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Auf ihn sind beim Super Bowl alle Augen gerichtet: Superstar Tom Brady. bild: ap

Warum der beste aller Quarterbacks auch der König der Kontroverse ist

Für viele ist er schlicht der Beste aller Zeiten: Tom Brady. Kein Spielmacher hat den Superbowl häufiger gewonnen als er. Doch nicht nur durch sein Bekenntnis zu Donald Trump hat er sich viele Sympathien verspielt.

Nicola Berger / ch media



Tom Brady hat diesen Übernamen, in den USA, viele nennen ihn nur «GOAT». Goat, das heisst eigentlich Ziege, aber ist auch die Abkürzung für «Greatest Of All Time», für den Grössten aller Zeiten. Es ist eine Bezeichnung, mit dem Journalisten und Fans gerne und schnell jonglieren in einer Zeit, in der ein Superlativ den nächsten jagt. Oft ist das falsch, immer aber sprachlich unpräzis.

Denn «aller Zeiten» schliesst die Zukunft ein. Und bis jetzt ist noch jeder Clairvoyant, der von sich behauptet, 100, 200, 1000 Jahre in die Zukunft blicken zu können, als Scharlatan überführt worden.

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Sechs Super-Bowl-Ringe hat ausser Brady keiner. bild: twitter

Die glücklichste Fügung der NFL-Geschichte

Doch bei Brady könnte die Bezeichnung «GOAT» halt doch stimmen, ganz ohne vorauseilenden Gehorsam – so unvergleichlich ist seine Karriere. Es wäre kein Problem, den Rest dieses Textes mit Meriten und Rekorden Bradys aufzufüllen, so viele hat er aneinandergereiht – und das obwohl ihm die Scouts einst das Talent für eine NFL-Karriere absprachen. New England selektionierte ihn im Draft des Jahres 2000 erst in der sechsten Runde aus, an 199. Stelle seines Jahrgangs.

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Nein, wie ein Superstar sah Brady beim Draft nicht aus. bild: twitter

Es war die glücklichste Fügung der NFL-Geschichte. Denn kein Quarterback hat den Superbowl häufiger gewonnen als Brady mit seinen sechs Titeln. Und am Sonntag steht er zum zehnten Mal auf der grössten Bühne, die der milliardenschwere nordamerikanische Profisport zu bieten hat.

Auch das ist Rekord, klar, ebenso wie sein fast biblisches Alter: 43 ist er. So alt war noch nie ein Spielmacher im Superbowl - beziehungsweise höchstens als Kommentator an der Seitenlinie.

Im Sommer wechselte Brady von den New England Patriots nach Florida, nach 20 Jahren. Wechsel im Spätherbst der Karriere haben sich bei den grossen Sportlern der Moderne selten gelohnt, rein sportlich, Michael Jordan zum Beispiel erlebte in Washington ein Fiasko. Auch Brady wurde zum Rücktritt geraten, nach einer schwachen Saison 2019, mit der bei den Patriots eine beispiellose Dynastie endete.

Doch stattdessen erlebt er im Rentnerparadies nun seinen x-ten Frühling. Brady ist oft totgesagt worden, weil noch niemand den Alterungsprozess hat überlisten können, schon gar nicht in der NFL. In einer Liga, in der eine durchschnittliche Karriere 3,3 Jahre dauert. Und in der nicht wenige Folgeschäden davontragen, weil die Gesundheitsrisiken so gross sind.

Womöglich wurde Brady auch einfach deshalb der Untergang vorausgesagt, weil sich steile Thesen zu seiner Person verkaufen lassen – und er aneckt. Brady ist enorm populär, kein Trikot wird in der NFL häufiger verkauft als die Nummer 12 mit seinem Namen. Aber er polarisiert auch stark.

Brady und Trump

Vor den US-Präsidentschaftswahlen legte er einen dieser roten «Make America Great Again»-Hüte an seinen Garderobenplatz. Brady, der Trump-Supporter, viele nahmen ihm das übel.

Und da ist, klar, auch Neid. Abneigung für diese unablässig zur Schau gestellte Perfektion des eigenen Lebens, das Amerikas zahnpastalächelnder Musterschwiegersohn mit dem Supermodel Gisele Bündchen führt. Es half auch nicht, dass seine Firma «TB12 Inc.», mit der er Nahrungsergänzungsmittel und Kochbücher verkauft, in denen steht, dass man keine Tomaten essen solle, im Sommer fast eine Million Dollar an Corona-Unterstützungszahlungen erhielt, während etliche kleine Firmen leer ausgingen.

Alleine Bradys Zweijahresvertrag in Tampa ist mit 50 Millionen Dollar dotiert. Das Vermögen seiner Frau beläuft sich auf mehr als 400 Millionen. Brady, das suggerierte diese Episode, ist nicht nur was Titel angeht unersättlich.

Zwischentöne gibt es nicht

Aber fraglos am schädlichsten für seine Reputation waren die «Deflategate» und «Spygate»-Skandale in New England, die den Narrativ schürten, Brady könne nur dann gewinnen, wenn sein Team betrüge - auch wenn er das längst eindrücklich widerlegt hat. Das «Deflategate» in den Playoffs von 2016, bei dem die Bälle des Gegners Indianapolis Colts manipuliert worden sein sollen, kostete die Patriots eine Million Dollar und ihr Erstrundendraftrecht.

Brady wurde für vier Spiele gesperrt. Seither wird Brady die Schatten bei aller Bewunderung für seine famose Karrieren nicht mehr los. Sein Name lässt niemanden kalt, er ist der König der Kontroverse. Brady löst entweder Verehrung oder Verachtung aus, einen Zwischenton gibt es nicht.

Auch wenn er in der Nacht auf Montag in Tampa spielt – die Buccaneers sind das erste Team seit 1966, welches den Superbowl im eigenen Stadion bestreiten kann – wird Brady die Gemüter erhitzen.

Der NFL kann das nur recht sein, Brady ist ein Quotengarant. Und vielleicht werden sich für diese Partie sogar ein paar Leute mehr auf seine Seite schlagen: die Buccaneers sind der Aussenseiter, und wenn Amerika etwas liebt, neben Turbokapitalismus, Hot Dogs und der eigenen Nationalhymne, dann sind das: Underdogs.

Titelhalters Kansas City Chiefs, ist ein Generationenduell; Mahomes ist 18 Jahre jünger. Doch man sollte sich davor hüten, die Partie als Begegnung zwischen der Vergangenheit und der Zukunft der NFL zu apostrophieren. Brady gilt schon seit 7, 8, 9 Jahren als Quarterback des Gestern. Und verkörpert doch immer noch die Gegenwart.

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Brady, Busen und Bälle – so erklären Laien den Super Bowl

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