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Formel 1: Sauber kommt nicht vom Fleck – springt nun noch Audi ab?

Valtteri Bottas, of Finland, steers his Alfa Romeo prior to Sunday's Formula One Mexico Grand Prix auto race at the Hermanos Rodriguez racetrack in Mexico City, Saturday, Oct. 28, 2023. (AP Photo ...
Valtteri Bottas im Grossen Preis von Mexiko.Bild: keystone

Sauber kommt nicht vom Fleck – springt nun noch Audi ab?

Das Formel-1-Team von Sauber Motorsport steht vor einem heissen Saisonendspurt. In Hinwil träumt man von einer rosigen Zukunft mit Audi, doch die Gegenwart sieht anders aus. Dazu sorgen Nebengeräusche für Irritationen.
30.10.2023, 14:0030.10.2023, 16:36
Dominik Moser / Keystone-SDA
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Die Ausgangslage war vielversprechend in Mexiko. Doch Valtteri Bottas und Zhou Guanyu konnten die Startplätze 9 und 10 nicht nutzen. Am Ende fuhren der Finne und der Chinese ganz zuhinterst auf den Rängen 14 und 15 durchs Ziel.

Weniger Budget, weniger Personal, maximaler Ertrag. In etwa so liesse sich die letztjährige Saison von Sauber in der Formel 1 beschreiben. Beim Privatteam war eine gewisse Euphorie zu spüren, als beim Saisonfinale 2022 in Abu Dhabi der 6. Platz in der Konstrukteurs-WM feststand. Trotz anhaltendem Abwärtstrend nach starkem Beginn und einem Nuller ganz zum Schluss endete die punktemässig zweitbeste Saison in der Hybrid-Ära (seit 2014) und die rangmässig erfolgreichste seit zehn Jahren für den in Hinwil im Zürcher Oberland beheimateten Rennstall versöhnlich.

Anlass zur Zuversicht gab es auch, weil kurz davor mit Audi eine Partnerschaft vereinbart wurde, die vorsieht, dass der deutsche Autobauer die von Peter Sauber gegründete Renn-equipe 2026 als Werksteam übernimmt. Für 2023 nahm man sich in Hinwil deshalb vor, in der sportlichen Entwicklung den nächsten Schritt zu machen. Doch statt vorwärts ging es im sechsten und letzten Jahr unter dem Namen Alfa Romeo gemessen an den Ergebnissen eher zwei Schritte zurück.

epa10931482 Chinese Formula One driver Guanyu Zhou (R) of Alfa Romeo F1 Team Stake walks down pit lane during the Sprint Shootout of the 2023 Formula 1 Grand Prix of the United States at the Circuit o ...
Guanyu Zhou (rechts) mit einem Mechaniker.Bild: keystone

Eine Wundertüte als Auto

Bezüglich Zuverlässigkeit hat sich das neue Auto im Vergleich zu seinem Vorgänger zwar massiv gesteigert. So konnten die Ausfälle um mehr als die Hälfte (von zehn auf vier in den ersten 19 Rennen) minimiert werden. Doch der C43 warf in den vergangenen Monaten immer wieder Fragen auf. Das Team und seine Fahrer lassen jegliche Konstanz vermissen, das Auto wirkt teils wie eine Wundertüte. Kurz: Es ist eine Saison mit wenig Licht und viel Schatten.

Im Qualifying wusste man nur sehr selten zu überzeugen, und wenn doch, dann folgte im Rennen sogleich die Enttäuschung. Mit Blick auf die Konstrukteurs-WM wurde für Alfa Romeo die Luft in der Höhenlage von Mexiko City noch einmal dünner. 2240 Meter über Meer war die Ernüchterung gross, zumal man sich von den jüngsten Neuerungen am Auto einiges erhofft hat. Doch es scheint, als sei der 8. und 9. Platz von Zhou und Bottas drei Wochen zuvor in Katar nur ein seltener Ausreisser nach oben gewesen. Die ausgerufene Aufholjagd im Kampf gegen die Teams im Mittelfeld wurde jedenfalls im Keim erstickt.

Statt nach vorne müssen sich die Hinwiler in der Teamwertung nach hinten orientieren. Der Vorsprung auf das letztplatzierte Team Haas beträgt drei Grands Prix und ein Sprintrennen vor Schluss, nur vier Punkte. Jetzt droht Alfa Romeo sogar die rote Laterne.

Gerüchte um Audi-Deal

Dazu sorgten jüngst Nebengeräusche für Wirbel. Das Nachrichtenmagazin «Spiegel» berichtete, dass der Formel-1-Einstieg von Audi per 2026 noch einmal überprüft werde. Grund soll ein Wechsel an der Konzernspitze sein. Markus Duesmann wurde im September durch Gernot Döllner ersetzt.

Duesmann war der grosse Befürworter des Formel-1-Projekts von Audi, das im Aufsichtsrat des Mutterkonzerns Volkswagen jedoch nicht nur auf Gegenliebe gestossen war. Als es damals zur Abstimmung kam, soll Duesmann bei einer Patt-Situation sogar den Ausschlag gegeben haben. Mit seiner Entmachtung kam schnell das Gerücht auf, der Einstieg in die Königsklasse gerate konzernintern nochmals auf den Prüfstand.

Alfa Romeo driver Guanyu Zhou of China leaves his car after crashing during the Formula One Dutch Grand Prix at the Zandvoort racetrack, in Zandvoort, Netherlands, Sunday, Aug. 27, 2023.(AP Photo/Pete ...
Zhou klettert in den Niederlanden aus seinem verunfallten Wagen.Bild: keystone

Von Seiten Audi hiess es zuletzt, der Beschluss des Aufsichtsrats habe Bestand, ebenso der Zeitplan mit dem Einstieg als Werksteam per 2026. Genaue Zahlen sind zwar nicht bekannt, doch man geht davon aus, dass die Marke mit den vier Ringen bis zu 75 Prozent von Sauber Motorsport übernimmt – schrittweise.

Grosse Investitionen

Ein Rückzieher kann sich Audi schon deshalb nicht leisten, weil bereits jetzt viel Geld investiert wurde. Beispielsweise mit der Erweiterung des Motorsport-Zentrums am Standort Neuburg an der Donau. Dazu wäre ein Ausstieg vor dem eigentlich geplanten Einstieg für die Traditionsmarke mit Sitz in Ingolstadt auch mit einem beträchtlichen Imageschaden verbunden.

Mehr Budget und mehr Personal sollen wieder zu mehr sportlichem Ertrag führen – so zumindest lautet der Plan von Audi und Sauber. Mittelfristig hat man sich sogar den WM-Titel zum Ziel gesetzt. Davon ist man in Hinwil aktuell allerdings noch weit entfernt.

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28 Kommentare
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Chalbsbratwurst
30.10.2023 14:38registriert Juli 2020
Naja... also am Auto hat es beim letzten Renne nicht gelegen.
Beide Fahrer sind einfach sehr schlechte Starter und Bottas hatte ein riesen Pech mit dem Boxenstop kurz vor dem "red flag"-Unterbruch. Das Auto wäre aber gut genug gewesen für die Punkte.

Und Audi hat bestimmt nie damit gerechnet das sie ein Top-Team übernehmen ;-)
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