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Eingang zu einer Doping-Kontrollstation in Tokio.
Eingang zu einer Doping-Kontrollstation in Tokio.Bild: keystone

So gross wie in Tokio war der Aufwand noch nie, Dopingbetrüger zu fassen

Die in Lausanne beheimatete internationale Testagentur ITA ist in Tokio erstmals für die Dopingkontrollen bei Olympischen Spielen verantwortlich. Sie macht dies mit einigen Innovationen und einem umfassenden Programm
16.07.2021, 20:02
Rainer Sommerhalder / CH Media

Die International Testing Agency (ITA) zählt inzwischen mehr als 50 Sportverbände zu ihren Kunden. Für diese verrichtet sie einen Teil bis hin zur kompletten Antidoping-Arbeit. Dass die erst 2018 gegründete Organisation dabei zwar bezahlt wird, aber nicht käuflich ist, hat sie Mitte Juni mit einem schonungslosen Bericht über 146 ungelöste Dopingfälle sowie über Korruption und Manipulation durch Spitzenfunktionäre im Gewichtheben bewiesen.

Die ohnehin schon angeschlagene Sportart verliert dadurch für die Olympischen Spiele in Tokio weiter an Bedeutung. 21 Nationen dürfen wegen mehrmaligen Dopingvergehen nur einen kleinen Teil ihrer Quotenplätze besetzen, die vier Länder Rumänien, Thailand, Ägypten und Malaysia wurden gar komplett ausgeschlossen. Rund 20 Prozent der vorgesehenen Athleten werden in Japan auch wegen der Arbeit der ITA nicht am Start stehen.

Mehr Glaubwürdigkeit und Schlagkraft für die ITA

Während Vertragspartner Gewichtheberverband also massiv an Einfluss verliert, hat die ITA mit ihrem rigorosen Durchgreifen bei der eigenen Kundschaft rundherum deutlich an Anerkennung gewonnen. Weil die in Lausanne beheimatete Organisation in den drei Jahren seit der Gründung rasch auf heute über 70 Antidoping-Experten gewachsen ist und sich ihre Aufgaben rasant vergrössert haben, zweifelten Skeptiker an Fachexpertise und Leistungsfähigkeit der ITA. Hinter vorgehaltener Hand wurde sogar von einer Schwächung des Kampfs gegen Doping gesprochen.

Das Team von Direktor Benjamin Cohen strafte die Kritiker Lügen. Derzeit stehen die Vorteile des unter einem Dach harmonisierten Kampfs gegen die Betrüger im Fokus. Und Cohen sagt klar: «Wir haben gezeigt, dass wir nicht hier sind, um Politik zu machen. Wir fokussieren uns auf die Fakten.»

Nun steht die grösste Bewährungsprobe für die noch junge Organisation auf der Agenda. Erstmals trägt man die Verantwortung für die gesamte Antidoping-Arbeit bei Olympischen Sommerspielen. Rund 5000 Proben wird man in den kommenden drei Wochen bei den gut 11'000 Athletinnen und Athleten nehmen. Und dabei mit einigen Neuerungen aufwarten, wie der Romand Benjamin Cohen am Tag vor seiner Abreise nach Tokio verrät. «Wir haben hart gearbeitet, um mit unserem Einsatz die Glaubwürdigkeit des Sports zu schützen», sagt Cohen. So habe man sämtliche Empfehlungen der unabhängigen Beobachter von vorherigen Spielen analysiert und ins Konzept einfliessen lassen. «Ich kann mit Überzeugung sagen: Es ist das umfangreichste Programm gegen Doping, das es je an Olympischen Spielen gegeben hat.»

Erstmals wird als technische Innovation die gesamte Kontrolltätigkeit papierlos geschehen. Ihren Stützpunkt haben die Dopingexperten der ITA direkt im Athletendorf. Von den Proben werden so viele wie nie zuvor an einem Sportanlass für maximal zehn Jahre eingelagert. Schliesslich wurden bei Nachkontrollen von Proben der Olympischen Spiele 2008 in Peking und 2012 in London mit neuen Analysemethoden 133 Betrüger nachträglich entlarvt, viele davon Medaillengewinner.

Der Ort, wo unter Aufsicht Proben abgegeben werden.
Der Ort, wo unter Aufsicht Proben abgegeben werden.Bild: keystone

Die ITA hat zur fachgerechten Lagerung von Zehntausenden von Urin- und Blutproben bei Temperaturen bis zu minus 80 Grad ein gut gesichertes Gebäude in der Nähe von Lausanne eingerichtet. Auch Swiss Olympic lagert seine Dopingproben neuerdings dort ein.

Experten kümmern sich um Tests vor den Spielen

Ein wichtiger Teil der Kontrolltätigkeit geschieht bereits Wochen und Monate vor dem Entzünden des Olympischen Feuers. So wie auch die Doper ihre Aktivitäten vielfach im Aufbau auf einen Wettkampf forcieren. Um aufgrund einer Risikobewertung und erkannten Lücken Tests zum richtigen Zeitpunkt vornehmen zu können, hat eine Expertengruppe der ITA mit je fünf Antidoping-Fachleuten von nationalen Agenturen von internationalen Verbänden 26'000 Empfehlungen an alle beteiligten Sportverbände und nationalen Anti-Doping-Agenturen ausgegeben. Zum Vergleich: Vor den Spielen 2016 in Rio waren es 1500 Empfehlungen. «Aber auch die Qualität dieser Expertenarbeit war so hoch wie noch nie», sagt Cohen.

Und um von Sportfunktionären gedeckte Manipulationen zu verhindern, wie in der Vergangenheit beim Gewichtheben geschehen, hat die ITA ihre Kontrolltätigkeit bereits zwei Monate vor der Eröffnung der Spiele übernommen. Bisher waren ausschliesslich die Fachverbände bis zur Eröffnung des Olympischen Dorfs zuständig. Diese erweiterte Kontrollautorität wurde dem IOC erstmals erteilt, die ITA führte in dessen Namen während dieser zwei Monate zusätzliche Kontrollen ausserhalb der Wettkämpfe durch. Cohen ist überzeugt, dass das Fenster für Doper so klein wie nie ist.

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