Englands Crash in der Champions League – die reichste Liga der Welt hat Arbeit vor sich
Newcastle United reihte sich am Mittwoch in die Reihe der schwer geschlagenen englischen Klubs ein. Eine Erklärung für die 2:7-Klatsche in Barcelona hatte Trainer Eddie Howe genauso wenig wie seine Amtskollegen Pep Guardiola und Liam Rosenior nach deren schweren Pleiten mit Manchester City respektive Chelsea.
«Es ist hart, so auszuscheiden», meinte Howe nach der höchsten Europacup-Niederlage in Newcastles Vereinsgeschichte. «Es ist seltsam, weil wir in der ersten Halbzeit exzellent waren.»
Als Bruch im Spiel seiner Mannschaft erkannte Howe das 3:2 von Barcelona kurz vor der Pause durch einen Penalty von Lamine Yamal. «Davon haben wir uns mental nicht erholt», analysierte der 48-jährige Engländer. «Anstatt mit voller Energie und grossem Enthusiasmus in die zweite Hälfte zu gehen, gab es diesen Rückschlag, weil wir in dieser Aktion nicht gut genug verteidigt haben.»
Eine Flut an Gegentoren
Verteidigen und Rückschläge überwinden wird nach den Achtelfinals das grosse Thema in England sein. Tottenham vergeigte seine mögliche Viertelfinal-Qualifikation gegen Atlético Madrid mit drei fatalen Defensivfehlern innerhalb der ersten Viertelstunde des Hinspiels.
Chelsea widerfuhr in Paris Ähnliches in der Schlussviertelstunde, in der aus dem 2:2 ein mehr als vorentscheidendes 2:5 wurde. Manchester City lag nach 45 Minuten des Duells gegen Real Madrid mit 0:3 zurück.
Am Ende verloren Newcastle, Tottenham, Chelsea und Manchester City ihre Achtelfinals ohne Wenn und Aber: 3:8, 5:7, 2:8 und 1:5. Insgesamt 28 Gegentore in acht Partien sind nicht weniger als eine Blamage für die Klubs aus der mit Abstand reichsten Liga Europas. Vorauszusehen war so ein Absturz nicht.
Rasch aus dem Konzept
Auf der Insel wurde nach der Ligaphase der Champions League diskutiert, wie gross und nachhaltig die Dominanz der Premier League in Europa ist. Unter dem Eindruck der letzten Monate mit fünf englischen Klubs unter den besten acht der Vorrunde und einem Europa-League-Sieger (Tottenham), der in England wie schon im letzten Jahr gegen den Abstieg kämpft, drängte sich diese Debatte auf.
Nach den Achtelfinals ist dieses Thema vorerst abgeschlossen. Jeder der englischen Verlierer wird für sich Ursachenforschung betreiben müssen. Chelsea hat ein Problem auf der Goalie-Position und eine junge Mannschaft, die etwas naiv auftritt, Newcastle fehlt mit dem Schweizer Fabian Schär seit Wochen eine wichtige Abwehrstütze verletzungsbedingt, Manchester City mangelt es zuweilen an Effizienz, und Tottenham hat andere (Abstiegs-)Sorgen.
Was das Quartett auf dem Weg zum deutlichen Achtelfinal-Out gemeinsam hatte, waren neben den vielen Gegentoren die mangelhafte mentale Stärke. Gegenwind brachte sie gar rasch aus dem Konzept, was angesichts der Klasse der einzelnen Spieler überrascht. Die BBC spekulierte, dass womöglich die grosse Intensität und die hohe Belastung in der Premier League die Leistungen in der Champions League negativ beeinflussen.
Arsenal und Liverpool retten die Ehre
Zwei englische Teams bleiben immerhin übrig. Arsenal gab sich gegen Leverkusen keine Blösse und ist für die Buchmacher weiterhin der Titelkandidat Nummer 1, auch wenn auf die noch in vier Wettbewerben vertretenen Londoner in den kommenden Wochen ein immenses Programm wartet.
Liverpool zeigte gegen Galatasaray Istanbul, wie man Rückschläge verarbeitet: Auf das 0:1 in der Türkei reagierte der englische Meister mit einem beeindruckend herausgespielten 4:0-Heimsieg. (ram/sda)
