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Moto2 rider Jesko Raffin of Switzerland sits in his pit garage during the third free practice session ahead of Sunday's Malaysian Motorcycle Grand Prix in Sepang, Malaysia, Saturday, Oct. 24, 2015. (AP Photo/Joshua Paul)

Jesko Raffin ist sowas wie der Wawrinka des Töffsports. Bild: Joshua Paul/AP/KEYSTONE

Der vergessene Ruhm des jungen Jesko R.

Der Sport ist manchmal auch ungerecht. Wer seine Karriere zum falschen Zeitpunkt startet, hat es schwer und manche kommen nie aus dem Schatten ihrer Rivalen hinaus – auch dann nicht, wenn sie besser sind. Der junge Töffpilot Jesko Raffin (19) ist ein gutes Beispiel.



Stellen wir uns vor, welche Strahlkraft, welchen Ruhm Stan Wawrinka geniessen könnte, wenn es Roger Federer nicht gäbe. Er würde als einer der grössten helvetischen Sportler aller Zeiten gefeiert, er wäre schon vier- oder fünfmal Sportler und Schweizer des Jahres geworden und er könnte im Quadrat mehr Geld verdienen.

Aber nach jedem noch so grossen Sieg folgt gleich die Frage: Ja gut, aber warum hat Roger Federer nicht gewonnen? Was war mit Roger Federer? Jesko Raffin geht es sehr ähnlich. Obwohl er erst am Anfang seiner Karriere steht.

Die 100 grössten Schweizer Sportler: Noch ohne Jesko Raffin.

Am Sonntag ist der Zürcher beim GP von Deutschland auf dem Sachsenring ein grossartiges Rennen gefahren. Platz 8 unter schwierigsten Bedingungen auf regennasser Piste. Auch Dominique Aegerter konnte ihm nicht folgen (10.) und Tom Lüthi stürzte. Er war bester Schweizer.

Lüthi der neue Cornu

Am 8. September 2002 sorgte ein 16-jähriger Berner für Schlagzeilen. Tom Lüthi fuhr beim GP von Portugal bei schwierigsten Bedingungen auf regennasser Piste auf Rang 9. Er war bester, weil einziger Schweizer. Seit diesem Tag ist er DER Star unserer Töffszene. Er lancierte seine Karriere zum richtigen Zeitpunkt. Seit dem Rücktritt von Jacques Cornu im Herbst 1989 hatte die Schweiz keinen Töffstar mehr. Jedes Jahr warteten die Fans vergeblich auf den neuen Cornu. Dieser junge Berner war nun der lang ersehnte nächste Cornu.

Tennisspieler Roger Federer und Motorradfahrer Thomas 'Tom' Luethi, von links, fiebern vor den Sports Awards 2005 Auszeichnungen am Samstag, 17. Dezember 2005 in Bern der Entscheidung entgegen.  (KEYSTONE/PHOTOPRESS/Lukas Lehmann)

Da kommen beide ins grübeln: Tom Lüthi wird 2005 noch vor Roger Federer Schweizer Sportler des Jahres.
Bild: PHOTOPRESS

Von allem Anfang an hatte Tom Lüthi medialen Rückenwind und sein Manager Daniel M. Epp verstand es klug, den medialen Ruhm zu kapitalisieren. Nur drei Jahre später holte Tom Lüthi im Herbst 2005 den WM-Titel in der 125er- Klasse und anschliessend wurde er Sportler des Jahres – vor Roger Federer.

Seither ist Tom Lüthi in der helvetischen Töffszene beinahe, was Roger Federer im Tennis. Die Lichtgestalt. Dominique Aegerter hat mit seinem Sieg vor zwei Jahren auf dem Sachsenring und einem sonnigen Rock’n’Roller-Image auch mediale Beachtung, eine solide Karriere und ein gutes Einkommen herausgefahren. Aber alle, die nun ihre Karriere in den Zeiten von Tom Lüthi und Dominique Aegerter zu starten versuchen, haben es unendlich viel schwerer als einst Tom Lüthi.

Ein gut aussehender Zürcher

«Der Einstieg war ein Schock»

Jesko Raffin über die Moto2-WM

Jesko Raffin wäre mit der Fahrt auf den 8. Platz im Jahr 2002 DER Schweizer Töffstar geworden. Denn der Zürcher sieht gut aus, hat enormes Talent, ist mental robust und bringt alles mit für eine grosse Töffkarriere. Tom Lüthis Einstieg in den GP-Zirkus über die 125er-Klasse (heute Moto3) war einfacher als jener von Jesko Raffin.

Moto2 rider Jesko Raffin of Switzerland walks in front of his garage after the third free practice session for the Japanese Motorcycle Grand Prix at the Twin Ring Motegi circuit in Motegi, north of Tokyo,  Saturday, Oct. 10, 2015. (AP Photo/Shizuo Kambayashi)

Jesko Raffin hätte das Zeug zum Schweizer Töffstar. Bild: Shizuo Kambayashi/AP/KEYSTONE

Er ist über die spanische Meisterschaft (die er gewonnen hat!) letzte Saison in die Moto2-WM eingestiegen. Direkt in die zweitwichtigste Töff-WM und die Klasse mit der grössten fahrerischen Leistungsdichte. «Der Einstieg war ein Schock» sagt er heute rückblickend. «Ich brauchte Zeit um mich an dieses Niveau zu gewöhnen.»

Ein 8. Rang als Nebenschauplatz

29 Rennen Angewöhnungszeit hat Jesko Raffin gebraucht. Jetzt ist er in der Moto2-WM angekommen. Aber eben: Die Schlagzeilen auf dem Sachsenring haben Tom Lüthi und Dominique Aegerter geschrieben. Tom Lüthi mit einem Sturz, Dominique Aegerter mit seiner Krise, die so viele Fliehkräfte entwickelt hat, dass das Schweizer «Töff-Dream Team» mit ihm und Tom Lüthi auseinanderfliegen kann. Der 8. Platz von Jesko Raffin ist als nette Episode so nebenbei auch noch zur Kenntnis genommen worden und wird nach ein paar Tagen schon vergessen sein. Der vergessene Ruhm des Jesko R.

«Wenn ich ehrlich sein will, nur der Rücktritt.

Marco Rodrigo, Manager von Jesko Raffin, zu den Optionen für seinen Schützling

Das ist höchst ungerecht. Wie schwierig es in diesen Zeiten für einen Schweizer ist, neben den beiden Berner Titanen im Töff-Business Fuss zu fassen, mag eine kleine Begebenheit illustrieren. Jesko Raffins Manager Marco Rodrigo wird am Donnerstag vor dem Deutschland-GP gefragt, welche Optionen er für seinen Schützling für die Saison 2017 habe. Er sagte: «Wenn ich ehrlich sein will, nur der Rücktritt.»

30.05.2015; Mugello; Motorrad - GP Italien 2015 - Qualifying;  Jesko Raffin (SUI), Kalex mit seinem Foerderer und Manager Marco Rodrigo (SUI). (Waldemar Da Rin/freshfocus)

Jesko Raffin mit Manager Marco Rodrigo.
Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Weil es so schwierig sei, einen Platz in einem Team und Geld für die nächste Saison zu finden. «Ich habe in den entscheidenden nächsten Wochen einfach zu wenig in der Hand um Verhandlungen zu führen. Ein Glanzresultat auf dem Sachsenring wäre ungemein wertvoll.»

Eine gute Schule für Leben

Jeskos Vater André ist auch dabei. Er kommt auf dem Sachsenring erstmals in dieser Saison zu einem Rennen. Über die schwierige Lage beschwert er sich nicht. «Ich habe hunderte von Kilometern für Jeskos Karriere zurückgelegt und viel Zeit geopfert und Geld investiert. Aber es war es wert und es ist eine gute Schule fürs Leben. Der Rennsport ist seine Leidenschaft und wir haben es probiert.»

Während des Rennens wird er in Box stehen und kann nicht mehr auf den TV-Monitor schauen. «Das Rennen wollte und wollte einfach nicht zu Ende gehen. Aber jetzt sind wir froh – und stolz auf diese Leistung.»

Die Schweizer Moto2-Piloten 2016

Dieses Glanzresultat, das sein Manager für seine Verhandlungen braucht, hat Jesko Raffin mit dem 8. Platz geliefert. Er weiss selbst, dass es höchste Zeit war und sagt: «Ja, das war sozusagen im letzten Moment.»

Unter maximalem Druck und schwierigsten Bedingungen hat er seine bisher beste Leistung abgerufen – auch das spricht für diesen jungen Fahrer, der eigentlich alles hat, um der nächste Tom Lüthi oder Dominique Aegerter zu werden. Aber eben: noch warten Fans, Medien und Sponsoren eben nicht auf den nächsten Lüthi und Aegerter. Weil beide ja noch da sind.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • CheGue 20.07.2016 01:44
    Highlight Highlight Viel tragischer noch ist, dass sich zwei Schweizer-Motocross-Piloten, Jeremy Seewer und Valentin Guillod, auf Spitzenplätzen der WM positionieren und praktisch keine Medien-Plattform erhalten! Würden sie sich auch einmal diesen Fahrern annehmen, Herr Zaugg?! Sie wissen ja wo Aegerter und Marques und Co. herkommen😁😁😉.... Besten Dank!👍🏻✊🏻✊🏻
  • Schnurri 19.07.2016 07:20
    Highlight Highlight Das gleiche Schicksal erlitt meiner Meinung nach Randy Krummenacher, der mit dem ihm zur Verfügung gestellten Material sein Talent leider nie wirklich zeigen konnte.

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