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Wenn Aegerter im Rennen so cool wäre wie vor dem Rennen, wäre das ganze Theater unnötig.
Wenn Aegerter im Rennen so cool wäre wie vor dem Rennen, wäre das ganze Theater unnötig.Bild: Semedia

Ein grosses Töff-Theater vor dem GP in Brünn, gespielt von talentierten Laien-Schauspielern

Der GP von Tschechien in Brünn hat noch keine sportlichen Schlagzeilen geliefert. Dafür ist das Theater neben der Rennpiste grandios. Sogar das Schweizer Fernsehen zeichnet es auf.
15.08.2015, 09:4015.08.2015, 10:46
klaus zaugg, brünn

SRF-Reporter Claude Jaggi versteht sein Handwerk. Die ganze Szene muss wiederholt werden. Also schreiten Teamchef Fred Corminboeuf, Tom Lüthis Manager Daniel M. Epp und Dominique Aegerters Manager Dr. Robert Siegrist im Fahrerlager noch einmal gemeinsam Richtung Hospitality und tun so, als seien sie in bedeutungsschwere Gespräche vertieft.

Es geht um einen Beitrag über die Zukunft unseres «Töff-Dreamteams» für die Sendung «Sport aktuell» vom Freitagabend. Beim zweiten Anlauf klappt es. Die Herren machen ernsthafte Miene, wie es sich für ein so wichtiges Geschäft wie die Zukunft des Drei-Millionen-Töffteams gehört.

Lüthi-Manager Epp (l.) und Aegerter-Manager Siegrist (M.) in Gespräche vertieft.
Lüthi-Manager Epp (l.) und Aegerter-Manager Siegrist (M.) in Gespräche vertieft.bild: screenshot srf

Hier geht's zum SRF-Beitrag von «Sport aktuell».

Auf der Rennstrecke hält sich die Aufregung ja im Rahmen. Nach dem ersten Trainingstag ist Tom Lüthi (2.) vor seinem Teamkollegen Dominique Aegerter (9.) klassiert. So ist es fast immer. Und der WM-Titel ist ja auch kein Thema mehr. Das Geschehen an der sportlichen Front gibt keine Story her. Aber die Zukunft! Das ist spannend! Verlängern Tom Lüthi und Dominique Aegerter ihre Verträge? Und falls ja, zu welchen Konditionen?

Das Theater ist grandios. Robert Siegrist ist fleissig. Der Zürcher Advokat kontaktiert alle möglichen Teammanager und sorgt dafür, dass das auch alle mitbekommen. Er deutet an, dass es gewisse Möglichkeiten gebe. Vor dem offiziellen Medientermin (am Trainingstag immer um 17 Uhr) weist er seinen Schützling an, ja keine unbedachten Äusserungen über die Zukunftspläne zu machen. Daniel M. Epp sagt sogar, Tom Lüthi habe zwei sehr gute Offerten von anderen Moto2-Teams. «Die wollen ihn wirklich.»

Aber eben: Alles nur Theater. Fred Corminboeuf, Daniel M. Epp, Robert Siegrist und die beiden Fahrer wissen jetzt schon, dass es gar nicht viel zu verhandeln gibt. Offerten? Das ist, excusez l’expression, ganz einfach Unsinn. Kein anderes Moto2-Team kann nur annähernd die gleichen sportlichen, infrastrukturellen und finanziellen Bedingungen bieten. Ein Wechsel in ein ausländisches Team wäre sowohl für Tom Lüthi als auch Dominique Aegerter absurd. Das wissen alle Beteiligten sehr wohl. Aber keiner sagt es dem anderen.

Pokern ist schwierig, wenn der Gegner die Karten kennt

Warum also das Theater? Weil es dazugehört. Es geht den Managern ja auch darum, sich selbst und ihren Klienten Wichtigkeit zu geben. Es ist wie ein Ritual, das auch bei fehlendem sportlichem Spektakel Medienpräsenz garantiert und schon deshalb noch eine Weile sorgsam gepflegt wird. Beim GP von Misano (13. September) wird dann offiziell die Vertragsverlängerung mit Tom Lüthi und Dominique Aegerter um ein weiteres Jahr verkündet.

Dominique Aegerter kommt mit der Kalex einfach nicht klar.
Dominique Aegerter kommt mit der Kalex einfach nicht klar.Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Die Frage ist höchstens noch, ob Tom Lüthi und Dominique Aegerter für die Vertragsverlängerung Bedingungen stellen. Bei Tom Lüthi ist alles klar. Daniel M. Epp wird für seinen Schützling höchstens noch ein wenig an der Geldschraube drehen. Aber nicht allzu stark. Pokern ist schwierig, wenn der Gegner (in diesem Fall Teamchef Fred Corminboeuf) die Karten schon kennt. Aber ein wenig mehr wird schon herausschauen.

Bei Dominique Aegerter ist es anders. Er kann machen, was er will, er kommt einfach nicht dauerhaft an Tom Lüthi vorbei. Nach und nach bildet sich bei ihm wieder der «Lüthi-Komplex» heraus. Die Blockade im Kopf gegenüber seinem smarteren, schlitzohrigeren Teamkollegen. Über das Thema darf nicht gesprochen werden. Es ist Tabu. Wird es doch erwähnt, wird es dementiert, anschliessend ignoriert und schliesslich verdrängt.

Wechsel zu Suter als ernsthafte Option

Was könnte gefordert werden? Es gibt nur drei Möglichkeiten. Alles lassen, wie es ist (also auch nächste Saison mit der Kalex), Cheftechniker Gilles Bigot auswechseln oder von Kalex wieder zurück zu Suter. Der personelle Wechsel ist nicht realistisch. Gilles Bigot ist auch am Team beteiligt. Der Markenwechsel ist hingegen nicht unmöglich. Eskil Suter hat in Brünn die Bereitschaft signalisiert, Dominique Aegerter nächste Saison mit einem Bike auszurüsten, Vorzugsbehandlung inklusive. Mit dieser Idee werden Robert Siegrist und Dominique Aegerter den Teamchef noch eine Weile plagen.

Aber wäre die Suter wirklich besser? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Also zeichnet sich ab, dass das grosse Theater, das jetzt gespielt wird, mit dem voraussehbaren Schlussakt endet: Tom Lüthi und Dominique Aegerter unterschreiben für ein weiteres Jahr und alles bleibt bis auf ein paar Details so, wie es ist.

Dominique Aegerter und sein Team müssen über die Bücher.
Dominique Aegerter und sein Team müssen über die Bücher.Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Das bedeutet für Dominique Aegerter aber auch, dass er an seinem «Lüthi-Komplex» arbeiten muss. Dazu gehört die Einsicht, dass die Differenz zu seinem Teamkollegen nicht das Material, nicht der Cheftechniker und wohl auch nicht das Talent macht. Dass die Differenz im Kopf liegt. Das bedeutet: Noch cooler werden, sich noch besser konzentrieren, sich nicht ablenken lassen, Tom Lüthi ausblenden, als sei er nicht da.

Inzwischen hat Claude Jaggi mit seinem Kameramann Jonas Bolli den Beitrag fertig gedreht. Auch Interviews mit den beiden Fahrern sind im Kasten. Die haben sich an die Anweisungen ihrer Manager gehalten und sagen, es sei noch gar nichts entschieden. Tom Lüthi fabuliert sogar von der Königsklasse MotoGP.

Alle sind zufrieden. Claude Jaggi, die Manager und die Fahrer – und das Publikum. Die Dramaturgie stimmt. Nichts geht über ein gutes Theaterstück. Gespielt von Laien-Schauspielern.

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Alle Schweizer Töff-GP-Sieger
quelle: semedia / luciano bianchetto/semedia
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