Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Yamaha Team's Italian rider Valentino Rossi's supporters celebrate during the podium ceremony of the MotoGP race on September 14, 2014 at the Misano World Circuit Marco Simoncelli during the Moto GP of San Marino and Rimini Riviera's. Rossi won ahead of Spanish riders Yamaha Team's  Jorge Lorenzo and Repsol Honda Team's  Dani Pedrosa.      AFP PHOTO / VINCENZO PINTO

Die gelbe Nummer 46 ist ihr Held: Fans von Valentino Rossi. Bild: AFP

Heute der 107. GP-Sieg

Valentino Rossis Ruhm ist für die Ewigkeit

Wahrscheinlich bringt nur noch der Papst in Italien mehr Leute auf die Beine als Valentino Rossi. Beim MotoGP-Rennen des Grossen Preises von San Marino feierte die legendäre Nummer 46 ihren 107. Sieg – den ersten nach über einem Jahr.



Klaus Zaugg, Misano

Nach Rennschluss stürmen die Fans in Misano die Boxenstrasse und schliesslich stehen rund 20'000 Menschen am Fusse des Siegerpodestes um ihrem Idol Valentino Rossi (35) zu huldigen. Er zelebriert den Sieg wie ein König, wie ein Popstar. Tausende von gelben Fahnen mit der Nummer 46 werden geschwenkt. Es ist eine Verehrung, eine Verzückung, die weit über das im Sport übliche Mass hinaus geht.

Natürlich, Misano ist Valentino Rossis Heimstrecke. Er ist ein paar Kilometer entfernt aufgewachsen. Und doch sprengt die Begeisterung jeden Rahmen. Die Spanier haben diese Saison Marc Marquez bei seinen Siegen in Jerez und Barcelona bei Weitem nicht mit dieser Begeisterung, Leidenschaft, Hingabe und Inbrunst gefeiert.

Yamaha MotoGP rider Valentino Rossi of Italy sprays champagne on the podium after winning the San Marino Grand Prix in Misano Adriatico circuit in central Italy September 14, 2014. Rossi returned to the top of the MotoGP podium with a home win at the San Marino Grand Prix on Sunday while runaway championship leader Marc Marquez suffered a rare spill and finished 15th. REUTERS/Max Rossi (ITALY - Tags: SPORT MOTORSPORT TPX IMAGES OF THE DAY)

Rossi verspritzt Champagner – er weiss längst, wie das geht. Bild: MAX ROSSI/REUTERS

Sieg wohl nur dank Marquez' Sturz

Nie in der Geschichte des Töffrennsportes (seit 1949) hat es diese Begeisterung für einen Fahrer gegeben. Valentino Rossi wird die WM 2014 nicht gewinnen (wahrscheinlich wird er Vize-Weltmeister) und ist unter normalen Umständen nicht mehr dazu in der Lage, ein Rennen gegen Marc Marquez zu gewinnen. Letztmals triumphierte er vor einem Jahr beim GP von Holland in Assen – als Marquez nach einem schweren Trainingssturz angeschlagen war.

In Misano führte der Italiener das Rennen an, als WM-Leader Marquez in der 10. Runde stürzte, sich nach 1:13 Minuten wieder in den Sattel schwang und noch Platz 14 rettete. Es war seit seinem Aufstieg in die Königsklasse erst der zweite Sturz im Rennen. Es ist fraglich, ob Valentino Rossi den Spanier über eine ganze Renndistanz im Griff gehabt hätte.

14.09.2014; Misano; Motorsport - GP San Marino 2014; Streckenposten helfen Marc Marquez (ESP) nach seinem Sturz (Gareth Harford/Gold&Goose/freshfocus)

Streckenposten helfen dem gestürzten Marquez wieder auf die Maschine. Bild: Gareth Harford/freshfocus

Wieso sich Rossi auch freut, wenn Marquez gewinnt

In Misano hat sich wieder und eindrücklich gezeigt: Nach wie vor ist Valentino Rossi mit Abstand der populärste, charismatischste Rennfahrer aller Zeiten. Im Vergleich zu ihm ist Marc Marquez in diesem Bereich erst ein Lehrling. Er wird respektiert und bewundert – aber bei Weitem nicht so verehrt und vergöttert wie Rossi.

Wie sehr der Italiener die Töff-Szene nach wie vor dominiert und über seinen Rücktritt (frühestens Ende nächster Saison) hinaus beherrschen wird, zeigt sich daran, dass er auch am Erfolg des neuen sportlichen Dominators Marquez mitverdient. Die gesamte Vermarktung des Spaniers läuft über Valentino Rossis Firma «VR46», die inzwischen die meisten MotoGP-Stars unter Vertrag hat. Bei jedem Euro, den Marc Marquez verdient, klingelt es auch in Rossis Kasse.

Schneller als ein Kampfjet

So beschleunigen die Töffs von Rossi und Marquez von 0 auf 100 km/h:

Formel-1-Bolide: 2,3 s
MotoGP-Töff 2,6 s
Moto2-Töff 2,8 s
Gepard 3,5 s
Kampfjet F/A-18 4,0 s
Airbus A-380 14,0 s

«Manchmal bedeutet Sport mehr als nur Sieg und Niederlage»

Valentino Rossis Erfolg gründet nicht bloss auf seinen sportlichen Erfolgen. Mindestens so wichtig ist sein Kommunikations-Talent. In diesem Fach hat er ja bereits den Titel eines Ehrendoktors. Früher war er für seine psychologische Kriegsführung gegen seine Gegner legendär und er brachte so eine ganze Fahrergeneration aus dem inneren Gleichgewicht. Aber Rossi verschwendet keine Energie für verbale Auseinandersetzungen mit Marc Marquez. Ganz im Gegenteil: Er zelebriert öffentlich seine Freundschaft mit dem Spanier und tut so, als freue er sich selber am meisten über dessen Erfolge.

So mehrt Valentino Rossi seinen eigenen Ruhm. Seinen Fans kommt es so vor, als sei er einer der Förderer von Marc Marquez, als sei seine Magie auf den Spanier übergegangen. So schnell kann Marc Marquez nicht aus dem Schatten von Valentino Rossi treten. Manchmal bedeutet Sport mehr als nur Sieg und Niederlage. Rossis Ruhm ist für die Ewigkeit.

Yamaha MotoGP rider Valentino Rossi performs a wheelie as he crosses the finish line to win the San Marino Grand Prix in Misano Adriatico circuit in central Italy September 14, 2014. REUTERS/Max Rossi (ITALY  - Tags: SPORT MOTORSPORT TPX IMAGES OF THE DAY)

Valentino Rossi, der wohl grösste Töffpilot aller Zeiten. Bild: MAX ROSSI/REUTERS

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Kommentar

«Skigeld und Berggeist» – wie Ski-General Urs Lehmann das Lauberhorn bezwingt

Der «Fall Lauberhorn» wird einmal als Musterbeispiel der Sportdiplomatie in die Geschichte eingehen. Erstaunlich ist nur, dass überhaupt jemand glaubt, das «Lauberhorn» könnte vom Kalender gestrichen werden.

Das Sportbusiness des 21. Jahrhunderts besteht aus einer Zauberformel. Sie beinhaltet Wahrung der sportlichen Traditionen und Werte, Geldbeschaffung und der Kunst, sich staatlicher Hilfe zu sichern. Gerät diese Zauberformel aus der Balance, gibt es ein Problem. Wie jetzt beim Lauberhorn.

Kaum einer hat diese Problematik so gut verstanden wie Urs Lehmann. Der Abfahrtsweltmeister von 1993 (sein einziger Sieg) ist der Prototyp eines modernen Sportfunktionärs. Er behauptet sich im Spannungsfeld …

Artikel lesen
Link zum Artikel