. Während der Brasilianer in Kranjska Gora der gefeierte Sieger war, sprach Odi, welcher auf den fünften Platz fuhr, im SRF-Interview vom «Worst-Case-Szenario».
Es ist das erste Mal seit 2022, dass der 5-fache Gesamtweltcupsieger vor dem letzten Riesenslalom der Saison noch um die Kugel kämpfen muss. «Ich kenne das so gar nicht. Ich hatte die Kugel in den letzten Jahren immer schon vor dem Rennen auf sicher. So ist es eine neue Situation», erklärte Odermatt.
Während es im Riesen hapert, war der grosse Ski-Dominator im Super-G und in der Abfahrt die klare Nummer eins und konnte sich jeweils bereits im Voraus über die Disziplinenkugel freuen. Noch vor zwei Jahren war dies komplett anders. In der Saison 2023/24 dominierte Odermatt nach Belieben im Riesenslalom und entschied die ersten neun Riesen des Winters für sich. Erst beim Saisonfinal in Saalbach schied er in Führung liegend aus und verpasste den zehnten Sieg. Trotzdem sammelte Odermatt über die Riesenslalom-Saison mehr Punkte als der Zweitplatzierte Loic Meillard und der Drittplatzierte Filip Zubcic zusammen.
Die einstige Lieblingsdisziplin bei Odermatt verliert immer mehr an Bedeutung und es ist durchaus möglich, dass der Riesen bald mehrheitlich aus seinem Programm fallen wird. Nach den Olympischen Spielen erklärte der Nidwaldner, dass es vielleicht sein letzter Riesenslalom bei Olympischen Spielen gewesen ist und er nicht mehr lange das Programm mit drei Disziplinen durchziehen wird. «Wie das dann genau ausschauen wird, weiss ich bisher nicht. Vielleicht nehme ich mir zwei, drei Riesenslaloms raus, weil ich weiss, dass mich der Riesenslalom auch im Speed schnell macht. Vielleicht fahre ich dann noch Sölden und Adelboden. Und vielleicht qualifiziere ich mich trotzdem für Olympia und fahre den Riesen – keine Ahnung», dachte Odermatt laut nach.
Die bisherigen Ergebnisse beim Weltcupfinal können durchaus für Sorgenfalten bei den Anhängern von Odermatt sorgen. Nach einem siebten Platz in der Abfahrt, verpasste Odi im Super-G als 19. die Punkteränge deutlich. «Es war wahrscheinlich mein schlechtestes Rennen der letzten fünf bis sechs Jahre», ging Odermatt mit sich selbst nach dem Super-G hart ins Gericht. Der 28-Jährige hatte mit dem weichen Schnee in Kvitfjell zu kämpfen. Ähnlich werden die Bedingungen wohl auch in Hafjell werden. Dies spielt eher dem Brasilianer in die Karten. Bereits in Kranjska Gora waren die Verhältnisse eher frühlingshaft.
Trotzdem bleibt Odermatt zuversichtlich. Nach der Enttäuschung im Super-G liess er sich auch eine kleine Feier nicht nehmen. «Wir haben mit dem Team einen guten Abend verbracht. Am Ende war ich nur kurzzeitig frustriert», erklärte der Nidwaldner. Zu sehr den Kopf zerbrechen möchte sich Odermatt wegen des enttäuschenden Resultats deswegen auch nicht:
Es ist auch nicht auszuschliessen, dass sich Odermatt bewusst oder unbewusst ein wenig für den einzigen offenen Kugelkampf geschont hat. So hat er auch nach den Abfahrtstrainings noch einige Läufe im Riesenslalom gemacht. In den letzten zwei Saisons konnte sich Odermatt jeweils vier Kristallkugeln sichern. Mit Blick auf sein letztes Saisonrennen sagt der Nidwaldner: «Ich bin sehr zuversichtlich, dass es klappt – und wenn nicht, geht auch keine Welt unter.»
Zuletzt gewann Odermatt in der Saison 2020/21 die kleine Kristallkugel im Riesenslalom nicht. Auch damals führte er vor dem letzten Riesen die Disziplinenwertung an, verpasste aber damals die erste Kristallkugel seiner Karriere und der Franzose Alexis Pinturault konnte sich freuen. «Ich erinnere mich daran», sagt Odermatt und führt weiter aus: «Ich habe das Rennen bei schwierigen Bedingungen verloren. Aber das ist schon lange her, ich bin nicht mehr derselbe Skifahrer und sehr, sehr zufrieden, wie sich alles entwickelt hat seither.»
Der erste Lauf am Dienstag startet um 9.30 Uhr. Dazwischen findet der erste Lauf im Frauen-Slalom statt, bevor es um 12.30 Uhr zum möglicherweise grossen Showdown zwischen Odermatt und Pinheiro kommen wird. Mit dem watson-Liveticker bist du jederzeit voll dabei.
